Wirtschaftsweise: Griechische Schulden halbieren

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Beatrice Weder di Mauro ist eine der fünf Wirtschaftsweisen.

Berlin - Die fünf deutschen Wirtschaftsweisen und französische Top-Ökonomen fordern einen klaren Schuldenschnitt für Griechenland. Ansonsten drohe der Zerfall der europäischen Währungsunion.

In einem Aufruf in der “Financial Times Deutschland“ (Dienstag) schreiben zehn Top-Wissenschaftler, nach wie vor bestehe die Gefahr, “entweder unbegrenzter Unterstützungsleistungen oder eines unkontrollierten Zerfalls der Währungsunion“. Die Gläubiger Griechenlands sollten darum “auf ungefähr die Hälfte des Nominalwerts ihrer ausstehenden griechischen Staatsanleihen verzichten“.


Um den Umschuldungsprozess stabil zu gestalten, sollte der EU-Rettungsschirm EFSF eigene Anleihen ausgeben, so der Vorschlag der Spitzen-Ökonomen. Griechische Staatsanleihen im Wert von 100 Euro sollten dann gegen EFSF-Anleihen zu 50 Euro getauscht werden können. Zudem solle der EFSF ermächtigt werden, die Banken mit starkem Griechenland-Engagement zu stützen. Allerdings räumten sie ein: “Diese Umschuldung könnte indes zu einer Kettenreaktion bei anderen Krisenländern führen.“

Krisenhelfer IWF und Weltbank: Was machen die eigentlich?

Der IWF wurde 1944 zusammen mit der Weltbank in Bretton Woods ( USA) gegründet. Ziel war es, nach dem Zweiten Weltkrieg ein neues Weltwirtschaftssystem mit stabilen Wechselkursen einzuführen. Die Zusammenarbeit in der Währungspolitik und im internationalen Zahlungsverkehr sollte gefördert werden. © dpa
Die Finanzhilfen des IWF sind meist an strenge Auflagen geknüpft - etwa an die Sanierung des Staatshaushalts. © dpa
Der Internationale Währungsfonds ( IWF) ist in der weltweiten Finanzkrise zu einem der wichtigsten Krisenhelfer aufgestiegen. © dpa
Die Sonderorganisation der Vereinten Nationen greift ein, wenn Staaten Finanzschwierigkeiten haben oder ihnen der Bankrott droht. Der IWF hilft den Mitgliedsländern dann mit Krediten. © dpa
Chef des IWF ist in der Regel ein Europäer. Aktuell wird er von der früheren französischen Finanzministerin Christine Lagarde gelenkt, die nach dem Rücktritt des Franzosen Dominique Strauss-Kahn an die IWF-Spitze rückte. © ap
Der spätere Bundespräsident Horst Köhler war von 2000 bis 2004 IWF-Chef. Zunehmend drängen aber auch Schwellenländer darauf, den Topposten zu stellen. © dpa
Die Quote bestimmt auch das Mitspracherecht. Der Einfluss aufstrebender Schwellenländer - etwa Chinas oder Indiens - beim IWF wurde zuletzt mit einer Stimmrechts- und Quotenreform erhöht. © dpa
Die Kapitaleinlagen (Quoten) der mittlerweile 187 Mitgliedsländer richten sich unter anderem nach der Stärke ihrer Volkswirtschaft. © dpa
Gerade in der Bewältigung der Euro-Schuldenkrise spielt der IWF eine wichtige Rolle. Zusammen mit den Europäern schnürte der Währungsfonds Milliarden-Rettungspakete für die Schuldensünder Griechenland, Irland und Portugal. © dpa
Die Weltbank steht nicht ganz so stark im Licht der Öffentlichkeit wie der IWF. Ursprünglich war ihr Ziel, nach dem Zweiten Weltkrieg den Wiederaufbau zu fördern und in Zusammenarbeit mit dem IWF stabile Währungen zu schaffen. © ap
Seit den 1960er Jahren liegt ihre Hauptaufgabe in der Entwicklungshilfe. Schwerpunkte sind die Förderung von Infrastruktur, Privatwirtschaft und Umweltprojekten sowie der Kampf gegen Armut und Krankheiten. © dpa
Im Gegenzug zur europäischen Besetzung der IWF-Spitze wird die Weltbank traditionell von einem Amerikaner geleitet, ab 1. Juli 2012 führt Jim Yong Kim die internationale Finanzeinrichtung. © dpa

Spanien und Italien müssten “ihre Wachstumsreformen beschleunigen und können gegebenenfalls eine Notfallkreditlinie beim IWF beantragen“, schreiben die Ökonomen weiter. Dabei sei es hilfreich, dass Italiens Staatsschulden eine lange Restlaufzeit hätten und Spanien Konsolidierungs- und Reformprogramm recht weit vorangekommen seien.

Aber die Wirtschaftsfachleute sagen auch: “Selbst wenn die genannten Solvenzprobleme gelöst sind, bleibt noch immer das Risiko einer sich selbst erfüllenden Liquiditätskrise.“ Darum müssten Euro-Zonen-Regierungen, der EFSF und der Europäischen Zentralbank entschlossen und gemeinsam handeln. Das alles sei zwar “kurzfristig sehr schmerzhaft“. Es ebne aber den Weg zu langfristiger Stabilität - denn der “Teufelskreis aus Banken- und Schuldenkrise“ könne so durchbrochen werden.

dapd

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