Dienstwagen-Flotte

VW-Chef Diess verdonnert Führungskräfte zum Umstieg auf E-Autos und sorgt für Zoff: „Schwere Geburt“

VW-Chef Herbert Diess macht bei der E-Offensive auch vor der eigenen Dienstwagen-Flotte nicht halt. Bei den Führungskräften sorgen die Änderungen für reichlich Unmut.

  • Volkswagen steckt mitten im Umbau zur E-Mobiltät.
  • Aber die E-Offensive ging bislang am VW-eigenen Dienstwagen-Pool vorbei.
  • Jetzt nimmt Konzern-Chef Herbert Diess die eigenen Führungskräfte in die Pflicht.

München - Volkswagen* will die Dienstwagenflotte seiner Kernmarke VW weitgehend auf E-Antrieb* umstellen. Das kündigte Konzern-Chef Herbert Diess auf dem Karriere-Portal LinkedIn an. Die Mitarbeiter dürften von den Führungskräften erwarten, dass sie „mit gutem Beispiel“ vorangingen. Dafür müsse sich „auch das Verhalten bei althergebrachten Privilegien ändern“.

Nach den Plänen sollen bis Jahresende rund ein Drittel aller VW-Dienstwagen mit einem Hybrid-Antrieb oder rein elektrisch unterwegs sein, sagte ein VW-Sprecher gegenüber Merkur.de*. Bei VW werden pro Jahr etwa 15.000 Fahrzeuge als Dienstwagen zugelassen.


VW-Chef Herbert Diess nimmt bei seiner E-Auto-Offensive jetzt auch die Führungskräfte in die Pflicht.

Ähnlich wie bei vielen anderen Autobauern dürfen auch bei VW Mitarbeiter ab einer bestimmten Hierarchie-Ebene Dienstwagen ordern. Bei VW gilt dies für Mitarbeiter ab der Stufe Tarif Plus, also Beschäftigte ab Teamleiter aufwärts oder Mitarbeiter mit vergleichbarer Verantwortung. Bei anderen VW-Töchtern ist das ähnlich.

Nach der ab 1. September geltenden Regelung sollen die Emissionen der übrigen Dienstwagen mit herkömmlichen Antrieben über eine entsprechende Abgabe kompensiert werden. So sollen alle Fahrer eines Verbrenners bzw. eines Hybrids monatlich 15 Euro in einen entsprechenden Topf einzahlen.

VW: Dienstwagen-Berechtigte, die keinen echten Stromer fahren, müssen künftig extra zahlen

Das Geld soll laut VW in entsprechende Klimaschutzprogramme wie etwa Aufforstungsprojekte fließen. Die Dienstwagen-Flotte von VW werde damit künftig CO2-neutral sein, erklärte ein VW-Sprecher. Laut Diess lag der CO2-Ausstoß der VW-Dienstwagen-Flotte zuletzt bei 137 Gramm je Kilometer und „damit deutlich über dem Durchschnitt der verkauften Fahrzeuge. Das geht nicht!", schrieb Diess apodiktisch. Mit der Umstellung werde der entsprechende Wert bis Jahresende auf 97 Gramm sinken, versprach der VW-Boss.

VW: Eingriff in Dienstwagen-Privileg sorgt bei Führungskräften für Unmut

Der Eingriff in das begehrte Dienstwagen-Privileg der VW-Führungsetage war intern umstritten. Während viele Wettbewerber für ihre Dienstwagen bereits CO2-Ziele festgelegt hätten, sei das bei VW eine schwere Geburt gewesen, räumte Diess freimütig ein.

Der VW-Chef treibt den Umbau des Konzerns in Richtung E-Antriebe* mit Macht voran. Mit der Markteinführung des ID.3 Anfang September will der Konzern einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zur Elektro-Mobililtät setzen.

VW-Chef: Urlaubsfahrt im ID.3 macht Furore im Netz

Zuletzt hatte Diess mit einer Urlaubsfahrt im voll-elektrischen ID.3 im Web für Furore gesorgt. Mit der Fahrt von München an den Gardasee wolle er den Beweis antreten, dass man schon jetzt mit reinen Stromern in den Urlaub fahren könne, hatte Diess vor dem Trip mit seiner Tochter Caro angekündigt.

Abgesehen von kleinen Verbesserungshinweisen an seine Ingenieure fiel sein Fazit zum Italien-Trip im konzerneigenen Stromer entsprechend positiv aus. E-Mobilität werde „endlich massentauglich“, warb Diess. Und der ID.3 habe gezeigt, warum das Fahrzeug „der Start in eine neue Ära ist“.

Beobachter sehen die Lage dagegen etwas differenzierter. Erst vor wenigen Tagen hatte etwa die VW-Tochter Porsche* ihren Super-E-Sportler Taycan wegen eines Software-Updates in die Werkstatt zurückrufen müssen. Das hatte im Netz für reichlich Spott gesorgt. Auch der Produktionsanlauf des ID.3 war von massiven Software-Problemen überschattet - und wohl auch wegen des neuen Elektro-Images dürfte wohl eine weltbekannte VW-Marke weichen müssen*. *Merkur.de ist Teil des Ippen Digitalnetzwerks.

Rubriklistenbild: © dpa/Silas Stein

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