Konzern sieht Wertberichtigungsbedarf

Börsen-Talfahrt von SKW aus Unterneukirchen

Unterneukirchen - Der Metallurgie-Konzern SKW sieht massiven Wertberichtigungsbedarf. An der Börse kam das nicht gut an, die Aktie stürzte um 55 Prozent ab.

Die Aktie der SKW Metallurgie Holding AG, ein Unternehmen mit Sitz in Unterneukirchen, hat am Aktienmarkt eine beispiellose Talfahrt erlebt. Der Kurs der Aktie stürzte vergangene Woche um 55 Prozent ab, lag plötzlich nur noch bei rund drei Euro. Zwischenzeitlich wurde sogar der Handel ausgesetzt.

Wertberichtigungen in Höhe von 84 Millionen Euro

Der Grund für den Absturz der Aktie war eine negative Ad hoc-Meldung des Unternehmens, in der publik wurde, dass SKW massiven Wertberichtigungsbedarf sieht. Zum 30. Juni 2014 würden "außerordentliche Wertberichtigungen in voraussichtlicher Höhe von 84 Millionen Euro erforderlich", so die Auskunft des Unternehmens. SKW betonte zwar, dass außerordentliche Wertberichtigungen nicht zahlungswirksam seien, womit weder das laufende Geschäft noch die liquiden Mittel des Konzerns betroffen sind. An der Börse waren die Auswirkungen der Meldung dennoch verheerend.

Grund dafür dürfte insbesondere der negative Ausblick von SKW auf das Jahresergebnis sein: "Das Konzernjahresergebnis und das Ergebnis je Aktie werden auf Grund der beschriebenen Sachverhalte im Gesamtjahr 2014 deutlich negativ ausfallen und damit deutlich unter Vorjahr liegen." Inzwischen hat sich die Aktie zwar leicht erholt und liegt immerhin wieder deutlich über vier Euro - die Verluste der Vorwoche hat das Papier damit aber nicht wettgemacht.

Werke in Bhutan und Schweden auf dem Prüfstand

Das Unterneukirchner Unternehmen, ein weltweit führender Anbieter von Entschwefelungs- und Sekundärmetallurgielösungen für die Stahlindustrie, steht vor einer Zäsur. Wie es in einer Konzernmitteilung heißt, habe der Vorstand entschieden, "die Strategie der Rückwärtsintegration nicht weiter zu forcieren". Rückwärtsintegration bedeutet, Fertigungsstufen zu übernehmen, die bisher von Zulieferern durchgeführt wurden. Die Neuausrichtung von SKW betrifft in erster Linie ein Kalziumkarbid-Werk in Schweden und ein Kalziumsilizium-Werk in Bhutan. Ein großer Teil der Wertberichtigungen bezieht sich auf diese beiden Werke. "Der SKW Metallurgie Konzern prüft aktuell alle zur Verfügung stehenden Optionen für die betroffenen Konzernunternehmen in Bhutan und Schweden", heißt es seitens des Konzerns.

Ein weiteres Problem von SKW ist, dass die Kosten für die Anpassungen und eine Neuausrichtung des Konzerns das Ergebnis derart belasten, dass die Bedingungen der Kreditverträge verletzt werden. Theoretisch könnten die Gläubiger dann die Kredite kündigen. Nach Konzernangaben haben die Kreditgeber allerdings einem Kündigungsverzicht bis Ende September zugestimmt.

BaFin prüft Kurssturz

Unabhängig davon erwägt der Konzern eine Kapitalerhöhung. "Über einen derartigen Schritt wird man nachdenken müssen", sagte Vorstandschef Kay Michel gegenüber der "Börsenzeitung", betonte aber zugleich: "Das Kerngeschäft funktioniert, wir haben kein Liquiditätsproblem." Beobachter bewerten die Lage allerdings deutlich kritischer: So wird auf teleboerse.de ein Händler mit den Worten zitiert: "Dem Unternehmen droht die Überschuldung."

Der Kurssturz der SKW-Aktie beschäftigt nun auch die Aufsichtsbehörden. Das Papier war bereits vor Bekanntwerden der Wertberichtigungen um 16 Prozent abgestürzt. Die Kursbewegung wird nun von der BaFin untersucht. Eine Sprecherin wird in mehreren Medien mit den Worten zitiert: "Ja, die BaFin untersucht den Fall - routinemäßig und ergebnisoffen."

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