Rüsselsheimer Autobauer 

Opel macht wieder Gewinn - und baut weiter Arbeitsplätze ab

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Opelwerk in Rüsselsheim: Der Autobauer kehrt in die Gewinnzone zurück - aufgrund harter Sanierungsmaßnahmen.

Opel machte jahrelang Verluste. Nun kämpfen sich die Rüsselsheimer langsam wieder in die Gewinnzone. Viele Jobs bleiben allerdings auf der Strecke.

Rüsselsheim - Zwei Jahre nach der Übernahme durch den Peugeot-Hersteller PSA geht es bei Opel allmählich bergauf. „Unser Comeback ist gut gelungen“, glaubt zumindest Opel-Chef Michael Lohscheller. Immerhin konnten die Rüsselsheimer im ersten Halbjahr mit rund 700 Millionen Euro zum Betriebsergebnis des PSA-Konzerns beitragen. Das war ein Plus von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Doch der Preis dafür ist hoch: Viele Beschäftigte verlieren ihre Jobs. 

Lohscheller rechnet für Ende August damit, dass größere Teile des Entwicklungszentrums an Segula übergehen. Die betroffenen Mitarbeiter seien bereits darüber informiert, dass sie das Unternehmen wechseln sollen.

Opel hat jeden dritten Arbeitsplatz abgebaut 

Seit der Übernahme durch PSA im August 2017 hat Opel in seinen deutschen Werken jeden dritten der einst 19.300 Jobs abgebaut, dabei aber auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet. Knapp 6200 Beschäftigte wählten die Abfindungen oder Ruhestandsregelungen, einige hundert sollen noch zu Segula wechseln.

„Opel hat durch ein rigoroses Jobabbau-Programm seine Verluste abgebaut“, erklärte Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer. Er hegt allerdings Zweifel, ob Opel am Markt tatsächlich höhere Preise durchsetze. Dagegen sprächen die nach wie vor hohen Quoten an Eigenzulassungen und häufige Verkäufe an Mietwagenfirmen.

Franzosen sanieren mit harter Hand 

PSA mit den Traditionsmarken Peugeot und Citroën hatte Opel im August 2017 vom US-Autobauer General Motors (GM) übernommen und dann mit harter Hand eine Sanierung eingeleitet. Opel fuhr unter GM jahrelang Verluste ein.

PSA-Konzernchef Carlos Tavares sagte bei der Vorlage der Halbjahreszahlen in Rueil-Malmaison bei Paris, Opel sei rentabler geworden, auch dank intensiver Verhandlungen mit den Gewerkschaften. Gerade in Deutschland hatte es Widerstand gegeben, insbesondere beim Teilverkauf des Rüsselsheimer Entwicklungszentrums an den Ingenieurs-Dienstleister Segula.

Bei Batteriefertigung noch Hürden zu überwinden 

Die geplante Batterieproduktion dagegen liegt wohl noch auf Eis, weil es noch keine Entscheidung zu den beantragten deutsch-französischen Fördergeldern gebe, sagte Tavares. Die Wirtschaftsminister Deutschlands und Frankreichs, Peter Altmaier (CDU) und Bruno Le Maire, hatten im Mai angekündigt, dass PSA, die Tochter Opel und der französische Batteriehersteller Saft in einem deutsch-französischen Konsortium für die Batteriefertigung zusammenarbeiten wollen. 

Altmaier hatte damals die Hoffnung geäußert, dass die Produktion 2022 beginnen könnte. Le Maire sagte im Mai, die für den fairen Wettbewerb in der Union zuständige Brüsseler EU-Kommission habe erlaubt, dass die Fertigung mit bis zu 1,2 Milliarden Euro öffentlichen Geldern gefördert werden könnte.

Unterdessen kündigte Tavares eine Exportoffensive für Opel an. So solle die Marke noch im laufenden Jahr nach Russland zurückkehren. Opel hatte sich unter GM 2015 dort wegen einer Absatzkrise zurückgezogen. 

(dpa/uwe)

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