Ökonom Issing: Griechenland muss raus aus Euro-Zone

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Keine Zukunft hat Grirchenland mit der europäischen Währung nach Meinung von Otmar Ising, dem früheren EZB-Chefvolkswirt.

Hamburg - Das hoch verschuldete Griechenland muss nach Ansicht des früheren EZB-Chefvolkswirts Otmar Issing aus der Euro-Zone ausscheiden. Der Experte fordert für Athen einen "gravierenden Schuldenschnitt“.

Er halte es für ausgeschlossen, dass Griechenland mit Hilfe radikaler Sparmaßnahmen wieder auf die Beine komme, sagte der langjährige Notenbanker dem Magazin “Stern“ laut Vorabmeldung.


Athen werde im kommenden Jahr eine Schuldenquote von 160 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreichen - “den Schuldendienst für diese horrende Last kann das Land schlicht und einfach nicht mehr leisten“.

Krisenhelfer IWF und Weltbank: Was machen die eigentlich?

Der IWF wurde 1944 zusammen mit der Weltbank in Bretton Woods ( USA) gegründet. Ziel war es, nach dem Zweiten Weltkrieg ein neues Weltwirtschaftssystem mit stabilen Wechselkursen einzuführen. Die Zusammenarbeit in der Währungspolitik und im internationalen Zahlungsverkehr sollte gefördert werden. © dpa
Die Finanzhilfen des IWF sind meist an strenge Auflagen geknüpft - etwa an die Sanierung des Staatshaushalts. © dpa
Der Internationale Währungsfonds ( IWF) ist in der weltweiten Finanzkrise zu einem der wichtigsten Krisenhelfer aufgestiegen. © dpa
Die Sonderorganisation der Vereinten Nationen greift ein, wenn Staaten Finanzschwierigkeiten haben oder ihnen der Bankrott droht. Der IWF hilft den Mitgliedsländern dann mit Krediten. © dpa
Chef des IWF ist in der Regel ein Europäer. Aktuell wird er von der früheren französischen Finanzministerin Christine Lagarde gelenkt, die nach dem Rücktritt des Franzosen Dominique Strauss-Kahn an die IWF-Spitze rückte. © ap
Der spätere Bundespräsident Horst Köhler war von 2000 bis 2004 IWF-Chef. Zunehmend drängen aber auch Schwellenländer darauf, den Topposten zu stellen. © dpa
Die Quote bestimmt auch das Mitspracherecht. Der Einfluss aufstrebender Schwellenländer - etwa Chinas oder Indiens - beim IWF wurde zuletzt mit einer Stimmrechts- und Quotenreform erhöht. © dpa
Die Kapitaleinlagen (Quoten) der mittlerweile 187 Mitgliedsländer richten sich unter anderem nach der Stärke ihrer Volkswirtschaft. © dpa
Gerade in der Bewältigung der Euro-Schuldenkrise spielt der IWF eine wichtige Rolle. Zusammen mit den Europäern schnürte der Währungsfonds Milliarden-Rettungspakete für die Schuldensünder Griechenland, Irland und Portugal. © dpa
Die Weltbank steht nicht ganz so stark im Licht der Öffentlichkeit wie der IWF. Ursprünglich war ihr Ziel, nach dem Zweiten Weltkrieg den Wiederaufbau zu fördern und in Zusammenarbeit mit dem IWF stabile Währungen zu schaffen. © ap
Seit den 1960er Jahren liegt ihre Hauptaufgabe in der Entwicklungshilfe. Schwerpunkte sind die Förderung von Infrastruktur, Privatwirtschaft und Umweltprojekten sowie der Kampf gegen Armut und Krankheiten. © dpa
Im Gegenzug zur europäischen Besetzung der IWF-Spitze wird die Weltbank traditionell von einem Amerikaner geleitet, ab 1. Juli 2012 führt Jim Yong Kim die internationale Finanzeinrichtung. © dpa

Ohne einen “gravierenden Schuldenschnitt“ werde Griechenland nicht mehr auf die Beine kommen, betonte Issing. Dieser Schuldenschnitt - also der Verzicht von Gläubigern auf ihr Geld - müsse “mindestens 50 Prozent, wahrscheinlich mehr“ betragen. Das gehe nicht innerhalb der Währungsunion. Daher müsse Griechenland nach einem Schuldenschnitt aus der Eurozone ausscheiden.

Issing warnte vor eine Ansteckung anderer Euroländer durch die aktuelle Krise. Dies müsse verhindert werden, denn etwa Italien sei “viel zu groß, um von anderen gerettet zu werden“. In einem solchen Falle könne das ganze Finanzsystem zusammenbrechen: “Diese Gefahr besteht in der Tat.“

Issing warnte nachdrücklich vor der Einführung von Eurobonds. “Wer Eurobonds will, wird sich als Totengräber eines stabilen Euro erweisen“, sagte Issing. “Am Ende drohen bislang solide Länder in einem Verschuldungsstrudel zu versinken. Dann würde auch Deutschland finanzpolitisch ersticken. Dann ist das Projekt stabiler Euro gestorben.“

Der Ökonom Issing gilt als einer der renommiertesten Währungsexperten Europas. Er saß bis 2006 im Direktorium der Europäischen Zentralbank. 2008 wurde er Regierungsberater für Finanzfragen.

dpa

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