Airline fordert Verhandlungen

Lufthansa-Piloten stimmen für Streik

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Ein Unternehmenssprecher forderte die Piloten am Freitag auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Frankfurt/Main - Bei der Lufthansa droht wieder ein Streik. Mit weit über 90 Prozent stimmten die Piloten für einen Arbeitskampf. Den Passagieren räumen sie eine Vorwarnzeit von 48 Stunden ein - und ruhige Osterferien.

Fluggäste der Lufthansa müssen sich in den kommenden Wochen auf Streiks einrichten. Die Piloten der Kernmarke Lufthansa sowie der Töchter Lufthansa Cargo und Germanwings stimmten mit klarer Mehrheit für einen Arbeitskampf, wie die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) am Freitag berichtete.


Lufthansa müsse ab sofort jederzeit mit einem Ausstand rechnen, den man aus Rücksicht auf die Passagiere 48 Stunden vor Beginn ankündigen werde, erklärte VC-Tarifexpertin Ilona Ritter am Frankfurter Flughafen. Den starken privaten Reiseverkehr zu den Osterferien, der am 11. April einsetzt, wollten die Piloten verschonen, sofern Lufthansa nicht „extrem aggressiv“ reagiere. „Termine kann man verschieben, Ferien nicht“, begründete VC-Sprecher Jörg Handwerg die Ausnahme.

Streit um Übergangsregelung bei vorzeitigem Ausscheiden

Die rund 5400 Piloten der Lufthansa-Passagesparte kämpfen für höhere Gehälter und insbesondere für den Fortbestand ihrer bisherigen Übergangsrenten. Diese Zahlungen ermöglichten es den Kapitänen bislang, bereits ab einem Alter von 55 Jahren mit bis zu 60 Prozent ihrer Grundbezüge in die gesetzliche Rente überzugehen.


Im Schnitt schieden sie zuletzt mit knapp 59 Jahren aus dem Dienst, wie VC und Lufthansa übereinstimmend schildern. Lufthansa hat die Vereinbarung aber zum Jahresende 2013 einseitig gekündigt, weil ihre Verkehrspiloten nach einem EuGH-Urteil inzwischen bis zum Alter von 65 Jahren fliegen dürfen und nicht mehr wie bis 2011 spätestens mit 60 Schluss machen müssen.

„Nach unseren Vorstellungen soll allen fliegenden Mitarbeitern auch in Zukunft ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Berufsleben ermöglicht werden“, hatte Lufthansa-Arbeitsdirektorin Bettina Volkens in dieser Woche an die Piloten und die gleichermaßen betroffenen Flugbegleiter geschrieben. Allerdings müsse das Eintrittsalter in die vom Arbeitgeber finanzierte Übergangsversorgung angehoben werden. Mitarbeiter, die zum Jahresende schon an Bord waren, sollten keine Nachteile auf bereits erworbene Rechte befürchten müssen.

Gewerkschaft findet Sparprogramm überzogen

Ein Unternehmenssprecher forderte die Piloten auf, zu diesem Thema an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Ein neues Gehaltsangebot oder die von der VC verlangte Anerkennung, dass die Übergangsversorgung bis zu einer Neuregelung weiter gelte, sei aber nicht geplant. Lufthansa bezahlt derzeit neue Übergangsrenten nur auf freiwilliger Basis.

Die Kündigung der Übergangsversorgung zum Jahresende 2013 ist das wichtigste Motiv der Piloten für den Streik, für den es noch keinen festen Termin gibt. „Der Beruf ist über die Jahre sehr anstrengend. Wir wollen weiterhin selbst entscheiden können, wann es genug ist“, erklärte der Sprecher der VC-Tarifkommission, Thomas von Sturm.

Die Gewerkschaft betonte erneut, dass sie das harte Sparprogramm unter dem Titel „Score“ bei der Lufthansa für überzogen hält. Die Führung einschließlich des designierten neuen Vorstandschefs Carsten Spohr stehe so unter Druck, dass sie nicht mehr in der Lage sei, vernünftige Tarifkompromisse abzuschließen, meinte Sturm. „Wir sind nicht bereit, unsere Übergangsversorgung für eine höhere Rendite zu opfern.“ Dem Unternehmen wolle die Gewerkschaft eine letzte Chance auf eine Reaktion einräumen: „Die muss unverzüglich erfolgen.“

Bei Streik: Ihre Rechte als Passagier

Es ist eine Horrorvorstellung für Passagiere: Ein Streik am Flughafen legt den ganzen Betrieb lahm. Der Start in den Urlaub verzögert sich, oder die Rückreise. Das sollten Betroffene wissen: © dpa
Fällt ein Flug wegen eines Streiks aus, muss die Airline schnellstmöglich eine Ersatzbeförderung organisieren. Außerdem ist sie verpflichtet, gestrandete Passagiere bei längeren Verspätungen mit Essen und Getränken zu versorgen. © dpa
Was passiert, wenn ich am Flughafen gestrandet bin? Der Veranstalter oder die Fluggesellschaft muss gestrandete Kunden betreuen. Die Leistungen gemäß der EU-Fluggastrechteverordnung sind unabhängig davon, ob das Unternehmen für die Verspätungen oder Ausfälle von Flügen verantwortlich ist. © dpa
Passagiere haben Anspruch auf Essen und Getränke, meist erhalten sie dafür Gutscheine. Verschiebt sich der Flug auf einen anderen Tag, muss die Airline oder der Veranstalter die Übernachtung in einem Hotel übernehmen. © dpa
Wie komme ich trotz des Streiks an mein Reiseziel? Die Fluggesellschaft oder der Veranstalter hat die Pflicht, so schnell wie möglich eine Ersatzbeförderung zu organisieren. Kunden können diese per Telefon oder am Schalter des Unternehmens am Flughafen fordern. Urlauber sollten aber nicht aus Verärgerung ohne Rücksprache einfach ein Zugticket buchen. © dpa
Ab der fünften Verspätungsstunde hat der Fluggast außerdem das Recht, das Ticket zurückzugeben und sich die Kosten erstatten zu lassen. Damit ist die Airline jedoch aus allen Pflichten entlassen. © dpa
Was bedeutet Ersatzbeförderung genau? Die Fluggesellschaft oder der Reiseveranstalter müssen ihre Passagiere schnellstmöglich ans Ziel bringen. Bei kürzeren Streiks ist ein Abwarten üblich. Bei längerer Störung des Flugbetriebes müssen die Airlines und Reiseversanstalter die Kunden mit der Bahn oder Bussen zu anderen Flughäfen bringen und von dort aus zum gewünschten Ziel.  © dpa
Habe ich bei Streik Anspruch auf eine Entschädigung? Nein. Die Fluggesellschaft oder der Veranstalter sind nicht dafür verantwortlich, wenn wegen eines Streiks vom Sicherheitspersonal oder der Fluglotsen Flüge ausfallen. © dpa
Es handle sich um einen Fall höherer Gewalt. (wie auch bei einer Aschewolke) Denn Sicherheitspersonal ist weder bei einer Fluggesellschaft noch bei einem Veranstalter angestellt. Bei einem solchen “Drittstreik“ steht Urlaubern daher keine Entschädigung zu, wie sie eine EU-Verordnung zu Flugausfällen vorsieht. © dpa
Wie sieht es bei einer Pauschalreise aus? Fraglich ist, ob der Veranstalter seine Leistungspflichten erfüllt hat. Die Gründe für ein Nichterfüllen spielen keine Rolle. Sitzen Reisende zum Beispiel zwei Tage am Flughafen fest, statt am Strand zu liegen, können sie den Reisepreis entsprechend mindern. © dpa
Handelt es sich um eine Kurzreise, können sie sogar von der Reise kostenlos zurücktreten. Schadenersatz wegen vertaner Urlaubszeit gibt es jedoch nicht. © dpa

Betroffen von den Streiks wären die Gesellschaften Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings. Die Konzerntöchter Swiss und Austrian Airlines haben hingegen eigene Tarifverträge und würden von einem Ausstand bei der Lufthansa nicht getroffen.

Den Piloten waren in den vergangenen sechs Wochen zwei getrennte Urabstimmungen vorgelegt worden. In der Abstimmung zur Vergütung votierten nach VC-Angaben 97,2 Prozent für den Arbeitskampf. Die Tarifverhandlungen laufen bereits seit rund zwei Jahren ergebnislos. Die VC verlangt inzwischen ein Plus von 10 Prozent, das sich über die Zeit aufaddiert hat. Lufthansa bietet hingegen erfolgsabhängige Einmalzahlungen und eine Tabellenerhöhung um 3 Prozent im Jahr 2016.

Ende 2013 waren die Verhandlungen noch komplizierter geworden, weil Lufthansa einseitig die Betriebsrenten sowie die Übergangsversorgung gekündigt hatte. In der Urabstimmung zur Übergangsversorgung entschieden sich nun sogar 99,1 Prozent der Piloten für einen Streik.

dpa

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