Öffentlicher Dienst

Kita-Streik: Am Mittwoch trifft es München

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"Streik" steht am Dienstag in Regensburg am Eingang einer Kindertagesstätte.

München - Am Dienstag haben in Bayern mehr als 2.000 Beschäftigte im Öffentlichen Dienst gestreikt: Vor allem in Kitas, Ämtern und bei der Müllabfuhr. Am Mittwoch ist München Schwerpunkt.

Die erste Welle der Warnstreiks im öffentlichen Dienst in Bayern hat vor allem Kindertagesstätten getroffen. Schwerpunkte der Aktionen waren zum Auftakt am Dienstag Würzburg, Bamberg, Regensburg und Passau. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi ließen in 20 Städten etwa 2000 Beschäftigte die Arbeit ruhen. Auch Müllabfuhren, städtische Verwaltungen, einige Krankenhäuser sowie die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung wurden bestreikt.

Das sei erst der Auftakt, betonte der stellvertretende Verdi- Landesbezirksleiter Norbert Flach: Vor der zweiten Verhandlungsrunde am Donnerstag würden die Warnstreiks am Mittwoch deutlich ausgeweitet. „Da ist noch viel Luft nach oben“. Schwerpunkt der ganztägigen Arbeitsniederlegungen werde dann München sein. In der Landeshauptstadt werden die städtischen Kitas, die Stadtwerke, die Stadtentwässerung, die Verkehrsüberwachung und das Isar-Amper-Klinikum bestreikt. Eine zentrale Kundgebung ist am Mittwoch für 10.30 Uhr am Karlsplatz angesetzt.

Den Auftakt des Arbeitskampfes im öffentlichen Dienst bekamen am Dienstag vor allem Eltern zu spüren, die vor verschlossenen Türen ihrer Kitas standen. Flach sagte: „Wir tragen mit Notdienstvereinbarung Sorge dafür, dass Leib und Leben der Menschen nicht gefährdet werden.“ Notdienste für Kindertagesstätten seien aber nicht vereinbart worden. Die Eltern der betroffenen Einrichtungen seien rechtzeitig informiert worden. „Wir wollen schließlich nicht die Eltern bestreiken, sondern die Arbeitgeber“, sagte Flach.

Studie: Diese Jobs bringen weniger als Hartz IV

Studie: Diese Jobs bringen weniger als Hartz IV

Die 1,9 Prozent Geringverdiener in der Werbebranche und in der Marktforschung bekommen ein monatliches Nettogehalt von 1268 Euro, mit Kindergeld 1636 Euro. Als Hartz IV-Empfänger würden sie 17 Euro mehr bekommen. © dpa
In Callcentern arbeiten 13,1 Prozent Geringverdiener. Sie verdienen Brutto 1574 Euro ohne Kindergeld. Netto bleiben ihnen 1256 Euro - das sind 29 weniger als Hartz IV. © dpa
In der Rechtsberatungs-Branche sind 1,1 Prozent Geringverdiener beschäftigt. Ihr Bruttogehalt liegt bei 1552 Euro. Netto bleiben ihnen 1238 Euro - das sind 47 Euro weniger als Hartz IV. © dpa
Im Gartenbau und bei Gebäudebetreuung arbeiten 33,4 Prozent Geringverdiener. Sie bekommen monatlich 1535 Euro brutto. Netto bleiben ihnen 60 Euro weniger als mit Hartz IV. © dpa
Die Gastronomie beschäftigt 20,5 Prozent Geringverdiener. Durchschnittlich verdienen sie 1474 Euro brutto. Netto bleiben ihnen 1176 Euro und somit 109 Euro weniger als mit Arbeitslosengeld II. © dpa
Auch in der Hotelbranche sieht es nicht besser aus: Zwar zählen nur 9,5 Prozent zu den Geringverdienern, doch die verdienen satte 188 Euro weniger als Hartz IV-Empfänger. © dpa
Am schlechtesten bezahlt wird Zeitarbeit. In diesem Sektor werden 31,5 Prozent Geringverdiener beschäftigt. Ist man verheiratet, Alleinverdiener und hat zwei Kinder, bleiben netto 1007 Euro übrig. Das sind 278 Euro weniger als mit Hartz IV. © dpa
Es gibt auch Jobs, bei denen das Einkommen nur knapp über dem Arbeitslosengeld liegt. Dazu gehören Berufe wie Schlachter und Menschen, die Fleisch verarbeiten. 22,8 Prozent sind Geringverdiener und bekommen 1379 Euro. Als Hartz IV-Empfänger stünden ihnen 94 Euro weniger zu. © dpa
Noch schlechter verdienen Beschäftigte von Wach- und Sicherheitsdiensten. Sie arbeiten für 1379 Euro netto - das sind 79 Euro mehr als Hartz IV. © dpa
Angestellte des Einzelhandels arbeiten für 1331 Euro netto im Monat. Als Hartz IV-Empfänger bekämen sie 46 Euro weniger. © dpa
Die 0,9 Prozent Geringverdiener in der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsbranche bekommen netto 1321 Euro. Mit Hartz IV wären es auch nur 36 Euro weniger. © dpa
Auch unter Erziehern und Lehrern gibt es Geringverdiener - 0,8 Prozent. Ihr Nettogehalt beläuft sich auf 1319 Euro. Als Hartz IV-Empänger bekämen sie nur 35 Euro weniger. © dpa
Die 8,5 Prozent Geringverdiener in Pflegeheimen verdienen nur 18 Euro mehr als als Hartz IV-Empfänger. © dpa

Alleine in Regensburg waren 28 Kitas und Mittagsbetreuungen geschlossen. Eine Alternative zu finden, sei für die betroffenen Eltern eine Herausforderung, sagte Alexander Gröbner von Verdi Oberpfalz. „Aber die Eltern wissen, dass die Erzieherinnen einen guten Job machen, der auch entsprechend entlohnt werden muss.“ Zu einer Kundgebung waren am Dienstag etwa 600 Beschäftigte in die Domstadt gekommen. Bestreikt werden außerdem die Müllabfuhr, die Straßenreinigung, der Bauhof, das Gartenamt, das Klärwerk, das Jobcenter, die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung, Energieversorger und die Müllverwertungsanlage in Schwandorf.

In Würzburg zogen etwa 550 Beschäftigte in einem Demonstrationszug durch die Innenstadt. Die Arbeit niedergelegt hatten Mitarbeiter der Stadtreinigung, der Stadtverkehrs GmbH, der Trinkwasserversorgung, der Würzburger Hafen GmbH, sowie aus einigen Verwaltungsbereichen und der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Süd.

Gewerkschaften wollen 100 Euro mehr im Monat

Die Gewerkschaften fordern die Anhebung der Löhne um monatlich 100 Euro sowie zusätzlich 3,5 Prozent. Die erste Verhandlungsrunde für die Angestellten von Bund und Kommunen war am vergangenen Donnerstag in Potsdam ergebnislos zu Ende gegangen. Die Arbeitgeber hatten die Forderung abgelehnt, aber noch kein Angebot vorgelegt. Ausgenommen von den Warnstreiks ist der Nahverkehr, der einen anderen Tarifvertrag hat.

Der Deutsche Städtetag kritisierte die Warnstreiks. „Die Haushaltslage vieler Städte ist weiterhin mehr als schwierig“, sagte Hauptgeschäftsführer Stephan Articus der „Passauer Neuen Presse“ (Dienstag). Der begrenzte Spielraum der Kommunen müsse beachtet werden. Der designierte DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann sagte der Zeitung, die Einkommen im öffentlichen Dienst hätten sich von der Lohnentwicklung in der Industrie abgekoppelt. „Diese Lohnlücke muss wieder geschlossen werden.“

In Passau waren das Klinikum, Bauhöfe, Gärtnereien, die Stadtwerke, Wasser- und Schifffahrtsverwaltung und die Stadtverwaltung betroffen. In Bamberg werden Sozialstationen, die Stadtwerke, in Lichtenfels und Bad Staffelstein die Bauhöfe bestreikt.

Schwerpunkt der bundesweiten Warnstreiks war Nordrhein-Westfalen, wo Zehntausende Beschäftigte ihre Arbeit niederlegten. Landesweit wurden dort die Nahverkehrsbetriebe lahmgelegt, Busse und Bahnen blieben in den Depots. Die meisten Menschen hatten sich aber darauf eingestellt, ein Chaos gab es nicht. Auch im niedersächsischen Braunschweig war der Nahverkehr komplett zum Erliegen gekommen.

dpa

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