AMS aus Österreich

Bieterschlacht um Osram: Sensorhersteller legt Angebot vor

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Osram steht zum Verkauf, weil der Konzern in den vergangenen eineinhalb Jahren in sehr schwieriges Fahrwasser geraten ist. Foto: Matthias Balk

Der zum Verkauf stehende Beleuchtungshersteller Osram ist heiß begehrt: Ein neuer Kaufinteressent meldet sich mit einem Rekordpreisangebot - wenn auch einem unverbindlichen. Die Anleger sind erfreut, die Osram-Chefetage dagegen nicht.

München (dpa) - Um eines der bekanntesten deutschen Industrieunternehmen ist eine Bieterschlacht entbrannt.

Der vergleichsweise kleine österreichische Sensorhersteller AMS will überraschend die zwei US-Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle mit einer auf Pump finanzierten Offerte von 3,7 Milliarden Euro ausstechen - das wären 300 Millionen Euro mehr als die Amerikaner zuvor offeriert haben. AMS habe eine "unverbindliche Interessenbekundung" vorgelegt, wie Osram am Montagabend mitteilte. Die Anleger reagierten erfreut, nicht jedoch die Osram-Chefetage: Die "Transaktionswahrscheinlichkeit" sei "sehr gering", hieß es. Im nachbörslichen Handel legte die Osram-Aktie dennoch kräftig auf über 35 Euro zu.

Osram-Vorstand und -Aufsichtsrat befürworten das verbindliche US-Angebot von 35 Euro je Aktie, AMS will das nun mit 38,50 Euro übertrumpfen. Finanziert werden soll das über ein "temporäres Bankdarlehen" in Höhe von 4,2 Milliarden Euro. Osram-Vorstandschef Olaf Berlien und Kollegen machten keinen Hehl aus ihrer Skepsis: In der Mitteilung war von "erheblichen Zweifeln an der Finanzierbarkeit" die Rede. AMS ist in der Schweiz börsennotiert und derzeit etwa 3,1 Milliarden Euro wert, der Umsatz lag 2018 bei 1,4 Milliarden Euro - nicht einmal die Hälfte des Osram-Umsatzes im vergangenen Geschäftsjahr. Allerdings muss das Münchner Traditionsunternehmen nun auch AMS Einblick in die Bücher gewähren. Über ein Interesse des in der Steiermark ansässigen Halbleiterherstellers war zuvor bereits spekuliert worden.

Ob und inwieweit die Österreicher bereits Geldgeber gefunden haben, war am Montagabend unklar. Bain Capital und Carlyle wollen ihr Angebot zum größeren Teil mit eigenen Mitteln bezahlen und haben die restliche Finanzierung bereits gesichert. "Wir kommentieren das nicht", sagte ein Sprecher der zwei US-Unternehmen zum Vorgehen von AMS.

Anders als die zwei US-Firmen ist AMS jedoch kein Finanzinvestor, der ein Unternehmen in der Hoffnung auf Wertsteigerung übernimmt, um es nach einigen Jahren wieder mit Gewinn abzustoßen. AMS ist ein Industrieunternehmen der Halbleiterbranche, das auf manchen Feldern direkt mit Osram konkurriert. Beide Unternehmen stellen optische Sensoren her.

Osram steht zum Verkauf, weil der Konzern in den vergangenen eineinhalb Jahren in sehr schwieriges Fahrwasser geraten ist. In diesem Jahr könnte der Umsatz um 11 bis 14 Prozent zurückgehen. Das Unternehmen produziert mittlerweile hauptsächlich LEDs und Optoelektronik, die wichtigsten Kunden sind Autohersteller und Smartphonehersteller. Da in beiden Branchen die Geschäfte schlecht laufen, ist der Beleuchtungshersteller hart getroffen. Hinzu kommt, dass Osram unmittelbar vor Beginn des Abschwungs noch viel Geld in die Erhöhung der Produktionskapazitäten investiert hatte.

Die US-Finanzhäuser planen, Osram von der Börse zu nehmen. Die Aktionäre sollen bis Anfang September Zeit haben, um das Angebot anzunehmen oder abzulehnen.

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