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Entlastungspaket 2022

9-Euro-Ticket: Von der Zugspitze bis zum Chiemsee – Ansturm von Ausflüglern erwartet

Ohne Staus in die Berge oder an den See? Das Neun-Euro-Ticket aus dem Entlastungspaket soll das möglich machen. Bahnunternehmen fürchten eine Überlastung.

München – Mit dem Neun-Euro-Ticket kann man über die Sommermonate für jeweils neun Euro mit allen Regionalbahnen und -bussen quer durch Deutschland fahren. Das könnte zur Folge haben, dass es in Zügen und Bussen zu Ausflugszielen in Bayern in den kommenden Monaten mitunter sehr voll wird. Die Bayerische Oberlandbahn hat schon Anfragen aus Norddeutschland, ob man mit dem Neun-Euro-Ticket auch über die Grenze nach Österreich fahren kann. „Ja, man kann bis Kufstein und Salzburg fahren“, sagte Sprecherin Annette Luckner. „Aber nur bis zum Bahnhof, nicht weiter im Verbundgebiet.“

Neun-Euro-Ticket: Zugspitz-Touristen hoffen auf Schnäppchen

Auch bei der Zugspitzbahn haben Schnäppchenjäger schon angerufen in der Hoffnung, sich den Fahrpreis von 63 Euro sparen zu können. „Sie träumen wohl“, sagte eine Mitarbeiterin und lachte. Immerhin – auf den ersten sechs Kilometern der Zahnradbahn, von Garmisch-Partenkirchen bis Grainau, gilt das Neun-Euro-Ticket: Diese Strecke gehört noch zum öffentlichen Nahverkehr.

Der Bundesrat entscheidet an diesem Freitag über die Finanzierung des Neun-Euro-Tickets – und damit auch darüber, ob es rechtzeitig zum 1. Juni genutzt werden kann. Eigentlich will die Bundesregierung mit dem günstigen Monatsfahrschein die Pendlerinnen und Pendler von den hohen Spritkosten entlasten. Aber die Bahnen erwarten eher einen Ansturm von Ausflüglern.

Der Münchner Verkehrsverbund MVV geht nicht davon aus, „dass es generell zu einer Überlastung kommt. Es lässt sich allerdings nicht ausschließen, dass punktuell Engpässe auftreten, zum Beispiel in Fahrzeugen zu touristischen Zielen.“

Neun-Euro-Ticket: Regiobahnen warnen vor Zug als „Sardinenbüchse“

Die Bayerische Oberlandbahn und die Bayerische Regiobahn warnen bereits davor, morgens und vormittags könnten die Züge von München und Augsburg Richtung Chiemsee, Alpen, Ammersee und Altmühltal recht voll werden. Und nachmittags die Züge zurück ebenso. In der großen Urlauberherde könnte „der Zug zur Sardinenbüchse“ werden. Ausflügler könnten sich nicht darauf verlassen, im letzten Zug zurück noch einen Platz zu bekommen. „Statt nach Tegernsee lieber mal nach Gaißach. Statt nach Füssen auf Schloss Neuschwanstein lieber mal ins Spargelmuseum nach Schrobenhausen“, raten die Bahnen jetzt per Faltblatt.

Mit dem Bayern-Ticket kann man jederzeit für 26 Euro plus acht Euro je Mitfahrer einen Tag im ganzen Freistaat unterwegs sein - 78 Millionen Stück wurden vergangenes Jahr verkauft. Auf beliebten Ausflugsstrecken wie zum Tegernsee sind die Züge auch unter der Woche jetzt schon gut besetzt – und das Neun-Euro-Ticket und die Sommerferien kommen erst noch. Die Bayern Tourismus Marketing GmbH soll Gäste in den Freistaat holen. Aber sie hat entschieden, nicht auch noch mit dem Neun-Euro-Ticket zu werben.

Die Bundesregierung sieht die Verkehrsträger in der Pflicht, dass es keine Überlastung gibt: „Der Bund geht davon aus, dass die Verkehre entsprechend organisiert werden“, heißt es auf der Website des Verkehrsministeriums.

Neun-Euro-Ticket: Hauptverkehrszeiten sollten vermieden werden

Der Verkehrsverbund Großraum Nürnberg VGN wirbt dafür, mit Bahn und Bus zum Schnuppertarif mal neue Wander- und Freizeittouren auszuprobieren, warnt aber auch: „Eine Erhöhung der Kapazitäten wird nur sehr eingeschränkt möglich sein. Deshalb ist zu erwarten, dass es auch zu Überbesetzungen kommen kann.“ Das Bahnunternehmen Agilis, das in Franken und von Passau bis Ulm 160 Stationen anfährt, rät, die Hauptverkehrszeiten morgens und abends zu vermeiden: Es sei zu erwarten, „dass es auf einigen Strecken auch zur Überfüllung der Züge kommen kann“. Auch der Regensburger Verkehrsverbund RVV erwartet, „dass es zeitweise auch zu sehr vollen Bussen und Bahnen kommen kann“.

Richtung Berge befürchtet der Fahrgastverband Pro Bahn sogar Chaos. Oberlandbahn-Sprecherin Luckner sagt: „Auf das Pfingstwochenende sind wir schon sehr gespannt. Wir schauen ein bissl mit Sorge drauf, was da passieren wird“.

Züge einfach zu verlängern, sei schon wegen der Bahnsteige oft nicht möglich: Die Fahrgäste in den hinteren Wagen könnten ja nicht im Gleisbett aus- und zusteigen. Auf eingleisigen Strecken gäbe es Probleme im Begegnungsverkehr. Und ohnehin stünden nicht viele Züge ungenutzt im Depot.

Neun-Euro-Ticket: Fahrradmitnahme kann nicht garantiert werden

Die Deutsche Bahn leistet fast drei Viertel des Nah- und Regionalzugverkehrs in Bayern, dazu kommen noch rund 2900 Regio-Busse. „Von Juni bis August werden die Züge sehr voll werden“, teilte die DB Regio mit. Die Mitnahme eines Fahrrades könne nicht garantiert werden, „Reisen mit Fahrrad an Feiertagen sollten sie vermeiden“.

Und für die 1,5 Millionen Hundehalter im Freistaat hat die DB noch den Hinweis parat: „Für Hunde kann grundsätzlich kein 9-Euro-Ticket erworben werden.“ Das Zamperl braucht eine reguläre Kinderfahrkarte – oder ein Bayern-Tagesticket, auf dem als Name „Hund“ einzutragen ist. (dpa)

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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