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Es war das Ergänzungsmittel

Sachenbacher-Stehle: Doping-Ursache gefunden

Evi Sachenbacher-Stehle
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Evi Sachenbacher-Stehle wurde in Sotschi des Dopings überführt.

Salzburg - Die Ursache für den positiven Doping-Befund von Evi Sachenbacher-Stehle ist offiziell geklärt. Es war, wie sie bereits vermutete, eine verbotene Substanz beim Essen.

Evi Sachenbacher-Stehle hat ihr Schweigen gebrochen. 29 Tage nach ihrem positiven Doping-Befund bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi äußerte sich die Biathletin erstmals persönlich in der Öffentlichkeit. Nach einer über siebenstündigen Anhörung am Samstag vor dem Anti-Doping-Panel des Biathlon-Weltverbandes IBU sagte die 33-Jährige dem Bayerischen Rundfunk: „Es ist definitiv gesichert, dass es dieses Nahrungsergänzungsmittel war. Das macht mich jetzt in erster Linie schon mal ganz froh.“

So richtig froh sah die zum Biathlon gewechselte zweimalige Langlauf-Olympiasiegerin aber nach dem Anhörungsmarathon am IBU-Verbandssitz in der Salzburger Peregrinstraße nicht aus. Der Sportsoldatin droht eine Sperre von bis zu zwei Jahren. Und dann wäre die Sportkarriere wohl beendet. „Ich denke, alles passiert aus irgendeinem bestimmten Grund. Und für irgendwas ist alles gut. Auch wenn ich im Moment noch nicht weiß, für was das gut ist. Ich hoffe, dass ich es irgendwann erfahre. Und dann alles wieder gut ist“, gab sie sich philosophisch.

Beim Weltcup-Finale in Oslo kündigte Peer Lange, der IBU-Mediendirektor, am Sonntag an: „Nachdem die Entscheidung getroffen ist, gibt es eine Mitteilung. Über Zwischenschritte berichten wir nicht.“ Sachenbacher-Anwalt Marc Heinkelein meinte: „Wir müssen jetzt einfach abwarten. Ich denke, die Entscheidung wird in einigen Wochen kommen.“

Ernst, aber gefasst gab Sachenbacher-Stehle Auskunft über ihre Gefühlslage. „Ich selber habe erst einmal ziemlich lange gebraucht, um mit der ganzen Situation klarzukommen. Ich selbst war am meisten geschockt über diesen positiven Test. Weil ich überhaupt keine Erklärung dafür gehabt habe, wo dieser positive Test herkommen kann. Dementsprechend ist erst einmal die ganze Welt für mich zusammengebrochen.“

Mittlerweile sei man aber einen Schritt weiter. „Sie haben diese Substanz in meinem Nahrungsergänzungsmittel gefunden. Unabhängig nachbestellte Vergleichsproben haben ein positives Ergebnis gegeben“, sagte sie. Bereits bei der Anhörung vor der Disziplinarkommission des IOC in Sotschi hatte Sachenbacher-Stehle angegeben, die nur im Wettkampf verbotene Substanz Methylhexanamin unbewusst über ein Nahrungsergänzungsmittel, das sie von einem privaten Ernährungsberater erhalten habe, aufgenommen zu haben.

„Es war eine Riesen-Dummheit, aber Dummheit schützt vor Strafe nicht“, stellte der scheidende Biathlon-Cheftrainer Uwe Müssiggang schon in Sotschi fest. Sven Fischer, der Biathlon-Experte des ZDF, sagte: „Es ist schon ein Unterschied, ob jemand naiv war oder vorsätzlich betrogen hat.“

Vor allem auch auf diesen Umstand zielte die Verteidigungsstrategie ab. Heinkelein betonte nach der Anhörung noch einmal, dass die unmittelbar nach dem Bekanntwerden der Doping-Affäre tätig gewordene Münchner Staatsanwaltschaft nicht gegen Sachenbacher-Stehle ermittelt habe. Der Sachenbacher-Anwalt stellte fest: „Wir erhoffen uns einfach, dass sie fair behandelt wird. Da gibt es auch keine Zweifel, in der Anhörung ist alles sehr fair abgelaufen.“

Die größten Doping-Skandale der Sportgeschichte

Die größten Doping-Skandale der Sportgeschichte

Der Fall Katrin Krabbe (1992): Die deutsche Sprinterin Katrin Krabbe, Weltmeisterin 1991 über 100 und 200 m, fällt wie Trainingspartnerin Grit Breuer bei einer Urinprobe mit dem Kälbermastmittel Clenbuterol auf. Beide werden bis 1995 gesperrt. Während Breuer in die Weltspitze zurückfindet, scheitert Krabbes Comeback-Versuch. © dpa
Der Fall Ben Johnson (1988): Die Mutter aller Doping-Skandale. Bei den Olympischen Spielen in Seoul siegt der kanadische Sprintstar Ben Johnson im 100-m-Finale in der Weltrekordzeit von 9,79 Sekunden. In Johnsons Urinprobe wird das Steroid Stanozolol nachgewiesen, der Skandalsprinter verliert Gold und Rekord. © dpa-mzv
Der Fall Diego Maradona (1994): Bei der Fußball-WM in den USA wird Argentiniens Superstar Diego Maradona positiv auf Ephedrin getestet und ausgeschlossen. Schon drei Jahre zuvor war Maradona mit Kokain erwischt worden, sein Niedergang begann. © dpa
Der Fall Balco (2003): Im Zuge der Balco-Affäre wird in den USA ein Doping-Netzwerk ausgehoben, zahlreiche Topstars wie Baseball-Ass Barry Bonds und die Sprintstars Marion Jones und Tim Montgomery werden schwer belastet. Jones, die 2000 in Sydney dreimal Olympia-Gold gewonnen hatte, landet wegen Falschaussage im Gefängnis. © dpa
Der Fall Kenteris/Thanou (2004): Die griechischen Sprinter Konstantinos Kenteris, 200-m-Olympiasieger von 2000, und Ekaterini Thanou entziehen sich bei den Spielen in ihrer Heimat Athen unter dem Vorwand eines angeblichen Motorrad-Unfalls einem Dopingtest. Beide werden zwar nicht suspendiert, verzichten aber auf einen Start. Nach langem Hickhack werden beide für zwei Jahre gesperrt und später wegen Meineids zu 31 Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt. © dpa/dpaweb-mm
Der Fall Fuentes (2006): Einen Tag vor dem Start der Tour de France werden die Favoriten Jan Ullrich (T-Mobile) und Ivan Basso (CSC) von ihren Teams ausgeschlossen. Ihnen wird vorgeworfen, in den Skandal um den spanischen Dopingarzt Eufemiano Fuentes verwickelt gewesen zu sein. Dieser soll ein weltweites Dopingnetzwerk organisiert gehabt haben. Im Rahmen einer Razzia waren am 23. Mai 2006 große Mengen an Blutbeuteln beschlagnahmt worden. Ullrich wird erst im Februar 2012 für zwei Jahre gesperrt und verliert alle Ergebnisse seit dem 1. Mai 2005, im Juni 2013 gibt er Blutdoping zu. Auch Leichtathleten und Fußballer werden mit dem Netzwerk in Verbindung gebracht. © dpa
Der Fall Claudia Pechstein (2009): Die fünfmalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein wird vom Weltverband ISU wegen Indizien, die auf Blutdoping hindeuten, für zwei Jahre gesperrt. Pechstein wehrt sich, es folgt ein langes juristisches Tauziehen. Obwohl Zweifel an ihrer Schuld bestehen, bleibt sie gesperrt. Im Februar 2011 gibt sie ihr Comeback. © dpa
Der Fall Alberto Contador (2010): Tour-Sieger Alberto Contador wird am zweiten Ruhetag der Frankreich-Rundfahrt (21. Juli) positiv auf Clenbuterol getestet. Der Radsport-Weltverband UCI spricht eine vorläufige Sperre gegen den Spanier aus, will dem Fall aufgrund der geringen Konzentration des Kälbermastmittels aber nachgehen. Im Februar 2012 spricht der CAS nach einer langen Hängepartie ein Urteil, sperrt Contador und erkennt ihm alle Titel seit der positiven Probe ab. Der Luxemburger Andy Schleck wird am 29. Mai 2012 nachträglich zum Tour-Sieger 2010 gekürt. © AP
Der Fall Lance Armstrong (2012) Am 22. Oktober 2012 erkennt der Radsport-Weltverband UCI Lance Armstrong die Tour-Titel von 1999 bis 2005 ab. Armstrong hatte über Jahre hinweg systematisch betrogen und ein Doping-Netzwerk aufgebaut, ehemalige Kollegen und Weggefährten belasteten ihn schwer. Nach jahrelangem Leugnen bricht der Texaner am 15. Januar 2013 in einem Interview mit Talkmasterin Oprah Winfrey sein Schweigen und verliert seine sieben Tour-Siege. © dpa
Die Fälle Gay, Powell, Carter und Simpson (2013) Schwarzer Sonntag der Leichtathletik: Tyson Gay (USA), zweitschnellster Sprinter der Geschichte (9,69 Sekunden) gibt am 14. Juli bekannt, dass er bei einer Trainingskontrolle positiv getestet worden sei. Gay beantragt die Öffnung der B-Probe, erklärt aber seinen Verzicht auf die WM. Am gleichen Tag wird bekannt, dass auch Jamaikas Ex-Weltrekordler Asafa Powell sowie seine Landsleute Nesta Carter und Sherone Simpson positiv getestet wurden. © AFP
Der Fall Dieter Baumann (1999): Die Zahnpasta-Affäre. Dieter Baumann, 5000-m-Olympiasieger von 1992, wird positiv auf Nandrolon getestet. Der Deutsche Leichtathletik-Verband spricht Baumann frei, da der Wirkstoff auch in seiner Zahnpasta-Tube nachgewiesen werden konnte, ein schuldhaftes Vergehen damit infrage stand. Der Weltverband IAAF sperrte Baumann dennoch für zwei Jahre. © picture-alliance / dpa/dpaweb
Der Fall Johann Mühlegg (2002): Bei den Olympischen Winterspielen in Salt Lake City werden sieben Athleten positiv auf Epo getestet. Prominentester Sünder ist der Allgäuer Langläufer Johann Mühlegg, der für Spanien Gold über 10, 30 und 50 km gewonnen hatte. Mühlegg verliert sämtliche Medaillen, wird für zwei Jahre gesperrt und beendet seine Karriere. © picture-alliance / dpa/dpaweb

Nun haben die Sportrichter das Wort, für die Biathletin steht die Existenz auf dem Spiel. „Sobald die Substanz im Körper nachgewiesen wird, ist die Beweislast auf den Athleten verschoben. Die Substanz war vorhanden, und sie war leistungssteigernd“, hat IBU-Generalsekretärin Nicole Resch bereits mehrfach festgestellt. „Wir wollen, dass das Panel über alle Fakten in Ruhe nachdenkt und zu einer Würdigung kommt. Dann werden wir uns diese Entscheidung anschauen und sie rechtlich bewerten“, kündigte Heinkelein an.

Evi Sachenbacher-Stehle sagte: „Ich möchte mich eigentlich nur bei allen da draußen bedanken, die in der ganzen schweren Zeit hinter mir stehen. Und die von Anfang an sicher waren, dass ich nie bewusst irgendwelche verbotenen Substanzen zu mir genommen habe. Das hat mir unheimlich geholfen.“

dpa