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Bob-Rekordweltmeister

Friedrichs andere Seite: „Familie muss weiter bestehen“

Francesco Friedrich
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Der Perfektionist überprüft jede Stellschraube: Bobfahrer Francesco Friedrich.

Francesco Friedrich ist ein absoluter Familienmensch. Sowohl daheim als auch im erweiterten Sinne bei der Bobfamilie. Daher geht der Dominator im Eiskanal auch andere Wege. Davon profitiert ausgerechnet ein ernstzunehmender Konkurrent.

Altenberg - Die Sirene aus dem Film „The Purge“ ertönt unüberhörbar und alle an der Bahn wissen: Rekordweltmeister Francesco Friedrich ist am Start. Dann setzt der Sachse seine unbändigen Kräfte frei. In der Eisrinne ist er an den Lenkseilen aber die Ruhe in Person.

„Francesco hat beim Bobfahren den gleichen Puls wie im Schlaf“, sagt Vereinspräsident Rainer M. Jacobus vom BSC Sachsen Oberbärenburg. Und auch daheim bei seiner Familie mit Frau Magdalena und den beiden Söhnen ist der Pilot der Ruhepol. „Er ist einfach ausgeglichen, immer ein bisschen nachdenklich“, hatte seine Frau mal der Deutschen Presse-Agentur verraten. Mehr gibt sie auch nicht preis. Die Familie ist öffentlich tabu. Privat soll privat bleiben, so das Credo des Doppel-Olympiasiegers.

Der gebürtige Pirnaer, der die Kniebeuge locker dreimal mit 200 Kilogramm schafft, kann sich absolut fokussieren. Die Akribie, seine Perfektion und vor allem seine Gelassenheit haben einen Ursprung. Schon frühzeitig erlebte Friedrich, wie brutal das Bobfahren sein kann. Er und sein Bruder David stürzten 2005 und 2006 auf der schwierigen Bahn in Altenberg schwer. Nach dem ersten Crash lag Bruder David mit schweren Kopfverletzungen mehrere Wochen im Koma. Das prägte auch Friedrich, der dann 2011 bei der Junioren-WM in Park City Silber mit seinem Bruder holte und in seiner Paradedisziplin Zweierbob Gold gewann. Mittlerweile arbeitet David als sächsischer Landestrainer.

Friedrich überlässt nach diesen Erlebnissen nichts mehr dem Zufall. Auch die Lehrstunde auf der Bahn in St. Moritz, als er 2011 bei seinem ersten Weltcup-Einsatz disqualifiziert wurde, prägten ihn. Anschieber Jannis Bäcker stürzte am Start, Friedrich rutschte allein die Bahn herunter. Zwei Jahre später holte er als jüngster Weltmeister der Geschichte im Schweizer Engadin seinen ersten von nun mittlerweile zehn WM-Titeln. Auch Mama Peggy hat mittlerweile keine Angst mehr um ihren Sohn: „Nee, hab ich nicht, der Franz kann's.“

Beim Perfektionisten wird jede Stellschraube überprüft, jeder Fehler quasi im Vorfeld ausgeschlossen. „Er arbeitet härter und gewissenhafter als jeder andere Pilot“, meinte René Spies. Bei einer Sache hält sich der Cheftrainer aber raus. „Das ist nicht mein Hauptthema“, meinte er zum Friedrich-Sponsoring eines direkten Kontrahenten. Denn der Sachse unterstützt ausgerechnet seinen österreichischen Konkurrenten Benjamin Maier. Ungewöhnlich im Leistungssport. „Es begann bei einem Crowdfunding-Projekt mit 500 Euro und entwickelte sich weiter“, meinte Friedrich und betonte: „Wir fanden die Idee cool und auch Benni, wir haben schon immer unsere Späße mit ihm gemacht.“

Maier fährt, sichtbar für alle, mit einem „Team-Friedrich“-Aufkleber auf dem Bob. „Ich studiere Franz schon seit zwei, drei Jahren und schaue mir von seinem Team enorm viel ab. Wir tauschen uns auch beim Wallner-Material mal aus. Er inspiriert mich und hat mir schon enorm geholfen“, sagte Maier. Für den Sachsen ist die Hilfe selbstverständlich: „Die große Familie soll weiter erhalten bleiben. In Österreich fehlt es an Unterstützung, also helfen wir.“ Sollte Maier ihn schlagen, versprach Friedrich schmunzelnd sogar eine Extraprämie. dpa

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