Stockholm: Das Video vom Terror-Albtraum

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Stockholm - Dramatische Aufnahmen aus der schwedischen Hauptstadt. In Stockholm filmt ein Passant mit seinem Handy wie ein Auto mitten in einer belebten Einkaufsstraße explodiert.

Knapp zwei Wochen vor Weihnachten ist die schwedische Hauptstadt Stockholm offenbar nur knapp einem verheerenden Terroranschlag entgangen. Ein mutmaßlicher Selbstmordattentäter war nach der Explosion einer Rohrbombe an seinem Körper sofort tot. Wenige Minuten zuvor war nur 200 Meter entfernt ein Auto explodiert, zwei Passanten wurden verletzt.

Sowohl bei der Polizei als bei der Nachrichtenagentur TT gingen kurz vor den Explosionen Droh-Mails ein, in deren Anhang sowohl der Text auf schwedisch als auch auf arabisch gesprochen worden sei. Nach Angaben der Zeitung “Aftonbladet“ soll der Absender ein 28-jähriger Mann sein, der mit seinem vollen Namen unterschrieben haben.

In der Mail nannte er “das Schweigen des schwedischen Volkes“ zur Mohammed-Karikatur des einheimischen Künstlers Lars Vilk, der den muslimischen Propheten Mohammed als Hund zeichnete sowie den Einsatz schwedischer Soldaten in Afghanistan als Grund für seinen Aufruf zum “Dschihad“ (“Heiliger Krieg“), für den er sich sich bei einem Aufenthalt im Nahen Osten habe ausbilden lassen: “Jetzt müssen eure Kinder, Töchter und Schwestern sterben.“

Seine Familie bat er um Vergebung, weil er sie über die Gründe für die Reise getäuscht habe und bat seine Ehefrau, die Kinder von ihm zu küssen.  

Die schlimmsten Terroranschläge seit dem 11. September

Die schlimmsten Terroranschläge seit dem 11. September

Die Polizei- und Justizsprecher wollten noch keine Angaben zur Identität des toten Attentäters machen. Es seien noch nicht alle Angehörigen unterrichtet, hieß es zur Begründung. Bestätigt wurde dagegen “ein Zusammenhang“ mit den Droh-Mails.

Die Explosion des Autos hätte wahrscheinlich weitaus verheerendere Auswirkungen gehabt, wenn die Benzinkanister, die von Rettungskräften gefunden wurden, darin ebenfalls detoniert wären. Der schwedische Außenminister Carl Bildt erklärte auf Twitter, der Anschlag sei “fehlgeschlagen, hätte aber wahrlich katastrophal“ ausgehen können.

Die Polizei wollte Medienberichte, wonach der Mann Sprengstoff am Körper trug, nicht bestätigen. Die Behörden gingen jedoch von einem Einzeltäter aus. “Falls es sich um einen Selbstmordattentäter handelt, so wäre das der erste in Schweden“, erklärte ein Sprecher der Sicherheitspolizei Säpo, Anders Thornberg.

Ein ehemaliger Mitarbeiter der Nachrichtenagentur AP berichtete, der Mann habe eine große Wunde am Bauch gehabt. Seine persönlichen Habseligkeiten seien um ihn herum verstreut gewesen. Die Explosion sei sehr laut gewesen, Menschen seien vom Ort des Schreckens geflüchtet, sagte der Augenzeuge. Die Detonation sei in dem Laden auf der gegenüberliegenden Straßenseite, in dem er sich zum Zeitpunkt der Explosion aufgehalten habe, noch spürbar gewesen. Rauch sei in den Laden eingedrungen. Einige Menschen hätten geweint, vermutlich weil sie unter Schock gestanden hätten.

Die Leiche des Attentäters blieb bis in die Nacht für umfangreiche Untersuchungen am Ort der Explosion in der Bryggergatan liegen. Die Polizei sperrte auch die Umgebung der Drottninggatan weiträumig ab. Sie ist Stockholms beliebteste Einkaufsstraße. 

Reaktionen in Schweden

Schwedens Justiz stuft die Explosionen jetzt als Terroranschlag ein. Das teilte Thornberg am Sonntag mit. Die Behörden gingen aber nicht von zusätzlichen akuten Bedrohungen für Schweden aus.

Man werde die seit Oktober geltende Einstufung beim Terroralarm unverändert lassen, hieß es. Die Fahnder haben nach eigenen Angaben keine Anhaltspunkte für etwaige Komplizen. In der Stockholmer Innenstadt soll dennoch ab sofort zusätzlich Polizei sichtbar patrouillieren.

Der schwedische Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt hat den Selbstmordanschlag in Stockholm scharf verurteilt. Seine Regierung werde sich dadurch aber nicht von ihrem Eintreten für eine “offene Gesellschaft“ abhalten lassen, sagte Reinfeldt am Sonntag vor Journalisten. Reinfeldt wollte sich zu Einzelheiten des Falls nicht äußern, warnte aber vor voreiligen Schlüssen.

Kein Bezug zu Deutschland

Die Bundesregierung sieht keinen Grund, die Sicherheitsvorkehrungen in Deutschland weiter zu verstärken. Nach bisherigem Kenntnisstand gebe es keinen Bezug zu Deutschland, erklärte das Bundesinnenministerium am Sonntag auf Anfrage in Berlin. Das Bundeskriminalamt arbeite eng mit den schwedischen Ermittlungsbehörden zusammen. Die Sicherheitslage sowie die Maßnahmen, die Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am 17. November verkündet habe, blieben unverändert.

De Maizière hatte zu dem Zeitpunkt davor gewarnt, dass islamistische Extremisten bis Ende des Monats einen Terroranschlag in Deutschland verüben könnten. Die Sicherheitsvorkehrungen waren daraufhin bundesweit verschärft worden.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) erklärte am Sonntag in Berlin: “Angriffe wie dieser machen deutlich, dass wir nicht nachlassen dürfen in unserem Engagement gegen den Terrorismus.“

dpa/dapd

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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