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Samariter investieren in Quartier bei Salzburg

Kaum neue Unterkünfte für „normale“ Flüchtlinge zu finden - Private Helfer ziehen sich zurück

Samariterbund Salzburg Schöngumprechting Flüchtlingsunterkunft
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Die Vier- bis Sechsbett-Zimmer wurden mit neuen Stockbetten und Schränken ausgestattet. Die meisten Zimmer haben jetzt auch erstmals einen Tisch und Sessel. Bisher spielte sich alles in der Küche ab.

Statt klappriger Bundesheer-Betten stabile Stockbetten - und eine neue Küche: 40.000 Euro wurden in die Renovierung einer Flüchtlings-Unterkunft bei Salzburg investiert. Doch es fehlt an Arbeitsplätzen für die Bewohner - und Hilfe Ehrenamtlicher.

Seekirchen - Genau 31 Asylbewerber aus Syrien, Afghanistan und einigen afrikanischen Staaten freuen sich im Asylquartier neben der Mattseer Landesstraße über neue Möbel und eine neue Küche. „Seit dem Herbst 2015 sind wir in diesem Haus, jetzt waren Investitionen einfach einmal notwendig“, so Christian Dengg, Geschäftsleiter der Samariter Landesgruppe Salzburg. Rund 40.000 Euro wurden investiert, die Hälfte davon übernahm der Eigentümer des Hauses.

Haus für Flüchtlinge bei Salzburg: Sind voll belegt

Zwei Stockwerke hat das ursprüngliche Zweifamilienhaus zwischen Elixhausen und Obertrum, jedes Stockwerk beherbergt rund 15 Bewohner, diese teilen sich eine Küche, sowie Bad und WC. Die Zimmer selbst bieten vier bis sechs Personen Platz, „derzeit sind 31 von 32 Plätzen besetzt“, sagt Ognjen Velickovic, Leiter der Sozialen Dienste, das heißt das Haus ist eigentlich voll belegt. Die alten, zum Teil klapprigen Bundesheer-Betten mit entsprechenden abgenutzten Matratzen hatten nun ebenso ausgedient wie eine Einbauküche, die den Anforderungen von ständig wechselnden Nutzern nicht wirklich gewachsen war. „Wir haben nun stabile Stockbetten mit neuen Matratzen angeschafft, zum Teil auch neue Schränke“, so Dengg. In der Küche wurde eine nicht zweckmäßige Einbauküche durch einen großen Edelstahl-Tisch samt Ablage und einer Edelstahl-Abwasch ersetzt wie sie auch in Großküchen eingesetzt wird, dazu neue, helle LED-Leuchten im ganzen Haus. „Auch ein Streichen der Wände war nach jahrelanger, dauerhafter Nutzung einfach notwendig“. 

Die Samariter haben zusammen mit dem Eigentümer des Hauses rund 40.000 Euro in die Asylunterkunft Schöngumprechting investiert (v.l.): Christian Dengg, Ognjen Velickovic, sowie die Betreuer vor Ort Christian McNally und Thoomas Kienberger.

Gemeinnützige Arbeiten fehlen

Beim Ausräumen des alten Mobiliars haben die aktuellen Bewohner tatkräftig mitgeholfen, „andere, gemeinnützige Arbeiten für die Gemeinde gibt es derzeit leider nicht mehr“, bedauert Betreuer Thomas Kienberger. „Das ist sehr schade, denn unsere Bewohner wollen ja arbeiten, dürfen aber nur gemeinnützige Dienste wie Gartenarbeiten für die Gemeinde oder ähnliches übernehmen“, also Arbeiten, die es aber derzeit nicht gibt. 

Die Bewohnerstruktur hat sich seit den Anfängen geändert, waren es früher hauptsächlich Afghanen, die oft jahrelang auf das Ende des Asylverfahrens warten mussten und entsprechend lange in dem Haus wohnten, sind es derzeit hauptsächlich Syrer und Afrikaner, deren Verfahren im Vergleich schneller abgeschlossen sind. Die meisten Bewohner sind erst seit einigen Monaten in Schöngumprechting und fühlen sich nach eigenen Aussagen sehr wohl, auch wenn sie zum Einkaufen nach Obertrum und zum Deutschkurs in die Stadt fahren und sich dafür immer Bustickets organisieren müssen. 

Freiwillige kommen nicht mehr

Während in großen Quartieren immer noch Vereine, zum Beispiel die Kinderfreunde, und vereinzelt Privatpersonen kommen, um Flüchtlinge oder ganze Familien zu betreuen, war diese Form der Integration in Schöngumprechting nie besonders ausgeprägt, im Zuge von Corona ist es zur Gänze eingeschlafen. „Auch die früheren Lebensmittelspenden gibt es nicht mehr, aber unsere Bewohner können jetzt zur Tafel nach Mattsee fahren, wo sie für 5 Euro eine wirklich volle Einkaufstasche bekommen“, erklärt Kienberger. Bei 6,50 Euro Essensgeld pro Tag spüren naturgemäß auch die Asylbewerber die aktuelle Teuerungswelle. „Günstiger“ kaufen die ein, die zusammenlegen und gemeinsam einkaufen und kochen, wie zum Beispiel Soleyman, Osman und Fahad aus Somalia. Sie fühlen sich in ihrem neu renovierten Zimmer sichtlich wohl, tagsüber fahren sie zum Deutschunterricht in die Stadt. 

Neue Unterkünfte sind schwer zu finden

Nachdem das Land in den vergangenen Jahren mangels Bedarf den Vertrag mit zahlreichen, kleineren Unterkünften in Stadt und Land Salzburg nicht mehr verlängert hat, steigen die Asylzahlen nun wieder stark an, nun sucht das Land wieder Quartiere. Im Gegensatz zu den Unterkünften für Ukrainerinnen, wo das Land auf zwei kostenlos zur Verfügung gestellte, große Hotels zurückgreifen kann, gab und gibt es diese großzügigen Angebote von Seiten der Wirtschaft für „normale“ Asylbewerber nicht.

Das Land sucht wieder kleine Einheiten, also private Häuser, das habe sich bewährt, so der zuständige Soziallandesrat Heinrich Schellhorn. „Es ist aber sehr schwer, geeignete Objekte zu finden, derzeit scheitert es meist an den finanziellen Vorstellungen der Eigentümer“, weiß Dengg. Er kann sich aber vorstellen, dass auch die Samariter, wie derzeit bei der Betreuung der Flüchtlinge aus der Ukraine, in Zukunft größere Unterkünfte gemeinsam mit dem Roten Kreuz betreuen. Sollten keine privaten Unterkünfte gefunden werden, muss möglicherweise das Land wieder das Aufstellen weiterer Häuser in Modulbauweise übernehmen, wie die 2016 eröffneten Holzhäuser in Tamsweg, Seekirchen und im Süden der Stadt Salzburg. Aber so eilig scheint man es nicht zu haben, Schellhorn meint, in den Unterkünften des Bundes, den so genannten Verteilzentren, sei ohnehin noch Platz.

Die Salzburger Samariter betreuen neben dem Haus in Schöngumprechting noch weitere Unterkünfte in Schleedorf und Berndorf, sowie vier Wohnungen in Straßwalchen. „Für eine elfköpfige Familie suchen wir aktuell dringend eine Unterkunft, weil diese das derzeitige Haus wegen Eigenbedarf der Besitzer räumen muss, aber es ist einfach schwer hier etwas zu finden“. 

hud

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