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Betroffener im Salzburger Pflegeheim

Hat eine Frau (79) 130.000 Euro von einem Pongauer (85) veruntreut? Gericht fällt Urteil

Das Landesgericht Salzburg. (Symbolbild)
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Das Landesgericht Salzburg. (Symbolbild)

„Die Deutsche passt hier nicht ins Haus“, mit diesen Worten soll der ältere Sohn eines mittlerweile demenzkranken Mannes auf die Beziehung seines Vaters mit einer jetzt wegen Untreue angeklagten 79-jährigen Pensionistin reagiert haben. Die Anklage warf der Frau aus der ehemaligen DDR vor, rund 130.000 Euro von den Konten des mittlerweile 85-jährigen Pongauers unberechtigt abgehoben zu haben. Sie bestreitet das. Man habe gut gelebt und das harmonische Leben genossen, bei den Bankbehebungen sei der Mann immer dabei gewesen.

Salzburg – Laut Anklageschrift soll die 79-Jährige zwischen März 2014 und März 2019 insgesamt über 100.000 Euro von einem Konto, sowie Geld von einem Sparbuch abgehoben haben. „Es ist ein schwieriger Fall weil der Geschädigte nicht mehr gefragt werden kann“, so die Staatsanwältin. Der „Geschädigte“ ist nach einem Sturz und einem Klinikaufenthalt jetzt in einem Pflegeheim in der Stadt Salzburg, nicht mehr ansprechbar. Ein erstes Verfahren gegen die Deutsche war zwar schon eingestellt gewesen, nach weiteren Ermittlungen und Zeugenaussagen nun aber noch wieder aufgenommen worden. Eine von der Angeklagten behauptete Lebens- und Hausgemeinschaft mit dem mittlerweile an Demenz erkrankten Mann habe es nach Ansicht der Staatsanwältin nie gegeben.

„Wenn ich sterbe musst du sofort ausziehen“

Die Angeklagte selbst, eine kleine, schmächtig wirkende Frau in schwarz gekleidet, beteuert ihre Unschuld und beantwortet merkbar mitgenommen alle Fragen nachvollziehbar. Sie beschreibt die Beziehung mit dem Pongauer Pensionisten als „liebevoll und harmonisch“, er habe sie 2012 in einem Kaffeehaus im Pongau angesprochen, daraus habe sich dann eine Beziehung entwickelt, Sie habe in weiterer Folge bis auf einen Tag in der Woche bei ihm gewohnt, er habe sich auch verlobt mit ihr und ihr sogar einen Heiratsantrag gemacht.

Diesen habe sie allerdings abgelehnt, „der Grund war sein älterer Sohn, der das Haus schon geerbt hatte“. ‚Wenn ich sterbe musst du sofort ausziehen‘, soll sie der Lebenspartner vor seinem Sohn gewarnt haben, darum habe sie den Antrag abgelehnt, „ich wäre dann ohne Wohnung dagestanden“. Der ältere Sohn habe die Angeklagte misstrauisch begleitet, „die Deutsche gehört nicht ins Haus“. 2019 sei der Pensionist dann vor dem Haus gestürzt, in die Klinik gekommen und danach als Pflegefall in ein Heim in der Stadt Salzburg. Sie habe dann aber keine Auskünfte mehr erhalten, der Sohn habe das den Ärzten untersagt.

„Sie hat sich aus dem Staub gemacht“

Der Sohn schildert das in seiner Zeugenaussage anders, „ich war sehr verärgert dass sich die angebliche Lebensgefährtin ab der Einweisung in das Krankenhaus nicht mehr gekümmert hat, sie hat sich aus dem Staub gemacht“, so der ältere Sohn. Sie hätte den Vater schon nach den Schlaganfällen dazu überreden können eine Reha anzutreten, „ich war ja froh dass der Vater jemand hat der sich um ihn kümmert“ – er selbst sei beruflich von früh morgens bis spät abends außer Haus gewesen. Die Reha habe der Vater aber abgelehnt mit den Worten, „dafür sei kein Geld mehr da“. Gemeint war, um auch für die Angeklagte ein Zimmer im Reha-Ort zu bezahlen.

Die beiden Söhne sowie weitere Zeugen wie zum Beispiel die Nachbarn blieben dabei, dass die Angeklagte nur wenige Tage pro Woche bei dem Pensionisten war, meistens am Wochenende, sie wären dann gemeinsam Einkaufen und Essen gewesen. Die Angeklagte beteuert, sie sei nur einmal in der Woche in ihre Wohnung gefahren um dort „nach dem Rechten zu sehen“. Von einem Schlaganfall 2014 will sie nichts bemerkt haben, 2018 habe es dann auf einem Parkplatz einen kleinen Auffahrunfall gegeben, die Behörde hätte dem Pensionisten daraufhin den Führerschein abgenommen.

Gemeinsames Bankkonto eingerichtet

Auf seinen Wunsch hin, so die Angeklagte, sei ein gemeinsames Konto eingerichtet worden, von dem sie alleine hätte Geld abheben können. „Aber er war immer dabei, er hat entschieden wie viel ich abheben soll und meistens hat er im Auto gewartet“, das bestätigte auch ein Bankangestellter. Der Pensionist habe mit den Barbehebungen alle Rechnungen für das Haus und Autoreparaturen bar bezahlt.

Code-Wort wird zum Problem

Im März 2019 sei der Pensionist schließlich gestürzt und in eine Klinik eingeliefert worden, „schon damals bekam ich telefonisch keine Auskunft mehr weil ich das Code-Wort nicht kannte“, danach sei er in ein Pflegeheim in der Stadt gekommen. Auch dort habe sie zweimal telefonisch versucht ihren Lebensgefährten zu erreichen, sei aber ebenfalls am fehlenden Code-Wort gescheitert. Die Staatsanwältin wollte das nicht glauben, „als liebende Lebensgefährtin haben Sie dann nicht weiter nachgefragt, zum Beispiel bei den Söhnen?“.

Der ältere Sohn wurde nach der Einweisung in ein Pflegeheim offiziell der Vormund. Die Lebensgefährtin aus Deutschland habe er, der Sohn, zuerst wohlwollend beobachtet, „mein Vater hing anscheinend sehr an ihr“. Er räumte auch ein, dass sein Vater bei der Verlobung und dem Heiratsantrag der treibende Faktor gewesen sei, „die früheren Freundinnen hätten sich nach einiger Zeit immer verabschiedet, er wollte sicherlich wieder eine Beziehung oder mehr haben“. Das Haus hatte der Vater schon vor Jahren an den älteren Sohn überschrieben.

Am Ende glaubte das Schöffengericht den Angaben der 79-Jährigen und sprach sie vom Vorwurf der Untreue frei, das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig, da die Staatsanwältin keine Erklärung abgegeben hat.

hud