Innenminister stellt klar

Nach Bus-Geiselnahme in Italien: Salvini möchte ausländische Opfer einbürgern

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Der Bus brannte bereits, als die Polizei alle Beteiligten bergen konnte.

Dramatische Szenen spielten sich am Mittwoch in Mailand ab: Der Fahrer eines Schülerbuses zündete das Fahrzeug an und nahm die Personen darin als Geisel.

Update vom 27. März: Vor einer Woche nahm ein italienischer Busfahrer 51 Schüler als Geisel und zündete anschließend das Fahrzeug an. Die Polizei konnte jedoch alle Beteiligten ohne schwere Verletzungen befreien. Ein Grund für das schnelle Eintreffen der Beamten war ein Anruf zweier Jungen, die sich in dem Bus befanden. Einer davon ist ein 14-jähriger Ägypter, der andere ein 13-jähriger Marokkaner, die beide die italienische Staatsbürgerschaft nicht besitzen. Italiens Innenminister und Vizeregierungschef Matteo Salvini hat nun angekündigt, dass die zwei Jungen eingebürgert werden sollen. Auch alle anderen ausländischen Opfer der Geiselnahme sollen demnach italienische Staatsbürger werden. 

Der 14-jährige Ägypter (links) mit seinem Vater: Der Junge soll bald italienischer Staatsbürger sein.

51 Schüler in Italien in letzter Minute aus Gewalt von Busfahrer befreit

Ursprungsartikel vom 21. März 2019: Mailand - Rettung in letzter Minute: Die italienische Polizei hat 51 Schüler aus der Gewalt ihres Busfahrers befreit, der in dem Fahrzeug Benzin ausgoss und es in Brand setzte. Der Mailänder Staatsanwalt Francesco Greco sprach nach der Geiselbefreiung am Mittwoch von einem "Wunder". Der aus dem Senegal stammende Fahrer wollte mit seiner Tat laut seinem Anwalt auf den Tod afrikanischer Flüchtlinge im Mittelmeer aufmerksam machen.

Mailand: „Hier kommt niemand lebend raus!“ - Busfahrer setzt Fahrzeug in Brand

Die Schüler einer Oberschule in Crema waren in Begleitung von drei Betreuern auf dem Rückweg von einer Turnhalle, als der Fahrer plötzlich die Route änderte und verkündete, dass sie seine Geiseln seien. "Niemand kommt hier lebend raus!" rief der Mann nach Berichten mehrerer Schüler. Der Fahrer habe zwei volle Benzinkanister und ein Feuerzeug gehabt und ihnen die Handys abgenommen. Eine Betreuerin zwang er, die Kinder mit Stromkabeln zu fesseln.

Der Täter habe alle Türen des Busses "mit Ketten blockiert", sagte die 53-jährige Hilfslehrerin Tiziana Magarini der Nachrichtenagentur AFP. "Er zeigte mir ein Messer und sagte mir, ich solle alle Kinder fesseln." Mehreren Zeugen zufolge hatte der Geiselnehmer auch eine Pistole bei sich. Zwei Jugendlichen - einem 14-jährigen Ägypter und einem 13-jährigen Marokkaner - gelang es, die Polizei anzurufen. Sie hoffen nun, wegen besonderer Verdienste die italienische Staatsbürgerschaft zu bekommen.

Mann setzt Bus in Brand und beschuldigt italienische Politiker

Polizisten blockierten den Bus in San Donato Milanese südöstlich von Mailand und schlugen dessen hintere Scheiben ein. Während das Fahrzeug in Flammen aufging, brachten sie die Kinder in Sicherheit.

Der Fahrer habe immer wieder gesagt, dass "so viele Menschen in Afrika sterben und dass das die Schuld von (Vize-Regierungschef Luigi) Di Maio und (Innenminister Matteo) Salvini ist", berichtete eine Schülerin. Der Mann habe gerufen, er habe "drei Kinder im Meer verloren", sagte ein Schüler laut italienischen Medienberichten.

Die Polizei konnte alle Personen vom Unfallort evakuieren.

Der oberste Anti-Terror-Ermittler der Region Mailand, Alberto Nobili, sprach von der Tat eines Einzelnen ohne Verbindung zum radikalen Islamismus. Der Fahrer habe seine Tat seit mehreren Tagen geplant und bezweckt, "dass alle Welt von seiner Tat spricht". Auf der Online-Plattform Youtube habe er ein Video veröffentlicht, in dem er Afrika aufrief, "sich zu erheben". Nach Angaben seines Anwalts wollte der Mann "die Aufmerksamkeit auf die Folgen der Einwanderungspolitik lenken".

Mailand: Polizei rettet alle Personen aus brennendem Bus

Laut Staatsanwalt Greco durchbrach der Bus eine Polizeisperre und rammte ein Auto, dessen Insassen - ein Vater und sein Sohn - sich in Sicherheit bringen konnten, bevor es in Flammen aufging. Sowohl der Bus als auch das Auto brannten völlig aus.

Etwa ein Dutzend Schüler und zwei der erwachsenen Begleiter wurden mit leichten Rauchvergiftungen ins Krankenhaus gebracht. Der Fahrer musste wegen Verbrennungen an den Händen behandelt werden.

Ihm werden Geiselnahme, ein versuchtes "Massaker" und Brandstiftung zur Last gelegt, erschwerend kommt der Vorwurf des "Terrorismus" hinzu. "Der Verbrecher muss für alles bezahlen", erklärte Innenminister und Vize-Regierungschef Salvini, der der fremdenfeindlichen Lega-Partei vorsteht. Seine Regierung werde ihr Möglichstes tun, damit dem Geiselnehmer die italienische Staatsbürgerschaft entzogen werde, die er seit 2004 hat. Auch Vize-Regierungschef Di Maio von der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung sprach sich dafür aus.

Mailand: Fahrer setzt Bus in Brand - Er war bereits vorberstraft

Der Geiselnehmer hatte seit 15 Jahren als Schulbusfahrer gearbeitet. Laut Medienberichten wurde ihm 2007 wegen Alkohols am Steuer vorübergehend der Führerschein abgenommen, 2018 sei er wegen sexueller Belästigung Minderjähriger zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden. Von beiden Vergehen habe sein Arbeitgeber aber nichts gewusst. Kollegen zufolge begannen die Probleme mit dem 47-Jährigen nach der Trennung von seiner italienischen Frau, mit der er zwei Kinder habe.

AFP/mef

Lesen Sie auch:  Rund 40 Kinder und Jugendliche als Geiseln genommen - Polizei nennt weitere Details

SEK-Einsatz an Klinik in Deggendorf: Geiselnahme - Täter überwältigt. Davon berichtet Merkur.de*.

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