Kinderhilfe drängt auf besseren Schutz für Kinder

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Kinder müssen besser geschützt werden, fordert die Deutsche Kinderhilfe.

Berlin - Die Deutsche Kinderhilfe fordert nach dem Fall der versteckten Jennifer in Brandenburg ein Kinderschutzgesetz. Die Regierung müsse sich endlich einigen.

Nach dem Fall der 13-jährigen Jennifer aus der Uckermark in Brandenburg, die jahrelang von den Eltern zu Hause versteckt wurde, ist die Debatte über den Schutz von Kindern neu entbrannt. Die Deutsche Kinderhilfe beklagte das Scheitern des geplanten bundesweiten Kinderschutzgesetzes.


Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern

Die neunjährige Corinna wurde am 29.07.2009 tot in einem Seitenarm des Flusses Mulde unweit ihres Elternhauses in Eilenburg gefunden. Sie fiel vermutlich einem Gewaltverbrechen zum Opfer. Die Ermittlungen dauern noch an. © ap
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Der neunjährige Dennis aus Scharmbeckstotel wurde am 05. September 2001 aus dem Schullandheim Wulsbüttel entführt. Am 19.09.2001 wurde die Leiche von Dennis in einem Waldstück bei Kirchtimke entdeckt. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Die achtjährige Michelle aus Leipzig wurde am 17. August 2008 auf dem Heimweg entführt. Am 21. August wurde ihre Leiche in einem Teich gefunden. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Der heute 73-Jährige Josef Fritzl hielt seine Tochter Elisabeth Jahrzehnte in einem Kellerverlies unter seinem Haus gefangen. Immer wieder vergewaltigte er sie und zeugte in der Zeit mit ihr sieben Kinder. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
In diesem Kellerverlies wurden die Opfer von Fritzl gefangen gehalten. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Im Jahr 2006 gelang Natascha Kampusch die Flucht von ihrem Peiniger Wolfgang Priklopil. Er begann daraufhin Selbstmord. © dpa
Die 6-jaehrige Ayla aus Zwickau wurde 17. Mai 2005 in der Naehe ihrer Wohnung von einem Mann in ein Auto gezogen worden.
Die sechsjährige Ayla aus Zwickau wurde am 17. Mai 2005 in der Naehe ihrer Wohnung von einem Mann in ein Auto gezogen, sexuell missbraucht und ermordet.. © dpa
Der Mörder von Ayla, Michael L. hat die Tat wenig später gestanden.
Der Mörder von Ayla, Michael L. hat die Tat wenig später gestanden. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Der jüngste traurige Fall: Die achtjährige Kardelen aus Paderborn wurde seit 12. Januar 2009 vermisst. Vier Tage später die traurige Gewissheit. Kardelen wurde sexuell missbraucht und getötet. © dpa
Die zehnjährige Adelina aus Bremen verschwand am 26. Juni 2001 nach dem Besuch beim Ur-Großvater. Ihre Leiche wurde später in einem Wald gefunden.
Die zehnjährige Adelina aus Bremen verschwand am 26. Juni 2001 nach dem Besuch beim Ur-Großvater. Ihre Leiche wurde später in einem Wald gefunden. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Die achtjährige Levke aus Cuxhaven wurde seit dem 6. Mai 2004 vermisst. Dreieinhalb Monate später wird ihre Leiche in einem Waldstück in Attendorn gefunden. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Die vier Jahre alte Madeleine McCann war am 3. Mai 2007 spurlos aus einer Ferienwohnung in Südportugal verschwunden. Bis heute ist der Fall ungelöst. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Gestanden hat der Mörder des neunjährigen Mitja vor Gericht in Leipzig. Der damals 43-Jährige hat den neunjährigen Buben mit in seine Wohnung genommen, vergewaltigt und erdrosselt. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Immer noch auf freiem Fuß sind die Täter, die das Leben des damals fünfjährigen Pascal auf dem Gewissen haben. Der Bub wurde 2001 in einer Kneipe in Saarbrücken vergewaltigt und erstickt. Seine Leiche wurde nie gefunden. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
In Riekofen im Landkreis Regensburg wird 2007 bekannt, dass der örtliche Pfarrer sich an einem Kind vergangen haben soll. Wie sich herausstellte war es nicht der erste Fall: Der Geistliche war bereits wegen sexuellen Missbrauchs vorbestraft. Das Ordinariat schweigt zu den Vorwürfen. © dpa
Am 15. September 1981 wird die zehnjährige Ursula Herrmann aus Eching am Ammersee entführt.
Am 15. September 1981 wurde die zehnjährige Ursula Herrmann aus Eching am Ammersee entführt. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
In dieser Kiste wurde sie von dem Täter gesteckt, in der sie qualvoll erstickte. © dpa

Das werde dazu führen, dass weiterhin zu viele Kinder Opfer von Gewalt und Vernachlässigung werden, mahnte die Vereinigung. “Mit einem Kinderschutzgesetz hätten rechtsverbindliche Rahmenbedingungen geschaffen werden können. Neun Jahre sollen die Eltern die heute 13-jährige Jennifer in dem Uckerland-Ortsteil Lübbenow versteckt haben. Das geistig behinderte Kind ist nie zur Schule gegangen und hatte keinerlei soziale Kontakte.


Der Hinweis eines Nachbarn hatte Mitte Juli das Jugendamt darauf aufmerksam gemacht. Das Amt in Prenzlau hatte aber bereits seit April 2006 von der Situation gewusst. Ein Mitarbeiter stellte damals aber keine Gefährdung fest. Zudem glaubte er den Eltern, dass die Tochter wegen ihrer Behinderung von der Schulpflicht befreit sei, teilte die Kreisverwaltung mit.

Regierung konnte sich nicht auf Kinderschutz einigen

Ende Juni war der von der Bundesregierung geplante bessere Schutz für Kinder aus Problemfamilien gescheitert. Die Familienpolitiker von Union und SPD konnten sich nach tagelangen Verhandlungen nicht auf Kompromisse einigen. Vor allem die verstärkte Pflicht der Jugendämter zu Hausbesuchen in Familien, in denen Kinder von Gewalt bedroht sind, wollte die SPD in der von Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) geplanten Form nicht mitmachen.

Die Kinderhilfe forderte nun, dem Thema Kinderschutz auf der politischen Ebene “die gebotene Priorität“ zu geben. Nach wie vor behindere der Datenschutz die Zusammenarbeit von Behörden. Bei einem Umzug der Familie sollten die Jugendämter auch über Landesgrenzen hinweg Informationen über gefährdete Kinder und Problemfamilien austauschen können. Die Kinderhilfe verwies auf die Kriminalstatistik. Demnach ist die Zahl der Fälle von Kindesmisshandlung von 3906 im Jahr 2007 auf 4068 im Jahr 2008 gestiegen. Nach wie vor würden geschätzt 100.000 Kinder in Deutschland misshandelt, hieß es in der Mitteilung. Im Schnitt seien bundesweit zwei bis drei tote Kinder pro Woche in Deutschland zu beklagen. “Zum Handeln hat dies die Politik immer noch nicht bewegt.“

Die brandenburgische SPD widersprach der Forderung ihres Koalitionspartners CDU nach einer zentralen Rechts- und Fachaufsicht für die Jugendämter im Land. “Ich weiß nicht, was besser werden würde, wenn es in Potsdam ein zentrales Jugendamt geben würde“, sagte Fraktionsgeschäftsführer Thomas Kralinski. “Im Gegenteil: Wir brauchen mehr Verantwortung vor Ort.“ Auch die oppositionelle Linke hatte die CDU-Forderung zurückgewiesen. Besser wäre mehr Personal in den überlasteten Jugendämtern.

dpa

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