„Folter“-Tod eines Irakers untersucht

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Irakische Gefangener wie dieser im amerikanischen Gefangenenlager Guantanamo, sollen von Briten im Irak gefoltert worden sein.

London - Zehn Iraker sollen in britischer Gefangenschaft gefoltert worden sein. Einer von ihnen kam ums Leben. Bei der Untersuchung geht es um die Verhörpraktiken des britischen Militärs.

Fast sechs Jahre nach der angeblichen Folter mehrerer Iraker in britischer Gefangenschaft und dem Tod eines Gefangenen wird der Fall öffentlich untersucht. Britische Soldaten sollen die Iraker den Vorwürfen zufolge gedemütigt und misshandelt haben.

So hätten sie auf einen Gefangenen uriniert und einen anderen aufgefordert, im Stil von Michael Jackson zu tanzen. Auch sollen sie Gefangene mit dem Gesicht über ein Loch mit Fäkalien gehalten oder deren Hände mit siedend heißem Wasser verbrannt haben.

Kronanwalt Gerard Elias sagte am Montag, es gebe “wenig Zweifel daran, dass die Gefangenen Ziel von physischen Übergriffen gewesen sind“. Einige seien über 48 Stunden “ununterbrochen“ geschlagen worden. Ein Video zeigte auch, wie ein Soldat die wimmernden Männer, denen Säcke über den Kopf gestülpt waren, anschreit.

Die zehn Männer wurden im September 2003 in der südirakischen Stadt Basra gefangen genommen, weil sie als Aufständische verdächtigt wurden. Einer der Gefangenen, der 26 Jahre alte Hotelangestellte Baha Mousa, kam nach tödlichen Schlägen um. Die gerichtliche Untersuchung soll ein Jahr dauern und die Verhörpraktiken des britischen Militärs prüfen. Es handelt sich dabei nicht um einen Strafprozess.

Die Soldaten können nur dann strafrechtlich verfolgt werden, wenn Zeugenaussagen gewichtig genug sind, um einen Prozess einzuberufen. Die Regierung hatte vergangenes Jahr eingeräumt, dass Teile der Europäischen Menschenrechtskonvention gebrochen wurden. Sie kündigte zudem die Untersuchung an und zahlte den Opfern sowie der Familie des Toten umgerechnet rund 3,5 Millionen Euro Entschädigung.

Ein Militärgericht in Großbritannien hatte bereits sieben britischen Soldaten wegen krimineller Vergehen im Irak den Prozess gemacht. Sechs waren im März 2007 freigesprochen worden, ein siebter hatte zugegeben, Iraker unmenschlich behandelt zu haben. Er kam für ein Jahr ins Gefängnis.

dpa

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