EHEC-Erreger: Erbgut entschlüsselt

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Berlin - Einen Monat nach dem Ausbruch sind die Übertragungswege des Darmkeims noch immer ungeklärt. Währenddessen überprüft Spanien rechtliche Mittel wegen der Warnung vor spanischem Gemüse.

Die Weltgesundheitsorganisation erklärte am Donnerstag, verantwortlich für die Erkrankungen sei ein neuer Stamm von E. coli-Bakterien. Wissenschaftler aus Hamburg und China entschlüsselten die Erbsubstanz des Bakteriums, machten aber deutlich, dass dies Patienten kurzfristig nicht helfe.

Spanien kündigte unterdessen Schadenersatzforderungen wegen der Warnung vor spanischen Gurken als EHEC-Infektionsquelle an, was sich im Nachhinein als falsch erwiesen hatte. Die Zahl der EHEC-Fälle steigt derweil rapide. Bundesweit werden mittlerweile 17 Todesfälle mit dem Darmkeim in Verbindung gebracht.

Ob eine in Baden-Württemberg am Hämolytisch-Urämischen Syndrom (HUS) gestorbene Frau auch mit dem EHEC-Erreger infiizert war, wird noch untersucht. Am HUS sind inzwischen fast 500 Personen erkrankt. Politiker bezeichneten die Situation als besorgniserregend.

EHEC: Was die Bauern mit ihrer Ware machen

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Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) sagte in Berlin, leider sei die Botschaft weiterhin, dass “die genaue Ursache des Geschehens noch nicht eingegrenzt werden konnte“. Die spanischen Gurken trügen “nicht den eigentlichen Erreger“ - nämlich das Bakterium vom Stamm O104:H4. Nach Hunderten von Proben seien sich die Experten noch nicht einmal sicher, ob überhaupt ein Agrarprodukt für die Infektionen verantwortlich gemacht werden könne.

Anfang Mai war nach Angaben des Robert-Koch-Instituts der erste HUS-Fall registriert worden. Mittlerweile verzeichnen einzelne Bundesländer wie Hamburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen eine rasante Zunahme der Infektionsfälle. Die anfängliche Vermutung, dass Salatgurken vom Hamburger Großmarkt für die Erkrankungen verantwortlich sind, bestätigte sich nicht.

Extrem schwerer Verlauf der Erkrankungen

 Andreas Samann vom Institut für Hygiene und Umwelt in Hamburg machte wenig Hoffnung, dass die Quelle des Darmkeims rasch entdeckt werde. In fast 80 Prozent aller Fälle weltweit finde man den Erreger nicht, erklärte er.

Der Bakteriologe Holger Rohde vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf erklärte, die genetischen Erkenntnisse über den Stamm seien von UKE-Wissenschaftlern und chinesischen Kollegen genauer analysiert worden. “Wir haben feststellen können, dass es sich tatsächlich um eine neue, bisher noch nicht beschriebene Variante dieses Erregers handelt“, sagte Rohde.

“Daraus ergibt sich, dass wir unsere Diagnostik kurzfristig optimieren und für den Nachweis für diesen spezifischen Erreger maßschneidern können“, betonte Rohde. Er hoffe, dass durch das Wissen über das Erbmaterial dieses Erregers künftig verständlich werde, warum er ein solches schweres Krankheitsbild verursachen könne. “Und möglicherweise können wir dann in ferner Zukunft auch neue Strategien für die Therapie von Patienten entwickeln.“

EHEC: Die wichtigsten Fragen und Antworten

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Sorgen bereitete Medizinern der schwere Verlauf, den die Infektion bei einigen Patienten nimmt. Der Direktor der Medizinischen Klinik I am UKSH- Standort Lübeck, Hendrik Lehnert, sagte, bei der Hälfte aller HUS-Patienten am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein träten neurologische Komplikationen auf. Die Störungen auf der Ebene des Gehirns würden etwa drei bis vier Tage nach Beginn des HU-Syndroms auftreten. Sie reichten von milderen Symptomen wie Kopfschmerzen bis hin zu Sprachstörungen und Epilepsien.

Zapatero kritisiert Deutschland und EU

Der spanische Ministerpräsident José Luis Rodriguez Zapatero kritisierte Deutschland und die Europäische Kommission wegen EHEC scharf. Er erklärte, die EU-Kommission habe die Warnung vor spanischen Gurken nicht schnell genug zurückgezogen. Verantwortlich seien allerdings die deutschen Behörden, die fälschlicherweise spanische Gurken als den Auslöser der Erkrankungen ausgemacht hatten. Spanien werde sich um eine Klärung und “angemessene Entschädigung“ bemühen. Die EU-Kommission hatte die Warnung vor spanischen Gurken am Mittwochabend aufgehoben.

dapd

Rubriklistenbild: © dpa

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