Wolfgang Fierek im Interview

"Easy-Rider-Feeling ist immer noch da"

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Ebbs - Man kennt ihn hauptsächlich als Schauspieler und Sänger, doch seine dritte große Leidenschaft ist das Motorradfahren: Wolfgang Fierek stand im Gespräch Rede und Antwort.

Schauspieler, Sänger und Harley-Enthusiast Wolfgang Fierek stand als Schirmherr und „Master of Ceremony“ dem 1. Indian Summer Biker-Weekend in Ebbs zur Seite. Im Interview spricht Fierek über seine Harley-Leidenschaft, dem „Easy Rider-Feeling“, der Situation der Biker in den USA und in Deutschland und über „Motorradsegnungen“. Fierek kommt dabei zu ganz persönlichen Ein- und Ansichten.

Herr Fierek, wann wurden Sie von der Harley-Leidenschaft gepackt?

Wolfgang Fiereck: Eigentlich kommt alles von meinem Papa, der damals als Koch auf dem Luftwaffenstützpunkt der Amerikaner in Neubiberg gearbeitet hatte. Er war leidenschaftlicher Motorradfahrer und fuhr immer Harleys und BMWs. Eines Tages kam er mit einer Harley-Davidson nach Hause, die er von einem GI gekauft hatte. Dieses Motorrad hat mich einfach fasziniert. Es war größer, hatte keinen Hauptständer sondern nur einen Seitenständer. Und dann dieses Öl, dieses Einbereichsöl mit seinem so ganz eigenen und typischen Geruch. Das war mein erster Kontakt. 1969 bin ich dann in München aus Versehen in einen falschen Film gegangen. Ich weiß zwar nicht mehr, welchen Film ich mir ursprünglich anschauen wollte, aber ich weiß, in welchem Film ich gelandet bin. Das war nämlich Easy Rider. Ab diesem Zeitpunkt war mir klar, dass ich einen Chopper haben wollte. Ich wollte immer einen Chopper haben. Mit 30 Jahren habe ich mir meine erste Maschine gekauft und seitdem geht's dahin.

Es kommen immer wieder neue Trends

Ist vom "Easy Rider-Feeling" der 1960er Jahre noch etwas übrig geblieben oder geht es nur noch um kommerzielle Entwicklungen?

Es gibt immer Parallelentwicklungen. Es gibt immer noch viele Leute, die ganz easy riden. Mit ganz normalen Motorrädern, mit so wenig wie möglich und ohne irgendwelches Customizing. Es gibt natürlich auch Leute, die Geld haben und sich sagen, warum soll ich nicht ein Bike für 100.000 Euro fahren. Was auch ok ist. Die sieht man jedoch weniger auf der Straße. Auf meine Touren sehe ich mehr die Enthusiasten. Aber das passt schon. Das eine schiebt das andere an und lässt das andere überleben. Es kommen immer wieder neue Trends. Erst kamen Bobber, dann Bagger und dann Chopper. Aber dieses Easy-Rider-Feeling ist immer noch da.

Wie unterscheidet sich die Situation der Biker in den USA und in Deutschland?

In den USA ist die Situation komplett anders als in Deutschland. In Deutschland gibt es Rocker, Motorradfahrer und die Moped-Rocker von früher. Aber in Amerika gibt es Biker. Ein Biker ist ein ganz eigener Stand wie ein Schreiner oder ein Bäcker. Unter der Woche fahren sie ihre Trucks oder arbeiten am Bau. Am Wochenende wird dann gebikt. Und zwar richtig Hardcore. Da werden am Tag teilweise bis zu 1.000 Kilometer geschossen.

"Jeden Tag will man die Welt zerreißen"

Wozu eine Motorradsegnung? Was hat es damit auf sich?

Wie alle wollen keinen Unfall haben. Ich selber habe einen sehr, sehr schweren Unfall gehabt und habe dank Gott überlebt. Ich bin wieder da und hergestellt. Der Unfall hatte für mich Symbolcharakter. Ich bete immer zu und sage zu Gott, dass er auf mich aufpassen soll. Der Unfall sollte mich einfach vor gewissen Schritten in meinem Leben bremsen und hat sich später auch als solches herausgestellt. Mir hat der Unfall, diese Situation wirklich etwas gebracht. Ich bin einen völlig anderen Weg gegangen und bin auch überhaupt nicht traurig darüber. Aber das war für mich natürlich eine schmerzhafte Erfahrung. Aber wenn man ein bisschen an Gott glaubt, dann sieht man ihn ab und zu und denkt sich, dass man wirklich Glück gehabt hatte. Aber nur weil er das will. Das ist meine Meinung. Ich bin damals mit frisch bestandenem Führerschein und meinem VW-Bus mit 120 km/h durch München gerast. Heute würde ich sagen, ob du eigentlich verrückt bist oder was. Aber das ist die Jugend. Voller Kraft und Saft. Jeden Tag will man die Welt zerreißen. Mit dem Motorrad erlebe ich genau dasselbe. Bei meinen ersten Touren in USA bin ich an einzigen Tag über 1.200 Kilometer gefahren. Nachmittags in Los Angeles gestartet und bis zum nächsten Tag durchgefahren, weil ich so erregt und fasziniert über dieses Land war. Zu dieser Zeit wusste ich nicht, dass ich eines Tages nach Amerika hin- und herfliege wie andere Leute nach Mallorca. Damals dachte ich, Mensch ist das toll und was gibt mir der Gott. Es ist das Recht der Jugend. Genau so mit einem Unfall. Ich glaube, dass man einen Unfall in der Jugend ganz anders wegsteckt. Aber was soll´s. Es ist halt passiert und es geht weiter. Im Alter ist es natürlich ganz anders. Das stellt Weichen. Du hast Existenzängste, du hast Verantwortung gegenüber deiner Frau und deiner Familie.

ume

Quelle: rosenheim24.de

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