Virologe mahnt zur Vorsicht

Corona: Drosten warnt vor gefährlichem Szenario in Deutschland - „Das wird nicht so bleiben“

Das Coronavirus kann besonders bei Risikopatienten fatale Folgen haben. Doch Virologe Drosten sieht auch Jüngere in Gefahr - eine Kettenreaktion droht.

  • Christian Drosten beobachtet mit Sorge die neuesten Entwicklungen der Corona-Pandemie in Deutschland.
  • Der Virologe appelliert gerade an die jungen Menschen.
  • Auch ihnen drohen bei einer COVID-19-Erkrankung schwere Krankheitsverläufe.

Berlin - Die aktuellen Corona-Zahlen* versetzen derzeit Politik, Behörden und Mediziner in akute Alarmbereitschaft. Die Anzahl der Infizierten steigt rapide, gerade in Großstädten droht sich die Situation weiter zu verschlechtern. Das Beherbergungsverbot gilt beispielsweise als eine Gegenmaßnahme, um die Infizierten-Zahlen zu senken.

Vielerorts herrscht die Überzeugung, das Coronavirus* sei in erster Linie für ältere Menschen und Risikogruppen mit Vorerkrankungen lebensgefährlich. Virologe Christian Drosten, der eine andere Corona-Strategie als sein Kollege Hendrik Streeck bevorzugt, warnt unterdessen und bezeichnet diese Ansicht als Irrglaube.


Coronavirus: Virologe Drosten warnt - Auch jüngere Patienten „auf der Intensivstation“

Auch die jüngere Bevölkerung müsse Vorsicht walten lassen, glaubt der 48-jährige Wissenschaftler. „Es ist ein bisschen kurz gedacht zu sagen: ‚Es ist für die jungen ganz harmlos – jetzt müssen wir nur aufpassen, dass die Älteren sich nicht infizieren‘“, befand Drosten gegenüber der Welt.

Unter den bisherigen Fällen von COVID-19-Erkrankungen seien warnende Beispiele. „Es gibt auch in den jüngeren Jahrgängen Patienten, die ein klares Risiko haben“, erklärte Drosten und warnt darüber hinaus: „Und solche die ein unklares Risiko haben. Die aus scheinbar voller Gesundheit auf der Intensivstation liegen, schwere Verläufe haben. Das sind 30-, 40-Jährige.“

Corona-Zahlen steigen: Großstädte reagieren mit Sperrstunden in Bars und Restaurants

In Städten wie Berlin oder Frankfurt führte der rasche Anstieg der Corona-Neuinfektionen* zu strengen Maßnahmen der Politik. Dort wie auch in weitere deutschen Städten reagierte man mit Sperrstunden für Bars, Restaurants und Kneipen. Diese müssen nun zwischen 22 oder 23 Uhr abends und 6 Uhr morgens schließen.

„Wir haben eine junge Bevölkerung in den Großstädten. Und wir wissen ja, dass in den letzten Wochen vor allem junge Menschen infiziert wurden“, beurteilte Drosten die momentane Entwicklung. Für den Viren-Experten bringt das eine Kettenreaktion in Gang.

„Dann wurde immer gesagt: ‚Das wird nicht so bleiben, das wird sich weiter bewegen von den Jungen auch wieder zu Älteren – und genau das sehen wir im Moment“, beschrieb Drosten die Lage. Und auch wenn es bis dato vorwiegend größere Städte trifft, die Landbevölkerung müsse auch auf der Hut sein.

Corona-Impfstoff: Drosten sieht Stand bei deutschen Projekten optimistisch

„Wir sehen das zwangsläufig zuerst in den Großstädten, wegen der aktiven jungen Bevölkerung. Das wird sich irgendwann auch bei der älteren Bevölkerung auf dem Land niederschlagen“, meinte der Virologe weiter. Doch er machte auch Hoffnung auf Besserung.

„Ein Impfstoff* ist natürlich die entscheidende Säule der Strategie“, gab Drosten an. Dabei ist Deutschland in den Augen des Wissenschaftlers auf einem sehr guten Weg, diesen bald zu finden. „Die Projekte, die jetzt laufen, sind vielversprechend. Wir haben neun Phase-drei-Studien, die fortgeschritten sind, aus denen man gute Meldungen hört“, zeigte sich Drosten optimistisch. (kh) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes

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