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Folgen für die Gesellschaft

Unser Leben nach Corona: Experten erklären, wie die Pandemie unsere Zukunft verändert

Menschen in einer Großstadt: Wie verändert die Corona-Pandemie das Leben der Menschen?
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Menschen in einer Großstadt: Wie verändert die Corona-Pandemie das Leben der Menschen?

So gefährlich und herausfordernd die Corona-Krise ist, so birgt die Pandemie auch Chancen für einen Wandel. Hier erklären wir, in welchen Bereichen er stattfindet.

  • Das seltsame Jahr 2020 neigt sich dem Ende - und die Menschheit kämpft weiter gegen Corona*.
  • Zweifellos beschleunigt die Pandemie jedoch auch einen gesellschaftlichen Wandel.
  • Wir erklären, in welchen Bereichen Sars-CoV-2 unser Leben in der Zukunft verändern wird.

München - Die Corona-Pandemie* hält die Welt fest im Griff und verändert unser aller Leben. Jetzt - und auch in Zukunft. Das muss nicht immer negativ sein: Jede Krise birgt auch Chancen. Zukunftsforscher Matthias Horx stellt in seinem neuen Zukunftsreport 2021 vor, wie Corona unser Leben verändert. „Die Pandemie ist ein Weckruf“, sagt Horx. „Krisen beenden Exzesse und erzwingen Innovationen, die vorher im Latenten stecken geblieben waren.“ Wir zeigen fünf Bereiche, die sich durch die Krise wandeln:  

Natur nach Corona: Grünes Interesse an unserer Umwelt steigt

Back to nature: Die Nachfrage nach Schrebergärten und Grün-Grundstücken stieg in der Corona-Krise laut Zukunftsreport stark an. Auch in München gibt es seit dem Frühjahr einen großen Run auf die Kleingärten. Und: Die Krise sorgte für einen enormen Hundeboom. In München sind zurzeit nur etwa 600 Tiere im Tierheim - normalerweise sind es um die 1000. Auch Martin Hänsel vom Bund Naturschutz, Kreisgruppe München, bestätigt das erhöhte Interesse der Menschen an der Natur: „Wir verzeichnen in diesem Jahr deutlich mehr Anfragen, etwa zu Naturphänomenen und Tierarten.“ Allerdings appelliert er, auf die Natur Rücksicht zu nehmen: „Bleiben Sie etwa bei Spaziergängen auf den Wegen.“

Wohnen nach Corona: Der Städtebau wird viel flexibler

Die Corona-Krise wird laut Zukunftsreport den Zuzug in dicht besiedelte Metropolen abschwächen. Die Menschen bevorzugen vermehrt ländliche oder kleinstädtische Regionen - oder sogenannte „15-Minuten-Städte“, in denen alle wichtigen Lebensfunktionen in 15 Minuten zu Fuß erreichbar sind, vom Einkaufen bis zu Freizeit- und Bildung. Die Münchner Architektin und Stadtplanerin Claudia Schreiber erklärt: „Flexible Gestaltung von Flächen wird immer wichtiger, um die Vereinbarkeit von Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Versorgung zu ermöglichen.“ Und: Umweltaspekte müssen in der modernen Architektur zum Tragen kommen: „Freiflächen wie Dachgärten müssen künftig optimal genutzt werden.“   

Liebe und Beziehungen nach Corona: Distanz kann verbinden

Liebe und Freundschaft auf dem Prüfstand: Die Pandemie zeigt, wer wirklich für uns wichtig ist. Im Lockdown finden Liebende zusammen, rücken Paare einander wieder näher - oder sie gehen auseinander. „Alles ist ,richtig‘, denn es klärt die Dinge“, sagt Zukunftsforscher Matthias Horx (re.). Ähnliches gilt auch für die Familien, die im Lockdown entweder noch enger zueinander fanden oder sich innerlich atomisierten. Horx: „Eine Krise ordnet unser Beziehungsnetzwerk neu. Wir verlassen diejenigen, mit denen wir längst in einem seelischen Lockdown gefangen waren. Wir prüfen, was uns wirklich bindet.“ So sieht es auch der Münchner Student Frederick Groth (23, li.): „Jetzt schätzt man den persönlichen Kontakt und enge Freunde mehr. Corona hat aber noch einen positiven Effekt: Ich komme aus Berlin, und zu meinen Freunden dort habe ich jetzt mehr Kontakt als früher, weil es derzeit normal ist, sich online zu sehen.

Technik nach Corona: So werden wir arbeiten

Epidemien haben in der Menschheitsgeschichte immer wieder Modernisierungsschübe hervorgebracht. „Individuen, Organisationen und Gesellschaften können in Krisen spontan über sich hinauswachsen“, heißt es in dem Zukunftsreport. Viele Unternehmen haben zum Beispiel über Nacht Home-Office oder Videokonferenzen am Handy eingeführt. Dr. Nick Kratzer vom Münchner Institut für sozialwissenschaftliche Forschung: „Vor allem in der Digitalisierung der Unternehmen hat die Pandemie für einen Schub gesorgt, der nachhaltige Folgen hat.“ So ergab etwa eine Befragung des ifo-Instituts München, dass 73 Prozent von fast 800 befragten Personalleitern aufgrund ihrer positiven Erfahrungen weiterhin auf Home-Office setzen wollen. 

Sprache: Corona-Pandemie erweitert unseren Wortschatz

Von „Abstandsgebot“ über „Inzidenzwert“ bis „zweite Welle“: Kein anderes Thema hat den Wortschatz in diesem Jahr so sehr geprägt wie die Corona-Krise. Laut dem Leibniz-Institut für Deutsche Sprache (IDS) in Mannheim sind etwa 1000 neue Wörter oder Wortverbindungen entstanden. Die Begriffe zeigen aber nicht nur, dass sich die Gesellschaft mit bestimmten Phänomenen und Konflikten herumschlägt, erklärt der Münchner Soziologe Armin Nassehi (re.): „Es ist ja auch eine wichtige Funktion von Begriffen, dass sie komplizierte Sachverhalte auf einen Nenner bringen können.“

Ein schönes Beispiel dafür sei auch der Begriff „digital entgiften“, der erstmals vom IDS in das Wörterbuch aufgenommen wurde. „Für ein bestimmtes Problem bietet sich damit eine Bezeichnung an, die von vielen Menschen sofort verstanden wird.“ (C. Meyer/P. Schlingensief) *tz.de ist ein Angebot des Ippen Digital Netzwerks

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