Lungenkrankheit

Coronavirus: „Superverbreiter“ entdeckt - Ein Mann infizierte Menschen in drei Ländern

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Das Coronavirus hat Großbritannien erreicht: Ein Geschäftsmann schleppte die Krankheit aus Singapur ein.

Ein Brite hat mindestens zehn andere Menschen angesteckt - darunter auch Verwandte. Er bekam einen wenig schmeichelhaften Spitznamen verpasst.

  • Das Coronavirus* hat in Europa mehr als 30 Menschen befallen.
  • Ein britischer Geschäftsmann steckte unwissend mindestens zehn Personen an - darunter Verwandte.
  • Frankreich und Großbritannien treffen im Zuge des Falles besondere Vorkehrungen.

München - Das Coronavirus und seine Gefahr für den Menschen wurde lange Zeit unterschätzt und wohl auch verharmlost. Ob zur Vermeidung von Panik oder weil das Ausmaß tatsächlich nicht vollends erfasst wurde. Mittlerweile gibt es auch in Europa mehr als 30 Fälle von Infizierten, wovon Deutschland die meisten zu beklagen hat. Dabei gilt der Besuch einer chinesischen Kollegin beim besonders gebeutelten Automobilzulieferer Webasto im oberbayerischen Stockdorf als Auslöser.

Einen ähnlichen Fall haben auch Großbritannien und Frankreich zu beklagen. Hier steckte ein Geschäftsmann aus East Sussex im Südosten Englands mindestens zehn Personen an, wie der Guardian berichtet. Deshalb wird er auf der Insel bereits als „Superverbreiter“ betitelt - ein wenig schmeichelhafte Spitzname.


Coronavirus: Brite trifft auf Konferenz in Singapur auf Vertreter aus Wuhan

Der nicht näher beschriebene Mann sei in seinen 50ern und habe vom 20. bis 22. Januar eine Konferenz für Verkaufsstrategien in Singapur besucht. Damals waren viele Asien-Reisende wegen des Coronavirus noch nicht alarmiert. Bei dem Termin soll auch ein Vertreter aus Wuhan dabei gewesen sein. Der Stadt, in der das Virus augenscheinlich seinen Anfang nahm. Der Brite muss sich während seines Aufenthalts angesteckt haben, merkte aber zunächst nichts davon. Die Inkubationszeit beträgt nach aktuellem Wissensstand mindestens zwei Wochen.

Fatalerweise unternahm der Geschäftsmann aus England nach seiner Rückkehr nach Europa mit seiner Familie einen Skiurlaub in den französischen Alpen nahe des Mont Blanc. Vom 24. bis 28. Januar wollte er nach der Reise über den halben Erdball einfach mal ausspannen und sich sportlich betätigen. Am Ende des Aufenthalts waren fünf seiner Verwandten angesteckt, darunter ein neunjähriger Junge.

Les Contamines-Montjoie: Hier urlaubte der erkrankte Geschäftsmann mit seiner Familie.

Coronavirus: Weitere fünf Urlauber stecken sich in Skigebiet an

Doch damit nicht genug: Auch andere Urlauber handelten sich während ihrer Zeit in dem Skiressort Les Contamines-Montjoie das lebensbedrohliche Virus ein. So wurde die Krankheit bei einem auf Mallorca lebenden Briten festgestellt, der mit seiner Familie ein paar Tage in den Bergen verbrachte. Ebenfalls erkrankt sind vier weitere Briten - drei Männer und eine Frau -, von denen zwei im Gesundheitswesen arbeiten. Auch sie müssen während des Urlaubs in Kontakt mit dem Geschäftsmann gekommen sein.

Der sogenannte „Superverbreiter“ selbst flog von Genf in die Heimat zurück und besuchte am Abend des 1. Februar einen Pub in der Stadt Hove an Englands Südküste. Erst danach bekam er die Information, dass ein Coronavirus-Infizierter während der Konferenz in Singapur zugegen war. Der Brite reagierte genau richtig und wandte sich also an die Gesundheitsbehörde, um sich testen zu lassen - mit dem Ergebnis: Er trug das Coronavirus in sich. Damit hatte Großbritannien offiziell seinen ersten Krankheitsfall seit Ausbruch der Infektion.

Coronavirus: Pub-Mitarbeiter aus Vorsicht zu Selbst-Isolation aufgefordert

Nun wurden alle Hebel in Bewegung gesetzt, um zu überprüfen, mit dem der Mann in Kontakt gekommen war und wen er folglich angesteckt haben könnte. So seien fünf Mitarbeiter des Pub in Hove aufgefordert worden, sich selbst zu isolieren.

Auch Frankreich war infolge des Skiurlaubs betroffen. Laut der französischen Gesundheitsministerin Agnès Buzyn würden sechs weitere britische Bürger in französischen Kliniken untersucht. Zwei Schulen wurden vorsorglich geschlossen, weil der infizierte Neunjährige diese besucht hatte.

Das St. Thomas‘s Hospital in London: Hier wird der britische Geschäftsmann behandelt.

Coronavirus: Flugreisende von Genf nach Gatwick waren Gefahr ausgesetzt

Der Geschäftsmann wird derzeit auf der Isolationsstation des St. Thomas‘s Hospital in London behandelt, solange er eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt. Es sei aber durchaus möglich, dass er bereits weitere Personen angesteckt habe. So seien auch die Reisenden des Flugs EZS8481 von Genf nach Gatwick (London) am 28. Januar, den auch der Brite genutzt habe, gefährdet.

Ein Vorwurf ist dem Mann aus East Sussex eigentlich kaum zu machen. Er war sich der Krankheit schlicht nicht bewusst, die er verbreitete. Und besondere Vorkehrungen auf Asien-Reisen waren zum Zeitpunkt der Singapur-Konferenz noch nicht üblich.

Dr. Andrew Freedman, Experte für Infektionskrankheiten an der Cardiff University, legt den Finger dennoch in die Wunde: „Es ist nicht wirklich überraschend, aber es sieht so aus, dass der Ausgangsfall seine Infektion an eine ungewöhnlich große Zahl an Personen weitergegeben hat. Damit kann er als ‚Superverbreiter‘ bezeichnet werden.“ Der nur hoffen dürfte, dass es am Ende für alle von ihm Infizierten glimpflich ausgeht.

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mg

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