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Australien kämpft gegen Riesenkröten

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Graeme Sawyer, Bürgermeister der australischen Stadt Darwin, zeigt eine riesige Kröte, die er - als abschreckendes Beispiel - in einem Käfig im Garten hält.

Die Kröte ist fett, hässlich und giftig -  doch für Graeme Sawyer besonders wertvoll. Der Bürgermeister von Darwin (Australien) benutzt das Tier zur Abschreckung. Denn, er sammelt und tötet sie.

Ein riesiger Sack voller Kröten, am besten tote Kröten - für Darwins Bürgermeister Graeme Sawyer gibt es kaum ein besseres Geschenk. Meist sammelt er die Viecher selbst ein, spätabends, wenn er durch das “Top End“ streift, wie der nördliche Teil des australischen Kontinents bei den Einheimischen heißt. Millionen der Aga- oder Riesenkröten sind dort auf dem Vormarsch. Ihre Waffe gegen Raubtiere: tödliches Gift.

Trupps von 10 bis 20 Leuten sind mindestens zweimal die Woche unterwegs, allen voran der Bürgermeister persönlich. Die fetten Kröten sind mit ihrer warzigen wulstigen Haut nicht gerade putzig. Manche wiegen mehr als eineinhalb Kilogramm. “Die Kröten vernichten die Artenvielfalt, gegen sie ist kein Kraut gewachsen“, sagt Sawyer. Auf 92 Millionen schätzt er ihre Zahl im Gebiet Northern Territory schon - das sind 420 Kröten pro Einwohner.

Krötensammeln ist ziemlich einfach, Darwins Bürgermeister Graeme Sawyer

Mehrere Schlangen- und Leguan-Arten sind im nahe gelegenen Kakadu- Nationalpark schon ausgerottet. Die Kröten machen mit Angreifern kurzen Prozess: Aus den großen Hinterohrdrüsen spritzen sie Gift. Selbst Hunde sterben, wenn sie Kröten apportieren. Natürliche Feinde haben sie in Australien praktisch nicht. “Es hilft nur eins: einsammeln und töten“, sagt Sawyer. Dazu hat er sehr öffentlichkeitswirksam auch schon mal die vielen Touristen eingeladen, die in Australien unterwegs sind.

Krötensammeln ist ziemlich einfach. Die Amphibien sind nicht besonders gut im Klettern, deshalb hat Sawyer in Darwin Zäune ziehen lassen. Davor bleiben die Kröten einfach hilflos sitzen. Ein Gang daran entlang bringt nachts fette Beute. “Ich kann oft 70 bis 80 Kröten einsammeln“, sagt Sawyer, während er eine Krötenfalle inspiziert. Die Falle besteht aus einem großen Drahtkäfig, in dem eine mit Solarstrom aufgeladene Batterie nachts Licht produziert. Das zieht Insekten und Kröten an. Die Tiere kriechen durch eine Gittertür und sitzen fest. “Sie kommen dann erst ins Tiefkühlfach und werden anschließend mit einem Schlag auf den Kopf getötet“, sagt Sawyer.

Die Krötenmisere haben Siedler verursacht, die die Tiere vor mehr als 70 Jahren zur Bekämpfung der Stockkäferplage in Zuckerrohrplantagen ins Land brachten. Doch fehlen in Australien die Parasiten, die die Tiere in Südamerika angreifen und töten. Lediglich Wasserratten und ein paar Schlangen wissen, wie die Kröten zu nehmen sind: von unten, mit Bissen in den Bauch, um an die Innereien zu kommen. Die Giftdrüsen sitzen nämlich nur oben auf der ledrigen Haut.

Der Vormarsch begann an der australischen Ostküste. Vor ein paar Jahren erreichten die Kröten Darwin. “Sie schaffen im Jahr 60 bis 70 Kilometer“, sagt Sawyer. Der Pädagoge, der neben dem Bürgermeisteramt noch eine Computerfirma leitet, hat seit mehr als 20 Jahren eine Schwäche für Frösche. Er gründete 1991 die Organisation “Frogwatch“, um deren Artenvielfalt, Lebensraum und Lebensweise zu dokumentieren. “Seinen“ Fröschen fressen die Kröten die Nahrung weg. “Einheimische Frösche legen 2000 Eier im Jahr, diese Kröten legen dagegen 35 000 zweimal im Jahr“, sagt er. Zum Glück im Unglück, sagt Sawyer, überleben von den Kröten-Kaulquappen höchstens zwei Prozent. “Wenn es anders wäre, würden wir hier inzwischen kniehoch durch Kröten waten“, sagt er.

Sawyer weiß, wie die Plage in Zaum zu halten ist. Die große Schwäche der Kröten ist ihr Wasserbedarf. Sie müssen alle paar Tage trinken. Wenn sie in der trockenen Jahreszeit endlich ein Wasserloch gefunden haben, bleiben sie in der Nähe sitzen. “Frogwatch“ hat einige Wasserlöcher eingezäunt - am Abend sitzen die Kröten dann zu hunderten dürstend am Zaun. Das Einsammeln ist ein Kinderspiel. “Innerhalb von vier, fünf Tagen kann man so praktisch die gesamte Population aus einer Gegend entfernen“, sagt der Bürgermeister. In Bridge Creek Station - rund 120 Kilometer südlich von Darwin - wurden so vor kurzem in einem 110 Quadratkilometer großen Areal 23 000 Kröten entfernt.

Sawyer hält ein besonders fettes Exemplar in einem Käfig in seinem Garten. Er nimmt es mit in Schulen und auf Veranstaltungen. Einen Namen hat die Krötendame nicht. “Wenn sie nicht so fett, eklig und hässlich wäre, wäre sie längst nicht mehr am Leben“, sagt er. “Sie hat nur einen Wert: als abschreckendes Beispiel.“

Christiane Oelrich, dpa

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