Afghanistan: Merkel spricht von "Krieg"

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Kundus - Die Bundeswehr hat ihren neunten Toten in Afghanistan in diesem Jahr zu beklagen: Kurz vor Merkels Truppenbesuch starb ein junger Hauptgefreiter. Die Kanzlerin spricht von “Krieg“ am Hindukusch.

Zum Auftakt ihres Truppenbesuchs in Nordafghanistan hat Merkel der Toten des Einsatzes gedacht. Begleitet von zu Guttenberg ging die Kanzlerin zum Ehrenhain im deutschen Feldlager in Kundus.

Unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen ist Merkel in Afghanistan eingetroffen. Sie besucht das Feldlager der Bundeswehr und wird außerdem noch begleitet von Generalinspekteur der Bundeswehr, Volker Wieker. Überschattet wird der Besuch vom Tod eines deutschen Soldaten, der kurz vor Merkels Besuch bei einem Unfall starb.

Ein Sprecher des Einsatzführungskommandos in Potsdam sagte, dass „keine Gefechtssituation“ vorgelegen habe. Der 21-Jährige wurde nach Bundeswehr-Angaben mit einer Schusswunde schwer verletzt in einem Außenposten in der Provinz Baghlan aufgefunden. Bei einer Notoperation starb der Hauptgefreite. Merkel und Guttenberg zeigten sich sichtlich berührt von der tragischen Nachricht.

Merkel spricht von „Krieg” in Afghanistan

„Wir haben hier nicht nur kriegsähnliche Zustände, sondern Sie sind in Kämpfe verwickelt, wie man sie im Krieg hat”, sagte Merkel am Samstag vor mehreren hundert Soldaten im Feldlager der Bundeswehr. „Das ist für uns eine völlig neue Erfahrung. Wir haben das sonst von unseren Eltern gehört im Zweiten Weltkrieg.” Das sei aber eine andere Situation gewesen, weil Deutschland damals Angreifer war.

Merkel zu Blitzbesuch in Kundus (Dezember 2010)

Es ist Merkels dritter Besuch in Afghanistan nach 2007 und 2009. Sie will sich ein persönliches Bild von dem Einsatz machen und selbst mit den Soldaten über ihre gefährliche Mission sprechen. 2010 kamen acht deutsche Soldaten bei Anschlägen und Gefechten in Afghanistan ums Leben – mehr als in je zuvor. Mit dem jüngsten Unfallopfer kostete der Einsatz am Hindukusch bisher 45 deutsche Soldaten das Leben. Von ihnen starben 27 bei Anschlägen und Gefechten.

Im Januar entscheidet der Bundestag über die erneute Verlängerung des Mandats für den Afghanistan-Einsatz. Es erlaubt die Stationierung von bis zu 5350 Soldaten. Derzeit sind rund 4700 dort. Die schwarz-gelbe Koalition ist um breite Unterstützung im Parlament bemüht, um den Soldaten und ihren Familien größtmöglichen politischen Rückhalt zu geben. Bei SPD und Grünen, in deren Regierungszeit der Einsatz Ende 2001 beschlossen wurde, werden die Zweifel immer größer. Die Linke hat bisher in allen Abstimmungen die Zustimmung verweigert. Die Mehrheit der Deutschen lehnt die Mission laut Umfragen ab.

Außenminister Guido Westerwelle hatte am Donnerstag im Bundestag in Aussicht gestellt, mit dem schrittweisen Abzug der Truppen – wie ursprünglich einmal geplant – Ende 2011 zu beginnen. Damit ging er einen Schritt auf die SPD zu, die dies fordert.

Truppenbesuch: Zu Guttenberg mit Ehefrau Stephanie in Afghanistan

Die Bundesregierung hatte am Montag einen „Fortschrittsbericht“ vorgelegt und darin den Abzugstermin offen gelassen. In dem 108-Seiten-Papier heißt es: „Im Zuge der Übergabe der Sicherheitsverantwortung beabsichtigt die Bundesregierung, einzelne nicht mehr benötigte Fähigkeiten – soweit die Lage dies erlaubt – ab Ende 2011/2012 zu reduzieren.“

Ziel der Bundesregierung ist, 2014 die Verantwortung für die Sicherheit an die afghanische Polizei und Armee abzugeben. Das ist auch der erklärte Wille von Afghanistans Präsident Hamid Karsai. Kritiker bezweifeln, dass Afghanistan bereits in vier Jahren in der Lage ist, selbst für seine Sicherheit zu sorgen.

Guttenberg war erst am Montag in den beiden deutschen Feldlager im nordafghanischen Kundus und Masar-i-Scharif. Er hatte seine Frau Stephanie und den Fernsehmoderator Johannes B. Kerner mitgenommen, was ihm von Opposition im Bundestag den Vorwurf der Selbstinszenierung eingetragen hatte. Es ist nun der achte Aufenthalt Guttenbergs seit seinem Amtsantritt als Minister im Herbst 2009.

dpa

Quelle: rosenheim24.de

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