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Zuhause im echten und falschen Großstadtrevier

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Die Hamburger Polizeibeamten Michael Much (l-r), Wolfgang Koellner und Thorsten Käufer posieren in Hamburg am Drehort der ARD-Fernsehserie "Großstadtrevier".

Hamburg - Echte Polizisten und Krimikommissare haben häufig nicht viel gemein: Zu unterschiedlich sind der graue Dienstalltag und die aufregend-inszenierte Jagd auf Verbrecher.

Doch manchmal kommen beide Welten auch zusammen, so wie beim ARD-Großstadtrevier. Nur wenige Kilometer liegen zwischen ihren beiden Revieren, dem Polizeikommissariat 25 und dem ARD-“Großstadtrevier“. Doch manchmal trennen diese beiden Reviere im Hamburger Stadtteil Bahrenfeld Welten; Welten, auf die keiner der drei Kommissare Michael Much, Thorsten Käufer und Wolfgang Koellner verzichten möchte - es gibt einfach zu viele schöne Erinnerungen, rührselige Momente und emotionale Erlebnisse, erzählen die hauptberuflichen Polizisten, die seit Jahren als Statisten in der Krimiserie tätig sind.

Kommissare beim Kultkrimi Tatort

Kommissare beim Kultkrimi Tatort

Tatort - die älteste Krimireihe im deutschen Fernsehen - begeistert auch nach knapp 40 Jahren noch die Zuschauer. © Bild: WDR
Tatort-Ermittler, Krimireihe, ARD
Diese Augen sind Kult: Seit Beginn der Krimireihe im Jahr 1970 wurde der Vorspann der Serie nicht verändert. © dpa
Tatort-Ermittler, Krimireihe, ARD
Er ist in jeder Tatortfolge dabei und trotzdem kennen ihn wohl die wenigsten: Horst Lettenmayer ist der Mann zu den bekannten Augen und Beinen aus dem Vorspann. 400 Mark soll er damals einmalig für seinen Auftritt bekommen haben. © dpa
Tatort-Ermittler, Krimireihe, ARD
Ulrike Folkerts verkörpert bereits seit 1989 die Ludwigshafener Tatort-Kommissarin Lena Odenthal. © dpa
Tatort-Ermittler, Krimireihe, ARD
An ihrer Seite ist seit 1996 auch ihr Kollege Mario Kopper (gespielt von Andreas Hoppe) auf Spurensuche. © dpa
Tatort-Ermittler, Krimireihe, ARD
Das Team Leitmayr und Batic kümmert sich um die Münchner Fälle. Miroslav Nemec (r.) ermittelt seit 1991 als Kommissar Ivo Batic neben Udo Wachtveitl als Franz Leitmayr. Wachtveitl wurde im Jahr 1990 zum Tatort gerufen. © dpa
Tatort-Ermittler, Krimireihe, ARD
Das bayerische Team hatte bekannte Vorgänger. Von 1972 bis 1981 ermittelte beispielsweise Gustl Bayrhammer als Hauptkommissar Veigl im Münchner Tatort. © dpa
Tatort-Ermittler, Krimireihe, ARD
In Berlin ermittelt Dominic Raacke seit 1990 als Hauptkommissar Till Ritter. Ihm zur Seite steht seit 2001 Felix Stark, gespielt von Boris Aljinovic. © dpa
Tatort-Ermittler, Krimireihe, ARD
Charlotte Lindholm, die Ermittlerin in Hannover verzichtet auf einen festen Kollegen. Maria Furtwängler spielt die souveräne Kommissarin seit 2001. © dpa
Gunther Witte gilt als Tatort-Erfinder. Von ihm stammt die Idee, die Krimireihe regional anzusetzen. Die einzelnen Rundfunkanstalten der ARD produzieren die Folgen des jeweiligen Ermittlerteams. Durch abwechselnden Kommissare wird für Abwechslung gesorgt, was zum Erfolg der Krimireihe beiträgt. © dpa
Tatort-Ermittler, Krimireihe, ARD
Klaus J. Behrendt nahm als Max Ballauf in Köln die Spurensuche erstmals im Jahr 1992 auf. Dietmar Bär kam als Kriminaloberkommissar 1997 zum Kölner Tatort hinzu. © dpa
Tatort-Ermittler, Krimireihe, ARD
Klaus J. Behrendt hatte übrigens 1989 in einer Nebenrolle schon seinen ersten Tatort-Auftritt in Duisburg. Dort ermittelte von 1981 bis 1991 Kommissar Schimanski (Götz George) und sein Kollege Thanner (Eberhard Feik). © dpa
Tatort-Ermittler, Krimireihe, ARD
Seit 1997 ist Sabine Postel als Inga Lürsen in Bremen auf Verbrecherjagd. Ihren Kollegen Stedefreund spielt Oliver Mommsen. © dpa
Seit März 2013 ermittelt Til Schweiger als Nick Tschiller in Hamburg. Er ist der Nachfolger von... © NDR
Tatort-Ermittler, Krimireihe, ARD
... Mehmet Kurtulus, der als Hauptkommissar Cenk Batu in Hamburg ermittelt hat. © dpa
Vor Kurtulus (von 2001 bis 2008) leitete Robert Atzhorn (r.) als Kommissar Jan Casstorff zusammen mit Tilo Prückner als Kommissar Holicek die Geschäfte in Hamburg. © dpa
Tatort-Ermittler, Krimireihe, ARD
Atzhorn und Prückner waren wiederum die Nachfolger der Hamburger Ermittler Stöver (Manfred Krug, l.) und Brockmöller (Charles Brauer). © dpa
Tatort-Ermittler, Krimireihe, ARD
Hauptkommissar Frank Thiel (Axel Prahl) hat sich aus Hamburg nach Münster versetzen lassen. Zusammen mit Rechtsmediziner Boerne (Jan Josef Liefers) geht er dort auf Spurensuche. © dpa
Tatort-Ermittler, Krimireihe, ARD
Ihm ist die Tatort-Titelmusik zu verdanken: Klaus Doldinger komponierte die Melodie im Jahr 1970. Seine bekanntesten Werke sind die Titelmusik zu „Das Boot“ und „Die unendliche Geschichte“. © dpa
Tatort-Ermittler, Krimireihe, ARD
Das Kieler Team bilden Axel Milberg als Kommisar Klaus Borowski und Sarah Brandt. © NDR
Tatort-Ermittler, Krimireihe, ARD
Simone Thomalla verkörpert seit 2008 im Tatort Leipzig Kommissarin Eva Saalfeld. Unterstützt wird sie von Andreas Keppler (gespielt von Martin Wuttke). © dpa
Tatort-Ermittler, Krimireihe, ARD
Vor Thomalla und Keppler kümmerten sich um die Leipziger Fälle Peter Sodann (l.) und Bernd Michael Lade als Hauptkommissare Ehrlicher und Kain. © dpa
In Saarbrücken ermitteln zur Zeit Jens Stellbrink (Devid Striesow) und Lisa Marx (Elisabeth Brück). Sie haben das Team... © dpa
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... Stefan Deininger (Gregor Weber, l.) und den bayerische Kommissar Franz Kappl (Maximilian Brückner) abgelöst. © dpa
Tatort-Ermittler, Krimireihe, ARD
Zuvor war Jochen Senf als Kommissar Palu in Saarbrücken auf Verbrecherjagd. © dpa
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Die Stuttgarter Fälle klären Richy Müller als Kommissar Thorsten Lannert und Felix Klare als Kommissar Sebastian Bootz. © dpa
Tatort-Ermittler, Krimireihe, ARD
Zuvor ermittelte Hauptkommissar Bienzle (Dietz Werner Steck) bei den Stuttgarter Tatorten. © dpa
Tatort-Ermittler, Krimireihe, ARD
Am Bodensee ermitteln Hauptkommissarin Klara Blum (Eva Mattes) und ihr Kollege Kai Perlmann (Sebastian Bezzel). © SWR/Schweigert
Tatort-Ermittler, Krimireihe, ARD
Um die österreichischen Fälle kümmert sich Chefinspektor Moritz Eisner (Harald Krassnitzer). © dpa
Weimar: Nora Tschirner und Christian Ulmen ermitteln in einer Art "Event"-Tatort nur einmal im Jahr. © dpa
Tatort-Ermittler, Krimireihe, ARD
In mehr als 700 Folgen ermittelten über 70 Ermittler. Manche kamen nicht über einen Fall hinaus, andere begleiten die Krimifans nun schon über Jahre hinweg. © dpa
Tatort-Ermittler, Krimireihe, ARD
Einige Kommissare und der Tatort-Erfinder waren anlässlich der 600. Folge im Jahr 2005 zu Gast in der Talkshow „Beckmann“. © dpa

So auch dieser Moment: Plötzlich stand die alte Dame in der Tür, mit Erdbeerkuchen in der Hand und Tränen in den Augen: “So nett sind noch nie Polizisten zu mir gewesen“, sagt sie - obwohl sie doch eigentlich schuld an einem kleinen Verkehrsunfall gewesen war. Das war dann aber keine Szene aus der Deutschen liebsten Polizeiserie “Großstadtrevier“, sondern schnöde Wirklichkeit.

Oberkommissar Michael Much rührt gedankenvoll in seiner Kaffeetasse: “Jeder von uns dreien kennt Hunderte von solchen Geschichten. Spannend. Lustig. Rührend. Aber noch nie hat einer der Drehbuchautoren uns danach ausgefragt.“ Kollege Thorsten Käufer, gleichfalls Oberkommissar, ergänzt lachend: “Da werden wir wohl doch noch mal selbst ein Drehbuch schreiben müssen.“ Und der dritte im Bunde, Kommissar Wolfgang Koellner, nickt dazu.

Echte Polizisten und Krimikommissare

Alle drei sind Polizisten, alle drei sind es aus Leidenschaft. “Ich habe nie etwas anderes werden wollen“, sagt Käufer. Schon gar nicht Schauspieler. Und doch sind sie es geworden. So ein bisschen. Denn fünf bis sechs Tage im Monat wechseln sie von ihrer echten Revierwache, dem Polizeikommissariat 25, in die “Großstadtrevier“-Kulisse über. Dort sieht man sie am Schreibtisch sitzen, Akten sortieren oder auch mal “Harry“ ermunternd zunicken. Gute Geister im Hintergrund. Keiner kennt sie. Aber ihre Gesichter sind jedem “Großstadtrevier“-Zuschauer vertraut.

Es war noch Jürgen Roland gewesen, der Erfinder der Dauerserie, der auf die Idee gekommen war, in den Klein-Rollen echte Polizisten einzusetzen - Käufer ist am längsten dabei, wohl über 20 Jahre. Aber auch die anderen beiden bringen es auf acht und zehn Jahre, und alle drei möchten von “ihrer“ Serie nicht lassen. “Das “Großstadtrevier“ ist für uns so was wie eine Art Zweit-Zuhause“, sagt Koellner. Kollege Käufer ergänzt: “Wenn ich mal länger nicht dabei war und höre, dass sie irgendwo dort draußen drehen, fahre ich schon mal hin und sehe nach, ob es denen auch gut geht.“

Kein Neid auf die Schauspieler

“Wie hart die arbeiten müssen! Und mancher Drehtag scheint kein Ende zu nehmen.“ Da ist der eigene Job mit fester Arbeitszeit und sicherer Altersversorgung nicht zu verachten. Und außerdem, sagt Koellner: “Was erlebt man als Polizist nicht alles! Jeder Tag ist irgendwie anders...“ Was nicht immer fürs Schauspielerleben gilt.

Hier wir Schauspieler. Dort wir Polizisten. Das gebe es am Set nicht: “Wir sind so was wie eine Familie.“ Da fällt auch schon mal ein Küsschen, eine Umarmung ab. Und Much bekommt einen träumerischen Blick, wenn er an die schöne Anja Nejarri zurückdenkt. Manchmal erbitten die Schauspieler auch einen Rat. Wie man sich denn als Polizist nun richtig verhält, wo ein Verhafteter, pardon, “ein vorläufig Festgenommener“ im Streifenwagen zu sitzen hat und so. Dennoch läuft nicht immer alles im Buchstabensinn ganz korrekt ab, dann sträuben sich bei den echten Polizisten schon mal die Nackenhaare. Aber zugleich lächeln sie gutmütig, denn: “Das ist eben Film. Der hat sein eigenes Gesetz.“

Die Realität findet jedenfalls draußen statt und bricht nur manchmal in die Filmwelt ein. Wenn zum Beispiel plötzlich ein echter Einsatz ansteht. Dann gilt: Aufnahme hin oder her - der eigentliche Beruf geht vor. ´

Schauspielerei als Freizeitbeschäftigung

Denn die Schauspielerei bleibt ihre (amtlich genehmigte) Freizeitbeschäftigung. Etwas Honorar gibt es dafür auch, “mehr ein Schmerzensgeld“, sagen die drei lachend. Der Spaß an der Sache zählt. Und der war besonders groß, als es zur 300. Jubiläumsfolge nach Bad Segeberg ging, in die Kulisse der Karl-May-Festspiel. Es sollte mal ein “Großstadtrevier“ ganz im Western-Stil geben, High Noon an der Reeperstreet, und die drei hatten diesmal richtige kleine Rollen bekommen, als Schmied, Barbier und Banker.

Die Zuschauer waren von diesem Westernausflug nicht allzu begeistert, umso mehr die Mitwirkenden. Und nun müssen schon mal alle fleißig singen üben. Weil ihnen Jan Fedder bereits angedroht hat: Die nächste Jubiläumsfolge machen wir als Musical. Und da darf dann kein Wort gesprochen werden. Die drei blicken sorgenvoll. Cop ist manchmal eben doch ein schwerer Beruf. Auch beim “Großstadtrevier“.

dpa

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