In Häftlingsuniform im Gerichtssaal

R. Kelly plädiert in Missbrauchsprozess auf nicht schuldig

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Jahrzehnte lang ein Idol - nun tief gefallen: Superstar R. Kelly steht am Pranger der Justiz.

US-Sänger R. Kelly (52/„I Believe I Can Fly“) hat nach Vorwürfen wegen sexuellen Missbrauchs in zehn Fällen vor Gericht auf nicht schuldig plädiert.

Update vom 25. Februar 2019:

Der R&B-Musiker erschien Medienberichten zufolge am Montag in Chicago in orangefarbener Häftlingsuniform im Gerichtssaal. Die besagten Fälle stammen aus den Jahren 1998 bis 2010 und drehen sich um vier Opfer. Drei der Opfer waren zum Zeitpunkt des mutmaßlichen Missbrauchs jünger als 17 Jahre.

Einige der Anklagepunkte gehen zurück auf ein Video, das Kelly beim Sex mit einem 14 Jahre alten Mädchen zeigen soll. Gefunden hatte es Anwalt Michael Avenatti, der zwei von Kellys mutmaßlichen Opfern vertritt. Avenatti war Berichten zufolge am Montag ebenfalls anwesend und kündigte auf Twitter an, ein zweites Beweis-Video zur Verfügung zu stellen. Er und sein Team hätten es bei „landesweiten Ermittlungen im Namen der Opfer“ gefunden. „Es muss Gerechtigkeit einkehren.“

Kelly wurde am Freitag festgenommen und verbrachte das Wochenende in einem Gefängnis in Chicago. Die Kaution wurde auf eine Million Dollar (880 000 Euro) festgesetzt. Kellys Anwalt Steve Greenberg sagte zu den Vorwürfen am Samstag, dass Kelly ein „Rockstar“ sei und „keinen nicht-einvernehmlichen Sex haben muss“.

Die ersten Vorwürfe gegen R. Kelly wurden vor 20 Jahren bekannt, verurteilt worden ist der dreifache Grammy-Gewinner bisher nicht. Neues Aufsehen erregten sie mit einer TV-Dokumentation Anfang Januar. Seitdem gab es mehrere Proteste gegen Konzerte Kellys, auch in Deutschland. Das zum Konzern Sony Music gehörende Label RCA beendete seine Zusammenarbeit mit Kelly Berichten zufolge.

Superstar R. Kelly: Gericht setzt hohe Kaution fest - Doch ein Detail sorgt für Entsetzen

Unser Artikel vom 23. Februar 2019:

Chicago - Üppige Kaution - geringe Auflagen? Im Verfahren gegen den US-Sänger R. Kelly wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen ist zwar einerseits eine Kaution von einer Million Dollar (umgerechnet rund 882.000 Euro) festgesetzt worden. Aber: Um auf freien Fuß zu kommen, muss der bekannte Musiker gerade mal ein Zehntel der Kautionssumme hinterlegen, wie Richter John Fitzgerald Lyke Jr. am Samstag bei der Anhörung in Chicago entschied. Außerdem müsse Sänger R. Kelly seinen Pass abgeben, wenn er aus der Haft frei kommen wolle.

Der Richter untersagte Kelly überdies jeglichen Kontakt zu Minderjährigen sowie zu allen mutmaßlichen Opfern und Zeugen in dem Verfahren. Die Staatsanwaltschaft legte während der Anhörung dar, dass DNA-Tests von Sperma-Spuren Kelly belasteten.

Der bekannte Musiker hatte sich wegen eines Haftbefehls am Freitag der Polizei in Chicago gestellt. Ihm wird schwerer sexueller Missbrauch von Minderjährigen in zehn Fällen zur Last gelegt. Nach Angaben von Staatsanwältin Kim Foxx stammen die Fälle aus den Jahren 1998 bis 2010 und betreffen vier Opfer, darunter drei Minderjährige zwischen 13 und 16 Jahren.

Kinderpornographie: R. Kelly im Jahr 2008 freigesprochen

Der 52-jährige R. Kelly sieht sich bereits seit Jahrzehnten mit dem Vorwurf konfrontiert, minderjährige Frauen missbraucht zu haben. 1994 heiratete er die damals 15-jährige R&B-Sängerin Aaliyah, deren Debüt-Album "Age Ain't Nothing But a Number" er produzierte. Später wurde ihre Ehe annulliert. 2001 kam Aaliyah bei einem Flugzeugabsturz ums Leben.

Kelly hatte sich wegen eines Haftbefehls am Freitag der Polizei in Chicago gestellt. Ihm wird schwerer sexueller Missbrauch von Minderjährigen in zehn Fällen zur Last gelegt.

Ein Jahr später wurde gegen Kelly Anklage wegen Kinderpornographie erhoben, doch wurde er im Jahr 2008 freigesprochen. Er blieb allen Vorwürfen zum Trotz erfolgreich. Doch seit einem explosiven Dokumentarfilm im Januar reißen die Enthüllungen nicht mehr ab. In der sechsstündigen Dokumentation des US-Senders "Lifetime" beschuldigten mehrere Frauen den Sänger, Sex mit Mädchen unter 16 Jahren gehabt zu haben.

Andere Zeugen versichern, der durch Hits wie "I Believe I Can Fly" bekannte Musiker habe Frauen wie Sexsklavinnen gehalten. Als Konsequenz kündigte das Plattenlabel RCA inzwischen die Zusammenarbeit mit Kelly auf. Nach Angaben des Opfer-Anwalts Michael Avenatti werden die neu aufgekommenen Anschuldigungen durch mindestens ein Video untermauert, das den Sänger beim Sex mit einer Minderjährigen zeigen soll. Kelly ließ alle Vorwürfe über seinen Anwalt Steve Greenberg zurückweisen. "Ich glaube, die Frauen lügen alle", sagte der Verteidiger.

Auch in Deutschland schlägt die Debatte hohe Wellen. Schließlich sind hierzulande für 2019 einige Konzerte des Sängers geplant. Vor einigen Wochen hatten Zehntausende Menschen mit ihrer Unterschrift ein geplantes Konzert in Sindelfingen bei Stuttgart verhindert.

AFP/PF/dpa

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