Nach Abdankung vor fünf Jahren

Spaniens Ex-König Juan Carlos zieht sich endgültig aus öffentlichem Leben zurück

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Juan Carlos (r.) mit Sohn Felipe (Archivbild).

Spaniens Ex-König Juan Carlos will sich fünf Jahre nach seiner Abdankung endgültig aus öffentlichem Leben zurückziehen.

Update vom 27. Mai 2019: Fünf Jahre nach seiner Abdankung will sich Spaniens ehemaliger König Juan Carlos vollständig aus dem öffentlichen Leben zurückziehen. "Ich denke, der Augenblick ist gekommen, eine neue Seite in meinem Leben aufzuschlagen und meinen Rückzug aus dem öffentlichen Leben zu vollenden", schrieb der 81-Jährige in einem am Montag veröffentlichten Brief an seinen Sohn, König Felipe VI. Als Termin nannte er den 2. Juni.

Juan Carlos hatte im Juni 2014 nach 39 Jahren auf dem Thron zugunsten seines Sohnes abgedankt, nahm aber auch nach seinem Rücktritt noch einige öffentliche Termine wahr. Lange Zeit war Juan Carlos wegen seiner Rolle beim Übergang Spaniens von der Diktatur zur Demokratie im Volk sehr beliebt. Doch eine Reihe von Skandalen um die Königsfamilie, darunter auch eine Luxusreise des Monarchen inmitten einer schweren Wirtschaftskrise des Landes, hatten seine letzten Jahre auf dem Thron überschattet.

Unsere Meldung vom 03. Juni 2014: Nach Abdankung von Juan Carlos: Übernimmt Felipe schon in zwei Wochen den Thron?

Madrid - Einen Tag nach der angekündigten Abdankung des spanischen Königs Juan Carlos hat die Madrider Regierung das Verfahren zu einer Ablösung des Monarchen eingeleitet. Ministerpräsident Mariano Rajoy rief für Dienstag sein Kabinett zu einer Sondersitzung zusammen, um den notwendigen Gesetzesentwurf zu einer Thronbesteigung von Kronprinz Felipe zu verabschieden.

Tausende demonstrieren für Abschaffung der Monarchie

Am Vorabend hatte Tausende Spanier den überraschenden Thronverzicht von Juan Carlos genutzt, um für eine Abschaffung der Monarchie zu demonstrieren. Allein in Madrid gingen rund 20 000 Monarchie-Gegner unter dem Motto „Monarchie, nein Danke“ auf die Straße. In Barcelona bezifferte die Polizei die Zahl der Demonstranten auf etwa 5000. Die Teilnehmer trugen Plakate mit Aufschriften wie „Borbones, a las elecciones“ (Borbonen, zu den Wahlen) oder „España mañana será republicana“ (Spanien wird morgen eine Republik sein).

Monarchie-Gegner hatten über soziale Netzwerke im Internet zu Demonstrationen in rund 50 Städten aufgerufen. Die Vereinte Linke sowie mehrere Parteien in Katalonien und im Baskenland verlangten ein Referendum über die Monarchie. Im Vergleich mit früheren Protesten gegen die Sparpolitik der Regierung war die Beteiligung an den Kundgebungen eher gering. Proteste gab es auch im Ausland, etwa in Berlin und Mexiko-Stadt.

In zwei Wochen könnte Felipe den Thron besteigen

Rajoy betonte am Dienstag, die große Mehrheit der Spanier sei für die Monarchie. Der sozialistische Oppositionsführer Alfredo Pérez Rubalcaba meinte, die Kundgebungen gehörten in einer Demokratie zur Normalität. Seine Partei werde trotz ihrer republikanischen Tradition den - in der Verfassung enthaltenen - Pakt zum Festhalten an der Monarchie nicht brechen.

Kronprinz Felipe könnte Medienberichten zufolge bereits in rund zwei Wochen den Thron besteigen. Für die Proklamierung im Parlament zeichne sich die Woche vom 16. bis 20. Juni ab, schrieb am Dienstag die Zeitung „El País“. Das Königshaus ging dagegen davon aus, dass der Thronwechsel in etwa drei bis sechs Wochen erfolgen könne. Der 46-Jährige wird die Regentschaft als Felipe VI. übernehmen.

Die Regierung wollte den Gesetzesentwurf zur Regelung der Ablösung des Königs noch am Dienstagabend dem Parlament vorlegen. Dort sollte das bislang fehlende Gesetz über eine Abdankung des Königs im Eilverfahren verabschiedet werden. Die dazu notwendige absolute Mehrheit gilt als gesichert, da allein die regierende Volkspartei (PP) über genügend Mandate verfügt. Auch die Sozialisten und kleinere Parteien dürften dafür stimmen.

Juan Carlos - der König, der Spanien die Demokratie brachte

Juan Carlos - der König, der Spanien die Demokratie brachte

Die spanische Presse würdigte am Dienstag die Entscheidung des Monarchen. „Der König dankt ab, um einen Anstoß zu den geforderten Reformen zu geben“, titelte die linksliberale Zeitung „El País“. Das rechtsliberale Konkurrenzblatt meinte: „Der Übergang zu Felipe VI. erfolgt inmitten einer institutionellen Krise.“

Juan Carlos hatte am Montag nach fast 40 Jahren überraschend seinen Verzicht auf den Thron erklärt. Der König ist seit 1975 Staatsoberhaupt und leitete nach der Franco-Diktatur (1939-1975) den Übergang zur Demokratie ein. Er hat seit langem gesundheitliche Probleme und musste mehrere Hüftoperationen über sich ergehen lassen. Außerdem hatte zuletzt eine Korruptionsaffäre dem Ruf des Palastes zugesetzt. Die Entscheidung zur Abdankung traf der König nach Medienberichten bereits im Januar.

dpa

Karte: Europas Königshäuser

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