Youngster Bichler dreht die Partie

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Schuss von Marco Vorbeck, der einen Treffer zum 1860-Sieg beisteuerte.

Rosenheim - Man wusste genau, bei wem man sich zu bedanken hatte. Als das Spiel zu Ende war, der TSV 1860 3:2 gewonnen hatte, stürzten sich alle auf den jungen Florian Bichler.

Der 19-Jährige hatte mit seinem Einsatz, seinem Durchsetzungsvermögen, auch seiner Kaltschnäuzigkeit eine verrückte Partie gedreht und die Gäste der SpVgg Bayern Hof ins Tal der Tränen gestürzt.

"Der Flo hat momentan einfach einen sensationellen Lauf", schüttelte Trainer Wolfgang Schellenberg den Kopf, erleichtert, dass ein verloren geglaubtes Spiel noch diese sensationelle Wende genommen hatte.

Es lief die 83. Minute im Duell des Spitzenreiters mit dem Vorletzten der Fußball-Bayernliga. Die Gäste führten mit 2:1, nicht ganz unverdient, schienen ihre Krise überwinden, nach drei Niederlagen in Folge endlich wieder drei Punkte einfahren zu können. Was nun den Torhüter Matthias Karnitzschky raus an die rechte Eckfahne gelockt hatte, wo er sich prompt den Ball von Florian Bichler abluchsen ließ, wird sein Geheimnis bleiben. Bichler löste sich von den verzweifelten Klammerversuchen des Keepers, zog in den Strafraum und spielte überlegt nach innen, wo Marco Vorbeck stand und nur noch einzuschieben brauchte. Es war der Ausgleich. Und nur zwei Minuten später zog dieser Teufelskerl Bichler wieder los, glänzend bedient von Julian Richter, einem weiteren Youngster, und verwandelte im Stile eines Routiniers.

Die Entstehung des 2:2-Ausgleichs: Florian Bichler luchste Hofs Keeper Matthias Karnitzschky den Ball ab.

Aschfahl im Gesicht, schwer mitgenommen von dieser Schlussphase, trauerte später Hofs Trainer Daniel Felgenhauer einem verpassten Befreiungsschlag nach: "Da führen wir 2:1, haben die Riesenchance zum 3:1 und stehen am Ende, tja, wegen eines Torwartfehlers, mit leeren Händen da." Sein Kollege Schellenberg wusste: "Heute hatten wir das Glück des Tabellenführers." So gleicht sich eben doch alles aus, vor zwei Wochen gegen Aindling waren es die Sechziger, die in letzter Minute geschlagen auf den Rasen gesunken waren, auf dem nun die Hofer lagen. Nur Karnitzschky stand, erstarrt zur Salzsäule, noch zehn Minuten nach dem Abpfiff in seinem Kasten. Er wusste, was er da verbockt hatte.

Sein Fehler war nur einer von vielen, allerdings der folgenreichste. Schon in der ersten Hälfte, als nach relativ ereignislosen 40 Minuten die Partie plötzlich Fahrt aufgenommen hatte, brachte ein grober Schnitzer die Gäste um ihre Pausenführung. Gerade hatte Neuzugang Harald Fleischer einen Freistoß aus halbrechter Position vehement ins Rosenheimer Netz gesetzt, da gab es auf der Gegenseite Elfmeter für die Sechziger. Einen harmlosen Ball wollte Arancino mit der Brust zu seinem Torhüter zurücklegen, erwischte den Ball aber mit dem Arm und den fälligen Strafstoß verwandelte Daniel Wimmer.

"Danach hatten wir unsere beste Phase", urteilte Schellenberg über den Beginn der zweiten 45 Minuten. Plötzlich aber kam ein langer Ball vor das Rosenheimer Tor, "da konnten wir schon vorher einige Male klären", so der Trainer. Bächer setzte sich geschickt gegen Haas durch und schob den Ball in die Maschen. "Danach haben wir den Faden verloren", lamentierte Schellenberg, der nun von der Seitenlinie aus kämpfte, mehrere Umstellungen vornahm, um zu retten, was noch zu retten ist. Bächer aber hätte nach einer Stunde auch den letzten kleinen Funken Hoffnung löschen können, schoss aus halbrechter Position über den Rosenheimer Kasten.

Haas, Vorbeck und Kokocinski hatten danach die Chance zum Ausgleich, doch die Wende kam erst, als niemand mehr noch einen Cent auf die Sechziger setzen wollte. Es waren die Minuten, als Florian Bichler zum Helden wurde und für Ex-Profi Felgenhauer eine Welt zusammenbrach: "Das muss ich erst mal sacken lassen." Kollege Schellenberg dagegen, der zuletzt immer wieder sein Team umbauen musste, freute sich über die Moral, die seine junge Truppe bewiesen hatte. Vielleicht auch über diese Chuzpe, mit der gerade die Jüngsten die verloren geglaubten Punkte retteten: "Es war ein sehr, sehr glücklicher Sieg." Und ein denkwürdiger.

TSV 1860 Rosenheim: Luginger, Martin (ab 80. Richter), Haas, Kokocinski, Gentes (ab 59. Schwinghammer), Pointvogel, Wimmer, Bichler, Tuncali, Einsiedler (ab 46. Birner), Vorbeck.

Schiedsrichter: Lassacher (Tamsweg/Österreich).

Zuschauer: 250.

Tore: 0:1 (42.) Fleischer, 1:1 (44., Handelfmeter) Wimmer, 1:2 (53.) Bächer, 2:2 (83.) Vorbeck, 3:2 (85.) Bichler.

hü/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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