Wasserburg stürmt ins Halbfinale

Erleichterung: Jessica Höötmann jubelt mit Fans. Foto Rieger

Wasserburg - Der TSV Wasserburg ist einfach unberechenbar. Durch einen klaren Sieg gegen Freiburg sind die Basketball-Damen ins Halbfinale gestürmt.

Mit einem deutlichen und verdienten 77:60- (34:31)-Sieg über die Eisvögel Freiburg hat der amtierende Titelträger zum zehnten Mal in Serie das Halbfinale um die deutsche Meisterschaft im Damen-Basketball erreicht!


Da trifft der Titelverteidiger überraschend auf die Halle Lions, die den Vorrundenzweiten Rhein-Main eliminiert haben. Das bedeutet, dass Wasserburg im Halbfinale sogar Heimvorteil hat. Die Best-of-three-Serie beginnt am nächsten Sonntag um 16 Uhr in der Badria-Halle.

Die Bilder nach der Schlusssirene sprechen Bände: Auf der einen Seite 650 begeisterte Wasserburger Fans, die ihr Team mit stehenden Ovationen feierten, glückliche Spielerinnen, die sich in den Armen lagen. Auf Freiburger Seite: Tränen und traurige Gesichter bei den Spielerinnen und den mitgereisten Fans. Vor allem bei Mirna Paunovic, die ihre großartige Karriere beenden wird und die in diesem Viertelfinale noch einmal alles in die Waagschale warf, was sie hat. Sie war stark am Korb (6/10), sie traf ihre Freiwürfe, sie verteidigte, sie kämpfte um Rebounds, sie war die auffälligste Spielerin beim Vizemeister (16 Punkte/7 Rebounds). Aber ihr fehlte, wie dem gesamten Gästeteam, das nötige Quäntchen Glück, um den Titelverteidiger zu besiegen. Paunovic, Yvonne Turner, Franziska Höre und Svenja Bruckhorst warfen zusammen 0/17 aus der Distanz. Sicher drehten sich manche Bälle erst im letzten Moment wieder aus dem Korb heraus, aber so ließ sich die erneut exzellente Zonenverteidigung des deutschen Meisters natürlich nicht knacken. "Es ist schade für Freiburg, weil sie eine tolle Saison gespielt haben, aber darauf konnten wir nun keine Rücksicht nehmen", meinte Coach Wanda Guyton anschließend. "Wir freuen uns riesig, dass wir im Halbfinale sind. Auch da haben wir eine Chance, auch wenn Halle einen Lauf und mit Tamara Tatham eine extrem starke Centerin hat. Aber uns wird schon etwas einfallen."


So wie Guyton und Hans Brei mit der Zonenverteidigung ein Mittel parat hatten, um Turner und Judie Lomax zu stoppen. Die pfeilschnelle, wendige und ballsichere Aufbauspielerin und der kräftige Power Forward des Vizemeisters kamen nur selten bis zum Korb durch. Immer wieder standen die in Blau und Weiß gewandeten Damen im Weg, schnitten Laufwege ab, machten Passoptionen zu. "Alle, jede Einzelne hat sich endlich dem Mannschaftserfolg untergeordnet. Alles, was wir seit Saisonbeginn predigen, ist endlich auf fruchtbaren Boden gefallen", ist Brei erleichtert. "Warum erst jetzt? Ich habe keine Ahnung."

Mit diesem Engagement, offensiv wie defensiv, konnte Wasserburg in der ersten Halbzeit sogar die eklatante Reboundschwäche ausgleichen. Freiburg hatte sieben Offensivrebounds mehr und dadurch entsprechend mehr Ballbesitz. "Diese zweiten und dritten Angriffschancen haben Freiburg im Spiel gehalten, sonst hätten wir uns schon vor der Pause absetzen können", bemängelte Guyton. "In der Halbzeit haben wir darauf hingewiesen, dass es so nicht geht und es wurde dann ja auch deutlich besser." Schon vor der Pause sahen die begeisterten Fans ein tolles Match mit unheimlich hohem Tempo, Kampf von beiden Seiten, das zudem angenehm unauffällig und souverän von zwei erfahrenen Unparteiischen geleitet wurde. Die Führung wechselte ständig, verschiedene Akteure drückten dem Match ihren Stempel auf: erste Rebecca Thoresen und Yvonne Turner, später Hicran Özen mit zwei Dreiern zum Beginn des zweiten Viertels, dann kam Paunovic in Fahrt ehe Krystal Vaughn und Brittainey Raven zusammen die letzten 13 Wasserburger Punkte vor der Pause machten.

Es dauerte bis Mitte des dritten Viertels, ehe sich der deutsche Meister dank eines technischen Fouls gegen Lomax etwas absetzen konnte. Die US-Amerikanerin hatte sich über ein nicht geahndetes Foul beschwert. Vaughn machte die Freiwürfe, den folgenden Angriff versenkte Jessica Höötmann zum 51:43 (25. Minute), der bis dahin höchsten Führung des Matches. Die Gastgeberinnen waren jetzt deutlich präsenter im Rebound und fanden in der Offensive immer wieder die freie Mitspielerin. Nach einem Dreier von Vaughn und einem Korbleger von Diana Pop unterbrach Gästecoach Harald Janson den Lauf des deutschen Meisters mit einer Auszeit (57:45/27.). Doch mit jeder gelungenen Aktion wuchs das Selbstvertrauen beim deutschen Meister, Katja Zberch griff sich zwei wichtige Offensivrebounds, Özen brachte Ruhe ins Spiel, nachdem Pop mit vier Fouls draußen saß.

Die Zwölf-Punkte-Führung (64:52) zu Beginn des Schlussabschnitts hatte lange Bestand, denn beide Teams verteidigten intensiv, dafür fehlten Kraft und Genauigkeit in der Offensive. Freiburg doppelte die ballführende Spielerin jetzt regelmäßig und forcierte so sechs Ballverluste allein im letzten Viertel. Die Gäste machten aber nichts daraus, denn selbst offene Würfe wollten nicht mehr rein und von der Dreierlinie schossen die Gäste 0/8 in den Schlussminuten. So sorgten Raven und Özen mit zwei Schnellangriffen zum 70:54 (34.) für die gefühlte Entscheidung. Der Dreier von Zberch (73:56/36.) war dann der endgültige Nackenschlag für die Gäste, die in den letzten Minuten mit hängenden Köpfen übers Feld schlichen. Das Match lief für den Meister so gut und alle Spielerinnen erledigten ihre Aufgaben, sodass die starke Vaughn (24 Punkte/10 Rebounds) in der zweiten Halbzeit sogar neun Minuten Pause bekam. "Es war einfach eine richtig starke Teamleistung", betonte Guyton nochmals. "Und jetzt freuen wir uns auf Halle."

Es spielten: Krystal Vaughn (24), Brittainey Raven (13), Rebecca Thoresen (10), Jessica Höötmann (8), Hicran Özen (8), Katja Zberch (8), Diana Pop (6), Mara Conley, Jezabel Ohanian, Sheena Moore, Mailis Pokk und Anja Sattler.

fd/Oberbayerisches Volksblatt

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