Wasserburg bleibt nur der vierte Rang

Sheena Moore verteidigt im Spiel gegen Satu Mare den Ball im Sprung.

Wasserburg - Der TSV Wasserburg wird weiter auf einen internationalen Titel warten müssen. Im Final Four der Central European Woman League (CEWL) reichte es für die Brei-Truppe nur zu Rang 4.

Im Halbfinale der Central European Woman League (CEWL) unterlag der deutsche Meister dem tschechischen Club Kara Trutnov mit 61:84 (29:39). Das Spiel um den dritten Rang ging dann gegen den rumänischen Verein CSM Satu Mare mit 86:87 (72:72, 37:46) verloren.


"Das nennt man Grenzen aufzeigen", meinte Hans Brei nach dem Halbfinale. "Wir waren heute in jedem individuellen Matchup unterlegen und das spiegelt sich eben im Ergebnis wieder. Nur sehr selten haben wir uns heute im Eins-gegen-Eins durchsetzen können und unsere Dreierquote spottet jeder Beschreibung. Wir waren immer eine gute Mannschaft von draußen, doch was im Moment los ist, ist mir ein Rätsel." Dabei war die Wasserburger Welt bis Mitte des zweiten Abschnitts noch in Ordnung. Die Gastgeberinnen führten 22:10 und hatten die gefährlichen Distanzschützen der Gäste im Griff. Aufbauspielerin Darina Misurová hatte keinen Punkt, keinen Assist, dafür einen Ballverlust auf dem Zettel stehen. Doch gegen die Wasserburger Zonenverteidigung wurden Misurová und Petra Zaplatová lehrbuchhaft freigespielt und versenkten die ersten Dreier - Trutnov war im Spiel und gab in der Folge richtig Gas. Das Umschalten von Defensivrebound auf Angriff geschah in Sekundenschnelle, alle fünf Spielerinnen waren im vollen Sprint unterwegs und überrannten Wasserburgs Abwehr. Bei 27:27 (19. Minute) war erstmals der Ausgleich da, was aber in der letzten Minute der ersten Halbzeit geschah, hatten die Wasserburger Fans wohl noch nie gesehen. 0:10 Punkte in einer Minute. Ein psychologischer Tiefschlag, von dem sich die Gastgeberinnen nicht mehr erholen sollten. Nach dem Wechsel setzte sich das Ganze fort: Schon nach 23 Minuten war das Halbfinale gelaufen, Trutnov führte 48:29 und spielte die Führung sicher nach Hause.

Positiv aus Wasserburger Sicht war sicher das Auftreten im ersten Viertel, als Sheena Moore acht Punkte am Korb machte, indem sie ihre Größenvorteile ausspielte und wiederholt gegen Misurová oder Komziková aufpostete. Doch nach dem ersten Viertel war das nicht mehr zu sehen. Und auch Brittainey Raven zeigte, dass sie mehr und mehr im Team integriert ist. 15 Punkte, sieben Rebounds, vier Assists und drei Ballgewinne ähneln der Leistung der schmerzlich vermissten Tiffany Porter-Talbert. Doch in Sachen Tempo, Schnelligkeit und Spiel ohne Ball war Wasserburg mit zunehmender Spieldauer chancenlos.


Doch der große Unterschied, der sich dann auch auf der Anzeigetafel bemerkbar machte, war die Treffsicherheit von jenseits der Dreierlinie: 1/15 zu 9/21. Acht Dreier sind 24 Punkte, ziemlich genau die Differenz in diesem Halbfinale. Bezeichnend, dass Anja Sattler, die Wasserburg vor elf Jahren als Kapitän in die erste Liga geführt hatte und heute noch als Stand-by-Spielerin fungiert, in der vorletzten Minute den einzigen, von den 500 Fans umjubelten Dreier für Wasserburg versenkte. Es spielten: Brittainey Raven (15 Punkte), Sheena Moore (10), Krystal Vaughn (9), Rebecca Thoresen (6), Diana Pop (6), Jessica Höötmann (4), Mara Conley (4), Mailis Pokk (3), Anja Sattler (3), Jezabel Ohanian (1), Hicran Özen und Katja Zberch.

Spiel um Rang drei

Dramatik pur! So lässt sich das Spiel um Platz drei in der Central European Woman League (CEWL) am schnellsten und einfachsten beschreiben. Der rumänische Vizemeister dominierte bis weit ins dritte Viertel, führte zwischenzeitlich mit 17 Punkten (37:54/23. Minute) und alles sah nach einer weiteren deutlichen Niederlage aus. Satu Mare spazierte durch die Zonenverteidigung der Gastgeberinnen und punktete immer wieder am Korb. Am Vortag hatte Trutnov noch die Deckungslücken aus der Distanz genutzt, gegen die Rumäninnen verlagerte sich die Problemzone an den Korb. Mit vielen schnellen, kurzen Pässen hebelte Satu Mare die Wasserburger Abwehr ein ums andere mal aus und brachte seine Spielerinnen in perfekte Positionen. Im zweiten Viertel machte allein Khadija Whittington fünf Korbleger, zwei davon mit Foul und Bonusfreiwurf. Auch Claudia Pop durfte dreimal unbehelligt einnetzen, zudem traf Amra Mehmedic drei Dreier. So wurde aus einem 18:18 nach dem ersten Viertel schnell ein zweistelliger Rückstand (26:38, 16.). Mitte des dritten Abschnitts war klar, es musste auf Wasserburger Seite etwas passieren. Wanda Guyton und Hans Brei stellten von Zonen- auf Mannverteidigung um - und das Match nahm eine Wende.

"Die Zone will heuer einfach nicht funktionieren, das Team fühlt sich mit der Mannverteidigung wohler, das wurde an diesem Wochenende deutlich", resümierte Brei. "Viel wichtiger ist aber: sie kämpfen, sie beißen, sie wollen gut und erfolgreich Basketball spielen. Das macht Hoffnung für den Rest der Saison." Höötmann leitete mit einem Dreier einen 16:2-Lauf bis zur Viertelpause ein, Wasserburg war wieder im Match - 53:56. Acht Punkte davon machte Vaughn in unmittelbarer Korbnähe, den Rest besorgte Brittainey Raven mit Zug zum Korb. Die neu entdeckte Stärke in der Mannverteidigung war zu Beginn des Schlussabschnitts kurz wieder verflogen, als Satu Mare die ersten drei Angriffe traf, Wasserburg aber nicht einmal freie Korbleger machte. Nach einem Dreier von Hicran Özen und einem energischen Antritt von Raven war der deutsche Meister wieder dran. Raven glich dann zum 66:66 aus, die 400 Fans tobten. Zwölf Sekunden vor Ende warf Satu Mare bei 70:72 den Ball ins Aus, die Chance für Wasserburg zum Ausgleich. Raven wurde beim Korbleger gefoult, doch die US-Amerikanerin vergab beide Freiwürfe, noch drei Sekunden und Einwurf Satu Mare. Erneut beförderten die Gäste den Ball unnötig ins Aus. Wasserburg machte es dann bei eigenem Einwurf besser, gab die Kugel in die Hände von Vaughn, die aus der Mitteldistanz zum Ausgleich versenkte - Verlängerung!

Bis zum 80:80 (44.) war alles offen. Mehmedic brachte die Gäste in Führung, Raven konterte von der Dreierlinie (83:82/45.), doch Mehmedic tat's ihr gleich zum 83:85. Als Raven verschoss, sicherte sich Monica Ivan den Rebound, wurde gefoult und traf beide Freiwürfe zur Entscheidung. Der Dreier von Sheena Moore mit der Schlusssirene war bedeutungslos.

Schon am Dienstag gehts für den deutschen Meister in der Bundesliga weiter, um 19 Uhr empfängt Wasserburg die Chemcats Chemnitz. Da zählt nur ein Sieg, um im Rennen um die Play-off-Plätze den Anschluss zu halten. Es spielten: Krystal Vaughn (26 Punkte), Brittainey Raven (19), Jessica Höötmann (11), Rebecca Thoresen (10), Sheena Moore (7), Diana Pop (6), Hicran Özen (3), Jezabel Ohanian (2), Katja Zberch (2), Mara Conley, Mailis Pokk und Anja Sattler.

Die Ergebnisse

Halbfinale: ICIM Arad - CSM Satu Mare 72:62 (33:35), TSV Wasserburg - Kara Trutnov 61:84 (29:39).

Spiel um Platz 3: TSV Wasserburg - CSM Satu Mare 86:87 n.V. (72:72, 37:46).

Endspiel: ICIM Arad - Kara Trutnov 76:82 (43:33).

fd/Oberbayerisches Volksblatt

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