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Trainer im Exklusivinterview

Wimbledon-Sensation Jule Niemeier: Christopher Kas aus Kolbermoor verrät ihre Erfolgs-Geheimnisse

Jule Niemeier zog durch einen Sieg gegen Heather Watson in Wimbledon in das Viertelfinale ein und spielt am Dienstag gegen Tatjana Maria.
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Jule Niemeier zog durch einen Sieg gegen Heather Watson in Wimbledon in das Viertelfinale ein und spielt am Dienstag gegen Tatjana Maria.

Ein deutsch-deutsches Tennismatch im Viertelfinale von Wimbledon in der Damenkonkurrenz gab es zuletzt vor zehn Jahren. Am Dienstag ist es wieder so weit, wenn Jule Niemeier auf Tatjana Maria trifft. Ein Kolbermoorer hat daran auch seinen Anteil.

London/Kolbermoor – Deutsch-deutsches Tennis-Viertelfinale in der Damen-Konkurrenz von Wimbledon am Dienstag, 5. Juli, zwischen Jule Niemeier und Tatjana Maria – und mittendrin ist der ehemalige Trostberger Tennis-Profi und in Kolbermoor wohnende Christopher Kas. Er ist seit vier Monaten Trainer von Jule Niemeier und hat die hochtalentierte 22-Jährige bei ihrer ersten Wimbledon-Teilnahme bis ins Viertelfinale geführt.

Kas stand selbst im Wimbledon-Halbfinale

Elf Jahre, nachdem er selbst als Spieler im Doppel-Halbfinale von Wimbledon stand, und zehn Jahre, nachdem er bei dem Olympischen Spielen in London zusammen mit Sabine Lisicki nur knapp die Bronzemedaille verfehlte.

Ebenfalls vor zehn Jahren: Das letzte und bisher einzige deutsch-deutsche Duell in einem Viertelfinale in Wimbledon zwischen Sabine Lisicki und Angelique Kerber. „Das wusste ich nicht, aber meine Erfolge in Wimbledon sind bei Weitem nicht so hoch einzuschätzen wie das, was Jule aktuell abliefert“, erklärte der mittlerweile 42-jährige Kas, der sich nicht nur als Tennis-Trainer, sondern auch als TV-Tennisexperte einen Namen gemacht hat. Am Montag stand der immer positiv gestimmte Kolbermoorer der OVB-Sportredaktion kurz vor einer Trainingseinheit Niemeiers für ein Gespräch zur Verfügung.

Herr Kas, Sie standen selbst schon im Halbfinale von Wimbledon auf dem Center Court. Hilft diese Erfahrung in der Vorbereitung auch Ihrer Spielerin?

Christopher Kas : Zum Teil ja, aber viel mehr hilft mir in der Vorbereitung meine Erfahrung in den letzten Jahren als TV-Experte, als ich viele Grand-Slam-Turniere bis zum Schluss verfolgt und vorbereitet habe. Und ich weiß, dass sich die Atmosphäre in der zweiten Woche anders anfühlt. Die Erfahrungswerte, die ich als Coach und als TV-Experte gesammelt habe, überwiegen mit denen, die ich als Spieler kennenlernte. Ich war halt ,nur‘ ein Doppelspieler, aber ich weiß wie es sich anfühlt auf dem Platz eins oder dem Center Court zu spielen.

„Wir haben ein sensationelles Team“

Und da hat am Sonntag auch Jule Niemeier gespielt. War ihr cooler Auftritt für Sie die bisher größte Überraschung Ihrer Zusammenarbeit?

Kas: Bei Jule überrascht mich gar nichts. Aber im Ernst, das war beeindruckend, wie sie auf dem Center Court gespielt hat, nachdem vorher wegen der 100-Jahr-Feier sämtliche Größen des Tennissports dort aufgetreten sind, von Roger Federer bis hin zu Billie Jean King. Und dann vor knapp 15000 Zuschauer gegen eine Britin so zu spielen – das hat mich begeistert.

Was haben Sie denn in den letzten Monaten mit Jule Niemeier alles richtig gemacht? Dass sie Talent hat, weiß man – aber so ein Erfolg...

Kas: Zuerst einmal haben wir ein sensationelles Team und Umfeld. Dazu gehört natürlich auch ihre komplette Familie. Wir haben mit Florian Nowy einen tollen Physiotherapeuten, wir haben den Michael Geserer von der BeTennisBase in Regensburg dabei. Wir haben sehr viel Know-how am Start und, wie gesagt, ein Topteam drumherum. Dann bin ich dazugekommen und es hat von Beginn an ein Rad ins andere gegriffen. Ich habe eine Spielerin gesehen, die unglaublich viel Potenzial hat. Und Fakt ist: Jule wird erst in zwölf bis 18 Monaten anfangen, ihr bestes Tennis zu spielen. Alles was jetzt passiert, ist eine total spannende Reise, auf der wir keinen Druck verspüren. Was soll jetzt noch passieren? Sie hat die Nummer drei der Welt geschlagen, sie hat auf Court 1 gespielt, sie stand auf dem Center Court – und das gegen eine Britin.

Kurz vor dem Matchball (von rechts): Christopher Kas, Physiotherapeut Florian Nowy und Vater Michael Niemeier.

Was ist an Ihrer Zusammenarbeit so besonders?

Kas: Jule ist mit so viel Neugier und mit so viel Spaß dabei. Es ist alles neu für sie. Jule hat sich erstmals in Paris für ein Grand Slam Turnier qualifiziert, sie ist erstmals unter den Top 100 und sie hat erstmals ein WTA-Turnier gewonnen. Ich freue mich jeden Tag, mit ihr zusammenzuarbeiten zu dürfen. Ich habe ganz selten einen Sportler oder eine Sportlerin kennengerlernt, die in allen Bereichen so schnell lernt. Es macht so viel Spaß und es ist ein absolutes Privileg, mit ihr arbeiten zu dürfen.

„Sie wird nicht das letzte Mal im Wimbledon-Viertelfinale stehen“

Und dabei wirkt das von allen Seiten so locker, frech und trotzdem nicht überheblich.

Kas: Wir wollen das Ganze auch nicht höher hängen, als es ist. Jule wird nicht das letzte Mal in Wimbledon im Viertelfinale stehen. So viel Vertrauen haben wir in sie und deshalb sehen wir das alles komplett entspannt. Wir gehen Schritt für Schritt.

Christopher Kas (rechts) kurz nach dem Spiel mit dem Bernauer Maxi Wimmer von Niemeiers Schläger-Firma Head.

Bis ins Finale? Bis zum Wimbledon-Sieg?

Kas: Darüber wollen wir gar nicht reden. Jule hat so viele Möglichkeiten, und wenn sie acht von zehn Dingen richtig macht, ist das super und dann sind wir absolut konkurrenzfähig. Sie braucht über Fehler auch nicht lange nachzudenken, weil sie weiß, dass die nächsten acht Dinge wieder funktionieren. Das ist für mich ganz wichtig – diesen Stress und Druck rauszunehmen. Es gibt allerdings noch einige andere Spielerinnen, die weit besser da stehen als Jule. Dass wir uns gar nicht damit beschäftigen, wohin es gehen kann, zeigt, dass wir nach dem Achtelfinalsieg beide gar nicht wussten, welche Spielerinnen in unserer Hälfte des Tableaus noch dabei sind.

Die nächste Gegnerin kennen Sie aber ganz gut. Tatjana Maria, die mit dem für viele Spielerinnen so tückischen Vorhand Slice.

Kas: Zuerst einmal hat sich Jule für Tatjana Maria gefreut. Da haben wir noch gar nicht über ihr Match gesprochen. Das ist so eine nette Familie und wir freuen uns auf das Spiel. Es wird sicher ein hochinteressantes Match und super spannend für alle Tennisfans. Da stehen zwei Damen auf dem Platz, die ihren individuellen Stil spielen. Tatjana Maria hat nicht nur diesen Slice, sie hat Ballgefühl, eine tolle Beinarbeit und Jule hat ihre Fähigkeiten. Für das deutsche Tennis ist dieses Spiel sensationell.

Was sind denn die großen Qualitäten von ihr?

Kas: Sie hat einen fantastischen Aufschlag, einen druckvollen Return, sie hat sehr druckvolle Grundschläge, ein gutes Volleyspiel. Sie hat aber auch sogenannte Soft-Faktoren. Sie kann zum Beispiel das Spiel der Gegnerin unglaublich gut lesen, sie antizipiert Situationen sehr gut und sie hat eine hohe Spielintelligenz. Jule bringt unglaublich viele Qualitäten in vielen Bereichen mit.

Und was muss man sonst noch über Jule Niemeier wissen?

Kas: Sie ist eine begeisterte Fußball-Anhängerin, Fan von Borussia Dortmund. Mats Hummels hat sie jetzt in seiner Story erwähnt und der WM-Endspiel-Torschütze Mario Götze folgt ihr auf Instagram. Außerdem gehört sie jetzt in den Last-8-Club. In Wimbledon erhalten alle Viertelfinalisten im Einzel, alle Halbfinalisten im Doppel und die Finalisten im Mixed Zutritt und darüber hinaus in jedem Jahr ein Ground Ticket für die Anlage im Londoner Südwesten. In diesem Club bin ich übrigens auch dabei.

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