Am Tabellenende festgefroren

OVB
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Kapitän Fabian Wagner (links) ist fassungslos: "Was uns in der Mannschaft fehlt, ist ein Totmacher, jemand, der in kritischen Situationen Verantwortung übernimmt und die Wende herbeiführt." Foto je

Mühldorf - Verunsichert, unpräzise, fehleranfällig: Total von der Rolle präsentierten sich die Mühldorfer Regionalliga-Volleyballer gegen den TSV Nittenau.

Es sah dynamisch aus, kraftvoll, auf jeden Fall harmonisch, so wie man es sich von einem eingespielten Team erwartet - die Rede ist von den Fire Girls, die am Samstag in der zweiten Satzpause einen flotten Showtanz auf das Parkett in der Turnhalle der Mühldorfer Mittelschule zauberten. Dynamisch, harmonisch, eingespielt - alles Adjektive, die aber so gar nicht zum TSV Mühldorf passten. Verunsichert, unpräzise, fehleranfällig, ohne jegliche Durchschlagskraft: Total von der Rolle präsentierten sich die Mühldorfer Regionalliga-Volleyballer zum Auftakt der Rückrunde in der heimischen Halle gegen den TSV Nittenau, mit erst einem Sieg Tabellennachbar des bislang sieglosen Tabellenletzten aus Mühldorf, der Mühldorf mit 3:0 bezwang.


Das Drama begann schon in den ersten Spielminuten. 1:6 lautete der Rückstand schon nach kurzer Zeit - ein klassischer Fehlstart gegen die Gäste aus Nittenau in einer Partie, die über die folgenden drei Sätze keinen Schönheitspreis gewinnen sollte. Nittenau jedoch war insgesamt konsequenter, schlug stark auf, stellte den agileren Block. Und so reichte der Fünf-Punkte-Vorsprung, um diesen ersten Satz relativ sicher mit 25:20 nach Hause zu fahren.

Wenn denn die Mühldorfer eine Chance gehabt hätten, das Ding zu drehen, dann in Satz zwei, der bis zum 6:6 zunächst ausgeglichen verlief. Dann fassten sich die Mühldorfer ein Herz, gingen durch gute Angriffe und harte Aufschläge mit 13:9 in Führung. Doch symptomatisch, wie schon in der ganzen Saison, hörten die Mühldorfer dann auf zu spielen. Kein Druck mehr, kein Block mehr, die Mühldorfer wirken ausgepowert und müde. In allen Komponenten war der Wurm drin: Unpräzise Annahme, ungenaues Zuspiel und der fehlende Abschluss, weil die Mühldorfer mit erschreckend niedriger Sprunghöhe dem starken Block der Nittenauer nichts entgegen zu setzen hatten. Ein unrühmliches 18:25 war die Folge.


Wer glaubte, die Zehn-Minuten-Pause täte den Mühldorfer gut, der irrte sich. Außenangreifer Tobi Laszlio-Lehni schien mit zunehmender Dauer des Spiels ebenso überfordert, wie Diagonalspieler Severin Bienek, der zwischenzeitlich durch Thomas Lehel ersetzt wurde. Alex Lechner blieb ebenso total hinter den Erwartungen zurück wie Christoph Auer. Und auch Patrick Müller, der für den sich auf Reha befindlichen Trainer Günther Thomae das Coaching übernommen hatte, sah irgendwann ein, dass er über Mitte Lars Rommel den Vorzug geben sollte. Eine 2:0-Führung zu Beginn, das war es dann aber auch schon. Fortan war Nittenau im dritten Satz tonangebend, auch weil Mühldorf es nicht schaffte Aufschläge über das Netz zu bringen. Schon Mitte des dritten Satzes schienen die Mühldorfer resigniert zu haben, zumal der Punkterückstand dann schon fünf Punkte und mehr betragen hatte. Sporadisch erhielt Stefan Schmied nach seiner langen Verletzungspause noch einen Einsatz, als er bei 13:21 eingewechselt wurde. Das 18:25 und die damit verbundene zehnte Saisonniederlage Mühldorfs konnte aber auch er nicht verhindern.

Kopfschütteln, Niedergeschlagenheit, Wut und Enttäuschung war den Gesichtern der Mühldorfer abzulesen: "Wir haben so gut trainiert die Woche, es ist unerklärlich. Das ist wohl alles Kopfsache", suchte Tobi Laszlo-Lehni nach Erklärungen.

Jedenfalls haben es die Mühldorfer versäumt, sich vom Tabellenende loszueisen. Sie bleiben Letzter mit nun vier Punkten Rückstand auf den Vorletzten. Zwar würden die Mühldorfer damit dank der geplanten Einführung der dritten Liga nicht direkt absteigen, doch aufgrund der katastrophalen Leistung zeigte sich auch Zuspieler Fabian Wagner nicht gerade euphorisch, was die immer wahrscheinlicher werdende Teilnahme an der Relegationsrunde betrifft. Einziger Vorteil: Jetzt können die Mühldorfer befreit aufspielen, viel mehr können sie nicht mehr verlieren.

je/Mühldorfer Anzeiger

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