Wacker-Chef Wagner: "Sofortiger Wiederaufstieg nicht möglich"

"Stadt hält zu uns"

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Der Burghausener Unternehmer Hans-Peter Wagner hat im März Dr. Willi Kleine als Vorsitzender des Gesamtvereins beerbt.

Burghausen - Nach fünf Jahren 2. Fußball-Bundesliga und zwei Jahren Drittklassigkeit muss der SV Wacker Burghausen nach dem Abstieg in die 4. Liga (Regionalliga) künftig kleinere Brötchen backen.

Ein sofortiger Wiederaufstieg sei nicht geplant, das gehe aus finanziellen Gründen nicht, erklärte Hans-Peter Wagner. Der Burghauser Unternehmer hat im März Dr. Willi Kleine als Vorsitzender des Gesamtvereins beerbt. Wir sprachen mit dem neuen, starken Mann im Verein.

Wieso wird nicht der sofortige Wiederaufstieg in die 3. Liga angestrebt?

Das geht nicht. Wir haben ein schmales Budget. Deshalb lautet unser Ziel Mittelplatz in der Regionalliga. In der Saison 2009/2010 wird keiner hier im Verein an einen Wiederaufstieg denken können. Wir zählen aber auf unsere Jugendspieler.

Das heißt, Burghausen geht mit einer Jugendmannschaft in die neue Runde?

Natürlich nicht. Wir werden um einige charakterfeste Spieler aus der bisherigen Mannschaft eine Truppe formen. Wir versuchen Spieler wie Bonimeier, Buchner, Kresin, Matiasovits, Schmidt und Solga zu halten. Dazu stoßen dann Talente aus unserer U 19- und U 23-Mannschaft."

Wieso so bescheiden?

Weil wir finanziell stark abspecken müssen. Wir haben mit Sponsoren Gespräche geführt. Das macht unser Daniel Dicker. Er war trotz der vielen Probleme relativ erfolgreich. Wir werden bis in die neue Saison hinein neue Verträge akquirieren. Ich bin guter Dinge, dass wir unser Budget aufpolstern können.

Was macht der Trikotsponsor Fertigbau Haas?

Der steigt aus. Wir müssen uns hier einen neuen Partner suchen.

Wie hoch ist der Etat? In der 3. Liga lag er bei 3,5 Millionen. In der 2. Liga bei rund 7 Millionen Euro?

Er geht deutlich nach unten. Der Cash-Etat wird bei 1,3 Millionen Euro liegen, der Gesamtetat wird sich dementsprechend um die 1,7 Millionen bewegen.

Das heißt, auch langfristig wird die 3. Liga kein Thema in Burghausen sein.

Natürlich nicht. In zwei oder drei Jahren ist die 3. Liga möglich, und langfristig sicher auch die 2. Liga. Die sollten wir anpeilen, nur momentan ist sie kein Thema. Vergessen wir aber nicht, unsere U 17 ist eben in die Bundesliga aufgestiegen und die U 19 sollte den Versuch nächstes Jahr wagen.

Die Wacker-Chemie hat ihre Anteile von der Fußball GmbH zurückgegeben. Wie ist das zu bewerten?

Es war im letzten halben Jahr immer klar, dass der Konzern sich nicht weiter an einer Fußball-GmbH beteiligen will. Wir wussten, dass die Anteile an den SV Wacker e.V. zurückgegeben werden. Das ist in dieser Woche passiert. Inzwischen ist der SV Wacker e.V. der hundertprozentige Gesellschafter der Fußball GmbH. Aber die Wacker Chemie bleibt uns als Sponsor erhalten.

Was ist von der Stadt Burghausen zu erwarten?

Bürgermeister Hans Steindl wird uns nicht im Stich lassen. Das hat er bereits signalisiert. Er sieht natürlich die Problematik, aber er sieht, so wie ich, auch die Chance für einen Neuanfang. Es geht nur gemeinsam, alleine kann's keiner stemmen.

Wer wird die neue Mannschaft trainieren?

Wunschkandidat war Manfred Paula (er ist Trainer von Bayernligist TSV Aindling, Anm. d. Red.). Er hat uns in dieser Woche abgesagt. Wir bedauern, dass er nicht kommt, aber er wollte aus familiären Gründen nicht zwischen Aindling und Burghausen pendeln. Jetzt haben wir vier Kandidaten in der engeren Wahl. Alle sind aus der Umgebung von Burghausen.

Wäre der bisherige Coach, Ralf Santelli, nicht der richtige Mann gewesen?

Doch, aber er muss seine Fußball-Lehrerausbildung machen und stünde uns nur an drei Tagen in der Woche zur Verfügung. Da müssen wir uns nach einem anderen Mann umsehen.

Haben Sie eigentlich schon eruieren können, woran es heuer gehapert hat, warum die Liga nicht gehalten werden konnte?

Für mich war die fehlende Einstellung einer ganzen Menge von Spielern die Hauptursache. Wir haben ein paar charakterstarke Spieler, die wirklich professionell arbeiten. Leider haben sich die nicht in der Form durchsetzen können, wie es nötig gewesen wäre. Wir hatten das gleiche Szenario schon beim Abstieg aus der 2. Bundesliga. Ich hoffe, dass wir daraus gelernt haben und machen es jetzt in der Regionalliga besser.

Interview: Karl-Heinz Kas

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