Die Spielerfahrung siegte

OVB
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Fabian Wagner (rechts) in Aktion: Der neue Zuspieler findet sich gut in seiner Rolle zurecht, bediente selbstbewusst seine Spieler mit einem variablen Kombinationsspiel.

Coburg - 350 Kilometer Anreise - und dennoch fühlte sich Günther Thomae, Trainer der Mühldorfer Regionalliga-Volleyballer, fast wie zu Hause, als es zum Saisonauftakt gegen die VSG Coburg ging.

Denn viele Zuschauer aus dem nur 40 Kilometer entfernten Sonneberg, die ehemalige Wirkungsstätte von Thomae, saßen im Publikum, wollten ihren Trainer sehen und feuerten schließlich auch den TSV Mühldorf an.


Geholfen hat dies freilich gegen die geballte Volleyballfraktion aus Coburg, die einen Rang zwischen Platz eins und drei als Saisonziel auserkoren hatte, nichts. "Die Mannschaft verfügt über viel mehr Erfahrung, Spieler, die schon erste und zweite Liga gespielt haben und auch körperlich überlegen sind", analysierte Trainer Günther Thomae nach der 0:3-Niederlage (15:25/ 23:25/21:25).

Einen der gegnerischen Spieler kannte er besonders gut, entsprang doch VSG-Neuzugang Hans-Peter Nürnberger seiner eigenen Talentschmiede während seiner Zeit in Sonneberg.


Nürnberger und Co. machten es den Mühldorfern von Beginn an nicht leicht. Eingenommen von der Nervosität eines Liganeulings tasteten sich die Mühldorfer anfangs ab, während Coburg gleich munter loslegte und das Zepter in die Hand nahm. "Bis sich das Team auf Coburg eingestellt hatte war der Satz schon vorbei", fasst Thomae das 15:25 in Satz eins zusammen.

Doch selbst ohne seine Leistungsträger Simon Weichselgartner, den Thomae wegen Rückenbeschwerden erst gar nicht mit nach Coburg genommen hatte, und Stefan Schmid, der nach seinen Rückenproblemen noch Trainingsrückstand hat und schon nach dem ersten Satz herausgenommen wurde, verkauften sich die Mühldorfer in der Folge gut. Fabian Wagner attestiert Thomae ein hervorragendes Spiel, "die im Training geübten Angriffskombinationen setzte er sehr gut ein", so Thomae. Wenngleich er nicht verhehlt, dass die Coburger weiter ordentlich Druck gemacht haben. Gefährlichen Aufschlägen und einem starkem Block waren die Mühldorfer ausgesetzt, die im zweiten Satz das Spiel dennoch ausgeglichener gestalten konnten - auch weil Thomae mit dem Debütanten Leo Tille nun einen Spieler einsetzte, der selbstbewusst zu Werke ging und clever angriff. Das bessere Ende hatte jedoch auch hier, wenn auch nur knapp, die VSG Coburg (23:25). Gute Angriffe bescheinigte Thomae auch dem eingewechselten Tom Lehel, wenngleich er sagt: "Er muss sein Spiel noch variabler gestalten."

Vor 300 Zuschauern hatte in Satz drei Coburg dann aber Nägel mit Köpfen gemacht, als das Team nach einem sehenswerten Hin und Her einen Fünf-Punkte-Vorsprung herausgespielt (15:10) hat, der bis zum Ende hielt (25:21). Doch aufgegeben hat die Mühldorfer Mannschaft nie. "Den Kampfgeist, den das Team an den Tag gelegt hat - das war schön anzusehen", lobt Thomae die Einsatzbereitschaft seiner Jungs, die in der Feldabwehr gut gestanden war.

Eine entscheidende Kenntnis hat Thomae aus dem Spiel gezogen: "Wir haben Coburg dazu gebracht, dass sie alles abrufen mussten. Das ist ein gutes Zeichen." Seine Mannschaft befände sich auf einen guten Weg, auf dem es möglich sei, die Klasse zu halten.

Einziger Kritikpunkt: Die richtige Dosis an Risikobereitschaft. "Man muss den Gegner zu Fehlern zwingen. Das ist allerdings nicht möglich, wenn wir selbst den Aufschlag 20 Meter ins Aus donnern." 15 bis 20 vermeidbare Fehler habe er gezählt, die seiner noch sehr jungen Mannschaft unterlaufen seien. Diese ließen sich aber, so Thomae noch ausmerzen. Dann sehe er seine Mannschaft auch durchaus in der Lage, gegen die hochfavorisierten Coburger einen Satz zu gewinnen.

je/Mühldorfer Anzeiger

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