"Sowas möchte ich nie mehr erleben"

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Die Gedanken aller einheimischen Fußballer sind bei ihm: Günter Heberle, der im künstlichen Koma liegt.

Rosenheim/Kirchanschöring - Auch zwei Tage nach dem Drama auf dem Kirchanschöringer Fußballplatz kreisen die Gedanken bei den Spielern und Verantwortlichen des SB/DJK Rosenheim noch um Günter Heberle.

"Im Unterbewusstsein denkt man immer wieder an ihn und hofft, dass alles gut ausgeht", so Sportbund-Trainer Walter Werner. Wie berichtet war der 36-jährige Defensivstratege des SV Kirchanschöring beim Freundschaftsspiel zwischen dem Bezirksoberligisten und dem Rosenheimer Landesliga-Club nach 27 Minuten auf dem Platz zusammengebrochen und musste reanimiert werden. Derzeit befindet sich Heberle im künstlichen Koma.

Wie Kirchanschörings Pressesprecher Sepp Thanbichler berichtete, ist der Zustand Heberles (liegt im Traunsteiner Klinikum) derzeit stabil. In den kommenden Tagen soll die Aufwachphase eingeleitet werden. "Ich bin sicher, dass Günter wieder gesund wird", sagt Thanbichler. Eine Herzmuskelentzündung war der Auslöser des Zusammenbruchs, nur dank des schnellen Eingreifens mehrerer Helfer konnte Heberles Leben nach einem Herzstillstand gerettet werden.

SBR-Spieler Alexander Spreitzer reagierte schnell und goldrichtig.

Als einer der Ersten war Sportbund-Spieler Alexander Spreitzer bei Heberle. "Ich habe gleich gesehen, dass etwas nicht gestimmt hat", so Spreitzer, der seine Kenntnisse als Erste-Hilfe-Beauftragter in der Firma anwendete. Bei Heberle angekommen, habe er bemerkt, dass er die Zunge verschluckt hatte. Spreitzer spurtete zum Kirchanschöringer Verkaufsstand, holte einen Flaschenöffner, um den Mund des Patienten offen zu halten. So konnte man die Zunge wieder hervorholen. "Das war wichtig, dass er das schnell erkannt hatte", so SBR-Coach Werner. "Durch sein schnelles Handeln hat er Schlimmeres verhindert", meinte auch SVK-Pressesprecher Thanbichler, der auf der Homepage der Sportbund-Fußballer deshalb auch einen besonderen Dank an den Rosenheimer Spieler sendete.

Der Kirchanschöringer dankte speziell auch dem Sportbund-Trainer, der den Ersthelfer - ein früherer SVK-Fußballer - bei der Reanimation unterstützte und den Puls maß. "Der war mehrmals weg, ich hatte keinen Puls mehr gespürt", erzählt Werner, der die Helfer lobte. "Sie haben ihr Bestes gegeben, gut reagiert und bei diesem Schock-Ereignis die Ruhe bewahrt und das Richtige getan." In seiner langen Fußballer-Laufbahn ist Walter Werner noch nie in so eine Situation geraten. "Das war ziemlich heftig. So etwas möchte ich nie mehr erleben." Die Szenerie hat er auch zwei Tage danach noch immer vor Augen. "Im Unterbewusstsein sehe ich die Momente immer wieder vor mir. Die Herzmassage, das Eintreffen der Notärzte und den Defibrillator-Einsatz!"

Bei Kirchanschörings Trainer Robert Berg hält sich Werner über den Gesundheitszustand Heberles auf dem Laufenden. "Man kann ihm nur von ganzem Herzen alles Gute und eine vollständige Genesung wünschen", so der Rosenheimer Coach. Für beide Teams ist es schwer, wieder zur Tagesordnung zurückzukehren. "Das geht einem schon ganz schön nahe", bekennt Spreitzer. "Wir waren danach in der Kabine fix und fertig und sprachlos." Bei den Kirchanschöringer Spielern sind gar Tränen geflossen. Dennoch wollen beide Teams schnell wieder dem runden Leder hinterherjagen. Der SVK plant, das Halbfinale des Wieninger-Pokals am Mittwoch gegen den FC Traunstein zu bestreiten. Und der SBR spielt bereits heute Abend um 19 Uhr beim A-Klassisten ASV Großholzhausen.

tn/cs/Oberbayerisches Volksblatt

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