Dominic Reiter vom SC Ruhpolding

Kein Fußball-Weltmeister, aber bald Biathlon-Olympiasieger?

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+

Ruhpolding - "Wenn mir jemand diese Erfolge vor der Saison vorausgesagt hätte, dann hätte ich das sofort unterschrieben“, sagt Biathlet Dominic Reiter lachend. Der bald 21-Jährige hat die erstmals ausgetragene Gesamtwertung des IBU-Juniorscup und die dazugehörende Sprintwertung für sich entscheiden können.

Dazu kommen eine Silbermedaille bei der Europameisterschaft im Sprint und eine „Silberne“ mit der Staffel bei der Juniorenweltmeisterschaft für den Athleten vom SC Ruhpolding. Als Draufgabe holte er sich auch noch den deutschen Meistertitel im Einzel und in der Staffel. 

„Das habe ich nach den beiden letzten Jahren nicht für möglich gehalten“, freut sich Reiter und verweist auf seine vielen Verletzungen und Krankheiten, die ihn immer wieder aus der Bahn geworfen haben. „Manche Sachen haben auch im Kopf nicht gestimmt“, gibt er zu und sagt weiter, er sei froh, dass er den richtigen Schalter gefunden hat. Als seinen größten Erfolg bezeichnet der die Silbermedaille in der Staffel bei der Junioren-WM in Rumänien. „Das ist so eine harte WM aufgrund der Wettkämpfe und Bedingungen gewesen. 

Eigentlich Fußball-Karriere im Kopf 

Zuvor hat es mit dem vierten Platz im Einzel mit einer Medaille knapp nicht gereicht. Darum war die Erleichterung nach der Staffel ziemlich groß.“ Sehr stolz ist Dominic Reiter auch auf den Sieg in der Gesamtwertung des IBU-Juniorscup. In sämtlichen Rennen ist er in den Top10 gelandet. Väter des Erfolgs gibt es viele, deswegen will er hier auch keine Namen nennen. „Da gehören Trainer, Betreuer, Physio-Therapeuten und die Familie sowie Freundin dazu.“ 

Bei der Familie kommt die Rede unweigerlich auf seinen Vater Alois und seinen Onkel Ernst Reiter, alles erfolgreiche Biathleten. „Das hat bei meiner Sportkarriere keine Rolle gespielt, eigentlich wollte ich Fußballer werden. Über das Langlaufen bin ich erst später zum Biathlon gekommen“, erzählt er. Als Beweis zitiert er sein „Freundebuch“ aus der Grundschule. „Dort war mein erklärtes Ziel, Fußballweltmeister zu werden. Erst danach war der Wunsch Olympiasieger im Biathlon“, lacht er. 

Den Fußballweltmeister habe er später gestrichen, Olympiasieger ist aber nach wie vor das Ziel. Mittlerweile sucht Dominic Reiter den Rat seines Vaters. „Vorher habe ich mein Ding alleine durchgezogen. Erst jetzt frage ich den Papa öfters wie das damals in seiner Zeit gelaufen ist.“ Trotzdem sagt der angehende Bundespolizist, dass er im Rennen immer auf sich alleine gestellt ist. „Es schießt keiner für dich auf die Scheiben und es schiebt dich auch keiner den Berg hinauf.“ 

Pony-Reiten ist vorbei 

Sehr wohl fühlt er sich in der Ruhpoldinger Trainingsgruppe. Seit der Schülerzeit hat er dort seinen Freundeskreis. „Das ist wohl eines der Erfolgsgeheimnisse“, meint er. Zuletzt ist Kristian Mehringer für ihn als Trainer am Stützpunkt verantwortlich gewesen. Dieser hält viel von ihm. „Er ist ein sehr aufgeschlossener, hilfsbereiter und zielstrebiger Mensch. Bei ihm ist es nicht nur so, dass sich sein Trainer Gedanken muss, wie es seinen Sportlern geht. Auch er merkt es, wenn es einem als Trainer nicht so gut geht und so steht er mit seiner hilfsbereiten Art oft sehr nah gegenüber.“ 

Für die kommende Saison ist Mehringer zuversichtlich, dass sich Dominic Reiter auch im Seniorenbereich sehr gut entwickeln wird. „Wenn er so weiter macht, traue ich ihm einiges zu.“ Das weiß er aber auch selber. „Da zählt es wirklich, dann ist das "Pony-Reiten" vorbei. Bisher hatte ich es immer mit fast Gleichaltrigen zu tun, jetzt gibt es keine Altersgrenze mehr.“ 

Aufbauen kann er auf die vergangene Saison. „Da habe ich im Trainingsaufbau alles richtig gemacht und bin von Krankheiten und Verletzungen verschont geblieben.“ Vor allem die Schießleistungen gegen Ende der Saison waren die Grundlage für die Erfolge. „Ich habe im Training immer gut geschossen. Habe es aber nicht umsetzen können. Nun habe ich es aber hinbekommen.“ Für ein gutes Schießen sind tausende von Schuss notwendig und es heißt frech zu sein und etwas auszuprobieren. Fehler dürfen sich nicht einschleichen, tägliche Kontrolle ist notwendig. 

Momentan Ausbildung bei der Bundespolizei 

Dazu gehört auch der Austausch mit den etablierten Biathleten am Stützpunkt. So mancher Tipp kommt von Simon Schempp. „Er hat mir gesagt, nur wenn es beim Laufen immer weh tut, bist du gut unterwegs.“ Das will er in der neuen Saison auf alle Fälle sein. Zunächst steht aber die Ausbildung bei der Bundespolizei in Bad Endorf auf dem Programm. 

Während seine Kollegen im Urlaub Kraft tanken, muss Dominic Reiter büffeln. „Das gehört dazu“, meint er lachend und verrät auch gleich seine Ziele in der neuen Saison und das heißt: IBU-Cup. Irgendwann soll es in den Weltcup gehen, inklusive WM- und Olympiateilnahme. Schließlich ist das Ziel „Olympiasieger“ schon im „Freundebuch“ gestanden. „Ich habe mich zu einem Wettkampftyp entwickelt und immer noch meine Leistungen im Training im Wettkampf noch steigern können, das ist beruhigend“, meint er und fügt hinzu: „Selbstläufer wird es keiner.“ Eigentlich klar, vom Ponyreiten eine Stufe weiter ist auch nicht einfach. 

SJH

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Regionalsport

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser