1860 Rosenheim: Rezept heißt Gewinnen

Neuer Sechziger-Trainer: Matthias Pongratz.

Matthias Pongratz, 39 Jahre, ist neuer Trainer beim Fußball-Bayernligisten TSV 1860 Rosenheim. Zuvor trainierte er schon den TSV Buchbach in der Bayernliga und war zuletzt als Spielertrainer beim Kreisligisten SV/DJK Oberndorf aktiv.

Sie haben sich vor eineinhalb Jahren vom Trainerposten beim TSV Buchbach aus beruflichen Gründen zurückgezogen. Was hat Sie veranlasst, jetzt die schwierige Aufgabe beim TSV 1860 Rosenheim zu übernehmen?

Wegen meiner beruflichen Situation habe ich in den letzten beiden Jahren viele Angebote ausgeschlagen. Beruf und eine Trainertätigkeit in der Bayernliga sind tatsächlich auf Dauer schwer zu vereinbaren. Dennoch hat mich die Aufgabe, die mich beim TSV 1860 Rosenheim erwartet, gereizt. Auch wenn der Einstieg aufgrund der prekären Tabellensituation alles andere als leicht ist, stellt es für mich eine große Herausforderung dar, mit dem Traditionsclub 1860 Rosenheim den Klassenerhalt in der Bayernliga zu schaffen.
Was waren Ihre bisherigen Trainerstationen und wo waren Sie als Spieler aktiv?

Neben meinem Heimverein DJK SV Oberndorf spielte ich in Großhadern und beim TSV Ampfing in der Landesliga. Als Trainer hatte ich eine unvergessliche Zeit beim TSV Buchbach, die mit dem Aufstieg und einer erfolgreichen Saison in der Bayernliga verbunden war. Vorher und auch nachher war ich viele Jahre in Oberndorf als Spielertrainer tätig.
Sie bringen auch Ihren früheren Buchbacher Co-Trainer Michael Ostermaier mit nach Rosenheim. Was schätzen Sie an ihm besonders?
Zum einen sind wir hinsichtlich unserer Fußballphilosophie ganz auf einer Wellenlänge, so dass ich mit Michael einen idealen Ratgeber und Trainerkollegen habe. Zum anderen haben wir lange Jahre zusammengespielt. Dadurch verbindet uns auch abseits des Fußballplatzes eine enge Freundschaft.
Sie übernehmen mit 1860 Rosenheim eine Mannschaft, die von den letzten zwölf Spielen zehn verloren hat. Was gibt Ihnen die Hoffnung, dass der Abstieg vermieden werden kann?
Nach einem Trainerwechsel und nach der Winterpause werden die Karten neu gemischt. Jeder Spieler kann und muss sich neu beweisen. Wir werden in der Vorbereitung akribisch arbeiten und die Grundlagen für den Klassenerhalt schaffen.
Wie gut kennen Sie die Mannschaft?
Ich kenne viele Spieler noch aus meiner Zeit in Buchbach. Außerdem habe ich natürlich die Bayernliga und speziell das Abschneiden von 1860 Rosenheim mit Interesse verfolgt. Aber natürlich muss ich die Truppe jetzt noch genauer kennenlernen. Denn neben einer hohen fußballerischen Qualität brauche ich in dieser Situation vor allem Spieler mit Charakter und Leidenschaft.
Haben Sie ein Rezept, um den Negativlauf zu stoppen?
Ja - gewinnen!
Planen Sie taktische Änderungen?
Jeder Trainer hat seine Vorstellungen, von denen er sich den größtmöglichen Erfolg verspricht. Von daher wird es natürlich die eine oder andere taktische Veränderung geben. Allerdings ist eine passende Taktik in der Bayernliga ohnehin grundlegend. Viel wichtiger im Abstiegskampf wird es sein, dass jeder Spieler maximalen Willen, eine hohe Laufbereitschaft und viel Teamgeist mitbringt.
Werden Sie mit dem gesamten Herren-Kader arbeiten oder sich aus den vorhandenen Spielern ihren Bayernliga-Kader zusammensuchen?
Wir müssen uns jetzt auch im Training auf das Wesentliche konzentrieren. Deshalb werde ich mich frühzeitig auf einen Kader festlegen, der aus etwa 18 Feldspielern und zwei Torhütern besteht.
Können Sie sich auch ein Bild von der zweiten Mannschaft und den A-Junioren machen?
Wie gesagt: Meine Aufgabe ist es, den Klassenerhalt in der Bayernliga zu schaffen. Allein dadurch sind die Prioritäten klar abgesteckt. Dennoch werde ich im Austausch mit den verantwortlichen Trainern die vielen Talente im Auge behalten.
Werden Sie den Weg, den Wolfgang Schellenberg eingeschlagen hat, fortsetzen, also vor allem auf Spieler aus dem eigenen Nachwuchs zu bauen?
Natürlich muss es ein Ziel von 1860 Rosenheim sein, die Früchte aus der sehr guten Nachwuchsarbeit zu ernten. Aber ganz ehrlich: Im Moment brauche ich als verantwortlicher Trainer gestandene Bayernligaspieler, die auf dem Platz ihren Mann stehen und für uns dort die Kastanien aus dem Feuer holen. Ob diese Spieler alt oder jung sind, spielt dabei für mich keine Rolle.
Ihre Arbeit in Buchbach war von einer großen Euphorie getragen. Glauben Sie, dass man eine ähnliche Begeisterung annähernd auch in Rosenheim schüren kann?
Das Umfeld in Buchbach ist nur schwer zu toppen. Die Mannschaft und ich können allerdings einen Beitrag in dieser Richtung leisten. Entscheidend ist, dass die Fans gerne zu unseren Spielen kommen. Dafür muss man sympathisch auftreten und mit Herz Fußball spielen.
Zuletzt waren Sie noch Spielertrainer in Ihrem Heimatverein. Ziehen Sie sich nun völlig aus Oberndorf zurück?
Im Moment gilt meine volle Konzentration dem TSV 1860 Rosenheim. Ohne diese Verbundenheit und die Zustimmung seitens meines alten Vereins hätte ich das reizvolle Angebot aus Rosenheim wohl ausgeschlagen, denn es ist eigentlich nicht meine Art, mitten in der Saison einen Verein zu verlassen. Von daher versteht es sich von selbst, dass ich mich nie ganz aus Oberndorf zurückziehen werde.
Wie wird die Winter-Vorbereitung ablaufen?
Wir haben ein großes, gemeinsames Ziel vor Augen, nämlich den Klassenerhalt in der Bayernliga zu schaffen. Dafür sind eine gute Fitness, taktische Disziplin und ein guter Zusammenhalt nötig. Deshalb werden wir in der Vorbereitung sechs Wochen lang fast täglich trainieren.

Interview: Reinhard Hübner/Oberbayerisches Volksblatt

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