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Stehauffrau aus Töging will „Außergewöhnliches leisten“

Erst abgeschrieben, jetzt bei Olympia: Sprinterin Alexandra Burghardt will in Tokio eine Medaille

Eine gut gelaunte Alexandra Burghardt präsentiert ein Shirt der deutschen Olympia-Mannschaft bei der offiziellen Team-Einkleidung.
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Eine gut gelaunte Alexandra Burghardt präsentiert ein Shirt der deutschen Olympia-Mannschaft bei der offiziellen Team-Einkleidung.

Lange Verletzungspausen, ständige Schmerzen und die Verabschiedung der Sporthilfe im Dezember 2020. Doch Alexandra Burghardt hat sich zurück gekämpft, ihr Training umgestellt und letztendlich eine Bestzeit nach der anderen erzielt. Bei Olympia kann die 27-Jährige „Außergewöhnliches leisten“.

Töging/Tokio – Tokio 2020, das wäre für Alexandra Burghardt nichts gewesen. Vor einem Jahr war die gebürtige Mühldorferin noch nicht bereit für den großen Coup. Verletzungen, Unsicherheit, im Frühjahr noch eine Corona-Erkrankung, eingefangen im Trainingslager auf Teneriffa. Wegen Corona wurden die Olympischen Spiele dann aber verschoben – und für die nun 27-Jährige hatte sich eine neue Chance aufgetan. „Etwas Besseres konnte mir nicht passieren“, sagt Burghardt.

Denn die in Töging aufgewachsene Sprinterin konnte ihren Weg fortsetzen. Den Weg der Veränderung, den sie seit 2017 eingeleitet hatte. Und bei dem die Junioren-Europameisterin von 2011 mit der U20-Staffel auch die ein oder andere falsche Abzweigung genommen hatte. Nach ihrer Rückkehr aus Mannheim hatte sie verschiedene Trainingskonzepte für sich ausprobiert.

„Das war ein Schmarrn“

„Ich wusste nicht genau, was ich brauche. Im Sommer 2019 habe ich mich eine Zeit lang sogar selbst trainiert“, erzählt Burghardt dem Online-Portal „Leichtathletik.de“. Mit der Erkenntnis: „Das war ein Schmarrn.“

Hinzu kamen Verunsicherung und – wenn der Kopf nicht frei ist – Verletzungen. „Im Winter 2019 hatte ich auf einmal so krasse Rückenschmerzen, dass ich mir nicht mal mehr meine Socken anziehen konnte.“ Die Sprinterin änderte ihr Training, ging in die CrossFit-Box zu Trainer Dominic Bilic. „Nach zwei Wochen Bewegungstherapie konnte ich mich wieder bücken, zwei Wochen später wieder laufen, danach sprinten“, erzählt die 27-Jährige.

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Bilic war ein weiterer Mosaikstein fürs Durchstarten, das Mentalcoaching sowie das Leichtathletik-Training unter Patrick Saile gehörten bereits dazu. Und eine neue Gelassenheit: Die in Altötting lebende Sprinterin nimmt sich Zeit, um ihre Verletzungen auszukurieren und fit zu werden. „Ich laufe keinen Schritt mehr, bis alle Schmerzen weg sind. Wenn ich bereit bin, komme ich wieder“, sagt sie.

Von April bis September 2020 macht sie keinen einzigen Sprint. Die Knieschmerzen waren nach einer Blutegeltherapie weg, dafür schmerzten die CrossFit-Einheiten. „Die waren manchmal nur 30 Minuten lang, ich bin aber oft an meine Grenzen gekommen“, sagt Burghardt gegenüber „Leichtathletik.de“ – und verrät: „Einmal habe ich gesagt, dass ich das Training nicht schaffe. Dominic hat dann abgebrochen und ist gegangen. Danach war ich mega sauer auf mich. Später habe ich jede Einheit durchgezogen.“

Im Jahr 2017 gewann Alexandra Burghardt gemeinsam mit Lisa Mayer, Rebekka Haase und Tatjana Pinto (von links) die Goldmedaille bei den World Relays auf den Bahamas. In gleicher Besetzung lief die 4x100-Meter-Staffel aus Deutschland in diesem Jahr bereits eine Weltjahresbestzeit.

Der Ehrgeiz war geweckt, Burghardt war nicht mehr zu bremsen. „Ich habe das Laufen neu gelernt“, sagt sie. Nicht jeder glaubt an die Tögingerin: Im Dezember erhielt sie eine Einladung von der Sporthilfe – allerdings nicht zur weiteren Unterstützung, sondern zur Verabschiedung. „Die haben mich abgeschrieben“, stellte sie fest – und antwortet: „Ich habe ihnen mitgeteilt, dass ich noch Großes vorhabe.“

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Denn Burghardts Wandel lässt sich mit einem Formanstieg belegen. Im Trainingslager im türkischen Belek war sie „selbst erschrocken, weil ich ganz andere Leistungen erzielen konnte“. Und: „Ich habe gemerkt, dass ich mich anders bewege“, sagt Burghardt, auch technisch sei sie weitergekommen.

Plötzlich bessere Zeiten

Insofern war sie auch nicht überrascht, dass plötzlich im Wettkampf wieder verbesserte Zeiten heraussprangen. 11,29 und 11,25 Sekunden waren es in den ersten Bewerben in Mannheim und Weinheim, bei der Deutschen Meisterschaft in Braunschweig brachten ihr 11,14 Sekunden den Titel und die direkte Olympia-Qualifikation.

„Es hat sich durch Bestzeiten im Training schon angedeutet. Und ich habe auch im Kraftraum Bestleistungen aufgestellt. Deswegen ist es auch logisch gewesen, dass ich es mal im Wettkampf auf die Bahn bringe“, erklärt die Sportlerin der LG Gendorf Wacker Burghausen.

Selbstvertrauen folgt aus dem Trainingsfortschritt

Burghardt, die zu diesem Zeitpunkt nicht mehr im Sportkader geführt wurde und deshalb ihr Geld als Kindertrainerin sowie über eine Halbtagsstelle im Stadtmarketing in Burghausen verdient, zieht aus dem Trainingsfortschritt und den immer besseren Resultaten auch eine gesunde Portion Selbstvertrauen: In Braunschweig sei sie „noch nie so top vorbereitet“ an den Start gegangen.

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Und so passiert es eben auch nicht mehr, dass sie am Ende noch überholt wird. „Ich habe oft auf den ersten 60 Metern geführt und wurde dann noch eingeholt“, denkt sie zurück. „Ich habe fast schon darauf gewartet, dass noch jemand vorbeiläuft“, bekennt sie. Das passiert ihr nicht mehr. Bei der DM, sagt sie, „hatte ich zum ersten Mal tief in mir das Vertrauen, dass ich es tatsächlich schaffen kann“.

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Und das Vertrauen in die eigene Stärke hält bei der Tögingerin an: Ihre Bestzeit schraubte sie auf 11,01 Sekunden, womit sie zweitschnellste europäische Läuferin in diesem Jahr ist. Und in Tokio soll „die 11 vorne verschwinden“. Als Gast im ZDF-Sportstudio hat sie sich für den 100-Meter-Bewerb kein direktes Ziel gesetzt. „Ich will so weit wie möglich kommen und mich nicht selbst durch eine Zielsetzung limitieren“, meint die 27-Jährige.

Ein klares Ziel hat sie aber für ihren zweiten Bewerb, die 4x100 Meter mit der deutschen Staffel. Eine Medaille soll her. „Die ist seit Jahren überfällig“, verkündete Burghardt. Immerhin ist sie mit Lisa Mayer, Rebekka Haase und Tatjana Pinto bereits Weltjahresbestleistung gelaufen.

„Wir brauchen uns nicht zu verstecken!“

„Wir können Außergewöhnliches leisten“, meint die gebürtige Mühldorferin – und begründet dies: „Wir sind sehr gut aufgestellt und viele schnelle Einzelzeiten gelaufen. Uns zeichnet unsere gute Technik aus, deshalb können wir auch schnell wechseln. Wir brauchen uns nicht zu verstecken!“

Wenn Burghardt auf der Bahn in Tokio ihren ersten Sprint durchgezogen hat, dann darf sie sich auch als „richtige“ Olympionikin fühlen. Bei den Olympischen Spielen 2016 war sie zwar schon dabei, war aber nur Ersatzläuferin für die Staffel. „Das hat sich bei mir eingebrannt“, erklärt sie.

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„Es heißt ja oft, bei den Olympischen Spielen dabei zu sein, ist alles. Aber für mich war das schlimm. Ich war zwar da, habe aber die Bahn nicht mal zum Training betreten.“ Das ändert sich jetzt – wie so Vieles im Leben der Alexandra Burghardt in den letzten Jahren.

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