China will Konkurrenten

Herzlicher Empfang in Kolbermoor: Bürgermeister Peter Kloo beim Überreichen eines Stadt-Kruges an die chinesische Delegation, Hui Zhang von der Universität Shanghai (rechts) und Yunli Schreiner, ehemalige Nationalspielerin.
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Herzlicher Empfang in Kolbermoor: Bürgermeister Peter Kloo beim Überreichen eines Stadt-Kruges an die chinesische Delegation, Hui Zhang von der Universität Shanghai (rechts) und Yunli Schreiner, ehemalige Nationalspielerin.

Kolbermoor - Ein Tischtennis-Zentrum für bayerische Nachwuchsspieler soll nun in Kolbermoor ausgebaut werden. Künftig soll es möglichst Bundesstützpunkt werden - oder sogar noch mehr:

Auch der Chinesische Tischtennis-Verband hat seine Fühler in der Mangfallstadt ausgestreckt, er will in Europa ein Tischtennis-Trainingszentrum einrichten und war mit einer Delegation vor Ort.


Einen Namen hat sich Kolbermoor im Tischtennissport bereits gemacht: mit dem Aufstieg der ersten Damenmannschaft des SV-DJK in die 1. Bundesliga.

Das Athletenhaus des Bayerischen Tischtennisverbands in Kolbermoor, wo Kaderspieler und Trainingspartner aus China untergebracht sind.

Spitzensport wird in der Mangfallstadt jedoch nicht nur im Erwachsenenbereich betrieben: Auch auf den Nachwuchs wird großes Augenmerk gelegt - seit rund zwei Jahren sogar in einem speziellen Trainingszentrum, ein Athletenhaus für die bayerischen Nachwuchsspieler. Die Besonderheit: Die Buben und Mädchen aus ganz Bayern leben in dem umfunktionierten Einfamilienhaus, das der Bayerische Tischtennis-Verband wenige Meter von der Trainingsstätte Turnhalle Breitensteinstraße entfernt angemietet hat, werden dort versorgt und betreut - und trainingstechnisch entsprechend gefördert. Initiator des Projektes: der in Kolbermoor lebende bayerische Verbandstrainer Thomas Wetzel.

Um das Förderzentrum in der Mangfallstadt auszubauen, haben der Bayerische Tischtennis-Verband und der SV-DJK Kolbermoor nun große Pläne: Die Trainingsstätte soll zum Bundesstützpunkt benannt werden, der Antrag ist gestellt. Gleichzeitig ringt man um die Anerkennung von Tischtennis als Schwerpunktsportart beim Olympiastützpunkt München, was zusätzliche Fördergelder und damit die Finanzierung von weiteren Trainern bedeuten würde.

Das Vorgehen wurde jetzt in einer Spitzenrunde aus Sport und Politik diskutiert, in der der Präsident des Bayerischen Tischtennis-Verbands, Claus Wagner, die Vorzüge Kolbermoors herausstellte und die Politik, allen voran die ebenfalls anwesenden Abgeordneten Daniela Ludwig (MdB) und Annemarie Biechl (MdL) zur Unterstützung aufforderte, was diese gerne zusagten.

Keiner der aktuell vier Bundesstützpunkte im Tischtennis befände sich in Bayern, bedauerte Wagner, obwohl man mit dem größten Landesverband und hoffnungsvollem Nachwuchs - darunter die deutsche Vizemeisterin Sabine Winter und die Vize-Europameisterin bei den Schülern, Chantal Mantz aus Kolbermoor - aufwarten könne.

Die Trainingssituation in Kolbermoor beurteilte der Präsident als optimal, zahlreiche Spitzensportler wären vor Ort, zudem der Verbandstrainer und weitere hochkarätige Trainingspartner, von denen viele in dem Athletenhaus leben: "Nichts würde gegen einen Bundesstützpunkt sprechen", ist Wagner überzeugt, der zudem die gute Anbindung zu den weiterführenden Schulen in Bad Aibling und Rosenheim hervorhob.

Überdies bestünden Kontakte zum Deutschen Fußballinternat auf dem B&O-Gelände in Bad Aibling, das zum Schuljahresbeginn eine eigene Privatschule mit spezieller Sportförderung anbieten will und in das der bayerische Tischtennisnachwuchs als externe Schüler integriert werden könnte. "Die Nachwuchsspieler könnten weiterhin in unserem Athletenhaus leben und dort die Schule besuchen mit mehr Freiraum für Sport", sind Wagner und Verbandstrainer Wetzel angetan.

Doch nicht nur als Bundesstützpunkt ist Kolbermoor im Gespräch, auch der Chinesische Tischtennis-Verband hat Interesse an der Mangfallstadt bekundet: auf der Suche nach einem Standort für ein europäisches Tischtennis-Trainingszentrum. Damit will China, wo Tischtennis Volkssport Nummer 1 ist, Europa an das eigene Leistungsniveau heranführen - "es wird offenbar als ungünstig angesehen, wenn eine Nation den Sport komplett beherrscht, sie wollen durchaus gekitzelt werden, damit die Wettkämpfe wieder attraktiver werden", so Wagner.

Vorgesehen ist ein Trainingszentrum, in dem ausgewählte europäische Spieler von Trainern und Spitzensportlern aus dem "Reich der Mitte" den besonderen Schliff erhalten. Deutschland als Tischtennisnation Nummer 2 würde sich dabei nach Ansicht von Wagner anbieten - und allen voran Bayern und in diesem Zusammenhang Kolbermoor, weil dieses Projekt auch von der Universität Shanghai in Zusammenarbeit mit der TU München begleitet werden soll.

Eine Delegation aus China, darunter Xiao Zhang, Deputy Secretary General des Chinesischen Tischtennis-Verbands, und Hui Zhang von der Universität Shanghai (Vice Dean des Chinesischen Tischtennis-Colleges), überzeugten sich nun in den vergangenen Tagen von den Voraussetzungen vor Ort in Kolbermoor und zeigten sich zufrieden - nicht zuletzt auch nach einem Besuch in der Bayerischen Staatskanzlei, wo nach Angaben von Wagner eine chinesisch-bayerische Partnerschaft in Sachen Tischtennis ebenfalls sehr begrüßt würde.

Der Bayerische Tischtennis-Verband, der SV-DJK Kolbermoor mit Tischtennis-Spartenleiter Günther Lodes und die Vertreter des Chinesischen Verbandes wollen nun nach Möglichkeiten suchen, das Vorhaben, laut Wagner ein "zukunftsweisendes Modell", auf den Weg zu bringen. Interesse an einem chinesischen Trainingszentrum hätten zudem Luxemburg, Österreich und Heidelberg angemeldet, wobei Verbandstrainer Wetzel, der enge Kontakte nach China pflegt, gute Chancen für Kolbermoor sieht - "für chinesische Verhältnisse sind wir gewissermaßen ein Vorort von München", scherzt er.

Rosi Gantner/Mangfall-Bote

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