Viel Lob für das Buchbacher 1:1 gegen die U23 des FC Bayern sowohl sportlich wie auch organisatorisch

Analysen mit Scholli, Otti und dem Sepp

Die Buchbacher kämpften und zwangen die Bayern auch zu unfairen Mitteln: Christian Derflinger holt Maxi Hain von den Füßen. Links: Bastian Fischer. Foto s mb
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Die Buchbacher kämpften und zwangen die Bayern auch zu unfairen Mitteln: Christian Derflinger holt Maxi Hain von den Füßen. Links: Bastian Fischer.

Buchbach - Er war einer der ersten ganz großen Popstars der Fußball-Bundesliga, bei der EM in Polen und der Ukraine stach er unter all den Fernsehexperten durch ebenso witzige wie analytisch scharfe Kommentare hervor:

Nach dem 1:1 seiner U23 am Freitag beim TSV Buchbach hat es Mehmet Scholl zwar nicht die Sprache verschlagen, aber zur lockeren Plauderei war er nur bedingt aufgelegt.

Zu sehr hatten die Buchbacher seinen Bayern zugesetzt, sie an den Rand einer Niederlage gebracht. "Kompliment an die Buchbacher Spieler und die Zuschauer. Meiner Mannschaft ist es nicht gelungen unser normales Spiel zu machen", sagte Scholl, der die Leistungen beider Mannschaften auf den Punkt brachte: "Wir fahren heute mit der Erkenntnis nach Hause, dass Kampf und ein tolles Publikum uns große Probleme bereiten können."

Kein Foto mit Scholl

Der Versuch von Buchbachs Stadionsprecher Thomas Fökersperger, dem prominenten Gast mehr zu entlocken, scheiterte an der sympathischen Schlagfertigkeit Scholls, der den Spruch von Föckersperger, dass er im Fernsehen gesprächiger sei, augenzwinkernd konterte: "Wir sind hier nicht im Fernsehen und Du bist nicht Reinhold Beckmann."

Als der Europameister von 1996 nach herzlichem Shake Hands mit Buchbachs Trainer Anton Bobenstetter kurz vor Spielbeginn die Tartanbahn entlang der proppenvollen Haupttribüne abschritt, wurde er auf dem Weg zur Coaching-Zone mit großem Beifall begrüßt - einer wie Scholl verleiht einer sportlich hoch interessanten Liga natürlich einen Glamourfaktor, mit dem der hoch ambitionierte Trainer wohl oder übel leben muss.

Dem Wunsch nach Fotos mit Fans setzte er entschieden entgegen: "Seit Twitter und Facebook mache ich das gar nicht mehr." Nur allzu verständlich angesichts der netztechnischen Hitparade möglicher Peinlich- und Unmöglichkeiten, aber Scholl bot an: "Natürlich könnt Ihr mir gerne schreiben." Fast 25000 "Gefällt mir" hat seine Fanseite "Mehmet Scholl, Fußballgott."

Dass ihn Sportdirektor Matthias Sammer in der U 23 ein anders taktisches System spielen lässt, als es die Profis praktizieren, zeugt ganz offensichtlich auch von höchster Wertschätzung, wenngleich Scholl diesen Umstand eher lapidar auf die Formel reduzierte: "Ich muss mich nach dem Spielermaterial richten, das ich habe."

Der Bulle von Tölz in Buchbach: Ottfried Fischer (links) mit Buchbachs Vorstand Anton Maier.

Das ist zweifelsfrei hochkarätig für die Liga, dass Scholls System mit der Dreier-Sechs vor der Abwehr, das blitzschnell zur Raute wird, in Buchbach nicht zündete, war in erster Linie den aufopferungsvoll kämpfenden und taktisch cleveren Buchbachern geschuldet. Möglich ist dieses System wohl überhaupt nur, wenn man so schnelle Außenverteidiger wie Mitchell Weiser oder den zur Pause eingewechselten Fabian Hürzeler hat, der den Buchbacher Pfeil Stefan Lex nicht nur einmal einfach ablief. "Puh, war der schnell", stöhnte der beste Buchbacher Torschütze nach der Partie.

"Wir sind auf unsere Jungs super stolz", freute sich Buchbachs Trainer Sepp Kupper, der von "Amateursport auf höchstem Niveau bei äußerst schwierigen Bedingungen" sprach. Bei Nieselregen und aufgeweichtem Boden zwangen die Buchbacher Amateure die Jung- und Altprofis zu einer extrem engagierten Leistung im Defensivverbund.

Die Offensive der Bayern ging während der 90 Minuten hingegen komplett baden: Florian Gögl und Maximilian Hain ließen keinen einzigen Torschuss von Tobias Schweinsteiger und Bastian Fischer zu, Keeper Dominik Süßmaier musste keinen einzigen Ball halten - beim Gegentreffer durch Stefan Buck war er machtlos.

Mehr sagt Fischer nicht

"Ich hätte hier schon gerne gewonnen", meinte Buchbachs Kapitän Manuel Neubauer nach dem Spiel, dem Buchbacher Fußball-Volksfest tat das Unentschieden jedoch keinen Abbruch. Von allen Seiten wurden die Buchbacher zur perfekten Organisation und zum tollen sportlichen Auftritt beglückwünscht. Lobeshymnen, die die Verantwortlichen gerne an die ehrenamtlichen Helfer und die Spieler weiterreichten, aber gemäß dem Werbespruch von Ehrengast Ottfried Fischer nicht weiter ausmalten: "Mehr sog I ned."

mb/Oberbayerisches Volksblatt

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