Formel 1 in Monaco

Webber spöttelt über "Hündchen in Handtaschen"

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Mark Webber

Monte Carlo - Das Risiko und die Gefahr gehören bei der Formel 1 in Monaco dazu. Ebenso wie skurrile Gestalten und Protzerei. Das Rennfahren in den engen Straßen lieben die Piloten. Manch andres finden auch sie - zumindest - merkwürdig.

Für manch einen Formel-1-Piloten ist das typische Monaco-Flair eine Nummer zuviel. „Diese kleinen Hündchen in Handtaschen und so was sind echt nicht mein Ding“, sagte Vorjahressieger Mark Webber. Zweimal hat der geerdete Naturbursche aus dem australischen Queanbeyan den Klassiker der Formel 1 in seinem Red Bull schon gewonnen und sich wie alle anderen Fahrer in den Kurs verliebt: „Diese Rennstrecke ist außergewöhnlich.“

Es sei das „wichtigste Rennen der WM“, befand sogar Fernando Alonso, der ebenfalls schon zweimal im Fürstentum erfolgreich war. Der aktuelle Ferrari-Fahrer könnte nach seinen Siegen 2006 im Renault und 2007 im McLaren der erste Pilot sein, der in der langen Geschichte des Klassikers mit drei verschiedenen Teams in Monaco gewinnt.

Jede Runde auf dem 3,340 Kilometer langen Kurs ist wie eine Zeitreise in die Vergangenheit. Auslaufzonen wie auf den modernen neuen Strecken? Um Himmels willen, kein Platz. Wer einen Fehler macht, rollt nicht sanft im Kiesbett aus. Wer in Monaco nicht aufpasst, landet in den Leitplanken. „Ein gewisses Risiko fährt immer mit“, sagte Webbers-Stallrivale Sebastian Vettel, Sieger vor zwei Jahren in Monte Carlo. „Ganz entschärfen wird man es nicht können, soll man auch nicht, sonst würde es auch den Reiz verlieren“, betonte der Heppenheimer, nach dessen Ansicht dem Fahrer in Monte Carlo eine entscheidendere Bedeutung zukommt als auf anderen Strecken.

Bemerkenswert aber: In der hitzigen Reifendiskussion führte Vettel in Monte Carlo auch den Sicherheitsaspekt an. „Wenn du hier auf die Schikane zufliegst, dann geht dir ein Reifen kaputt - so etwas will doch niemand erleben“, sagte Vettel. Ansonsten wird die Gefahr unter der Dauerbelastung aber akzeptiert.

Zeit zum Ausruhen gibt es in Monaco nämlich nicht, ständig wird geschaltet, im Rennen warten über 1000 Kurven auf die Piloten. Unfälle sind fast vorprogrammiert, wenn 22 Rennwagen mit über 700 PS dort entlangrasen, wo sonst gut situierte (Wahl-)Monegassen mit ihren Luxuskarossen gemütlich cruisen. Beim Rennen in Monaco herrscht 80prozentige Safety-Car-Wahrscheinlichkeit: 14 Mal musste der Sicherheitswagen in den vergangenen zehn Jahren ausrücken. „Natürlich hofft man immer, dass nichts passiert“, sagte Vettel.

Action und „Sehenswürdigkeiten“ sind eh genug geboten. Die Kulisse für das beengte Fahrerlager im Hafen ist durchaus spektakulär. Neben der riesigen mobilen Red-Bull-Unterkunft ankern Schnellbote in Alu- oder Mahagoni-Optik. Die riesigen Luxus-Jachten dürfen auch nicht fehlen. Im Steuerparadies Monaco wird gezeigt, was man hat.

Auch manch ein Pilot lebt in Monte Carlo. Nico Rosberg von Mercedes wuchs dort sogar auf. Zum Fahrerlager kann der Heimschläfer wie Teamkollege Lewis Hamilton, die beide als Topkandidaten auf die Pole-Position gelten, mit dem Roller kommen. Aber auch Webber kann der Kulisse etwas abgewinnen. „Ich liebe das Meer, ich liebe die Felswände“, sagte der Australier. Wenn nur die Hündchen in den Handtaschen nicht wären.

dpa

 

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