Vor Monaco

Unruhige Zeiten für Vettel und Red Bull

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Sebastian Vettel

Nürnberg - Die Führung im WM-Klassement wackelt, die Rolle im Reifenstreit provoziert wachsende Kritik von verschiedenen Seiten: Vor dem Großen Preis von Monaco hat sich einiges geändert für Sebastian Vettel und Red Bull.

Sebastian Vettel braucht nicht viele Worte, um die Besonderheiten Monte Carlos zu skizzieren, eigentlich ist es ganz einfach. „Wenn du nur einen Moment nicht aufpasst“, sagt der Weltmeister, „dann endest du in der Leitplanke.“ Am Sonntag (14.00 Uhr/RTL und Sky) gastiert die Formel 1 zum Großen Preis von Monaco im Fürstentum, „das wird eine absolute Herausforderung“, sagt Vettel. In den kommenden Tagen gilt das in vielfacher Hinsicht für den Heppenheimer, denn nicht nur in den Häuserschluchten Monacos geht es derzeit eng zu.

Noch vor einem Monat nach Vettels souveränem Sieg beim Großen Preis von Bahrain sah vieles nach einem entspannten Frühsommer für den 25-Jährigen aus. Doch das Rennen in Barcelona und der schwelende Reifenstreit haben einiges verändert. In Spanien konnte Vettel das Tempo des siegreichen Fernando Alonso (Ferrari) und des zweitplatzierten Kimi Räikkönen (Lotus) nicht mitgehen, auf vier Punkte (89:85) schrumpfte seine Führung auf Räikkönen in der WM-Wertung zusammen, und auch Vizeweltmeister Alonso (72) ist wieder in Schlagdistanz. Der Vorsprung auf die Konkurrenz, das wurde deutlich, ist keineswegs so groß, wie zuvor angenommen - und die aktuellen Kräfteverhältnisse hängen stark von der jeweiligen Rennstrecke ab.

Umso wichtiger wäre daher ein Erfolg im Fürstentum, denn das, sagt Vettel aus gutem Grund, „ist eine meiner Lieblingsstrecken.“ Seit Jahren ist Monaco einer der Paradekurse von Red Bull, dreimal in Folge stellte man den Sieger. Das erhöht den Druck, zumal es gilt, die aktuelle Stärke im Qualifying auszuspielen - auf einer Strecke, die kaum Überholmöglichkeiten bietet.

Zudem werden die Reifen deutlich weniger beansprucht als etwa in Barcelona. Ein Vorteil für Red Bull, ein Nachteil für die großen Konkurrenten Lotus und Ferrari. Beide waren in Spanien deutlich besser zurechtgekommen, der Streit über die Pneus von Einheitshersteller Pirelli hatte daraufhin seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Vettel („Ein Griff ins Klo“) und Red-Bull-Besitzer Dietrich Mateschitz („Rennsport sieht anders aus“) verzichteten auf jegliche Diplomatie - und wurden von Pirelli mit der Ankündigung belohnt, bereits in Kanada (9. Juni) werde es neue Reifen geben.

Damit ist Vettel aber noch nicht zufrieden. Im Interview mit dem kicker sprach er sich für runderneuerte Pneus aus: „Es gibt nicht das Rezept, nur eine Zutat zu ändern. Es geht mehr ums Grundrezept, um den Aufbau. Hier muss man sich überlegen, was man besser machen kann.“

Die Stoßrichtung der Kritik hat sich jedoch inzwischen etwas verändert. Im Zentrum steht nicht mehr allein der Hersteller, im Zentrum steht mehr als zuvor auch Red Bull. Lotus echauffierte sich lautstark, und auch Ferrari warf dem Konkurrenten über seinen „Horse Whisperer“-Blog ein Messen mit zweierlei Maß vor. Hintergrund: 2011 hatte Red Bull in Spanien ein ganz ähnliches Rennen mit deutlich mehr Stopps als gewöhnlich gewonnen - Beschwerden über die Reifen gab es von ihrer Seite keine. „Es sind schwierige Zeiten für Menschen mit Erinnerungslücken“, schreibt die Scuderia daher.

Pirelli und die FIA wissen derweil um die Brisanz ihrer Entscheidung, sie wissen, dass sie Gefahr laufen, als Umfaller dazustehen. Im Gespräch mit Autosport beteuerte der Weltverband nun, die Veränderungen sollten so gering wie möglich ausfallen, es gehe lediglich um Sicherheitsaspekte.

Und auch Pirelli wehrt sich und stellt - ohne Namen zu nennen - die Rädelsführer im Reifenstreit an den Pranger. „Was sich geändert hat“, sagte Motorsport-Direktor Paul Hembery der Bild am Sonntag, „ist, dass gewisse Leute die Medien dazu benutzen, um einen individuellen Vorteil für sich herbeizumanipulieren.“ Der Ball liegt damit vorerst wieder aufseiten von Vettel und Red Bull. Ein entspannter Frühsommer sieht anders aus.

sid

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