Giro d‘Italia: Fahrer im Koma

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Pedro Horrillo liegt im künstlichen Koma.

Mailand - Es ist die grüne Hölle. Irgendwo dort unten im dichten Wald liegt Pedro, der Radfahrer. Auf alle Fälle verletzt, vielleicht tot – von hier oben aus kann das niemand sagen.

Hier auf der Bergstraße ist er gestürzt und dann 80 Meter tief in die Schlucht gefallen. Jetzt stehen Pedros Chef und sein Mechaniker an der rostigen Leitplanke und starren in den Abgrund. Pedro ist nicht zu sehen. Die Sekunden werden zu Minuten, die Minuten zur Ewigkeit.

Alle wissen: Das, was gerade eben passiert ist, ist der schlimmste Unfall im Profi-Radsport seit mehreren Jahren. Das Opfer: Pedro Horrillo (34), ein spanischer Fahrer in Diensten der Rabobank-Mannschaft. Er ist eigentlich ein erfahrener Profi – aber in dieser Kurve auf der achten Etappe des Giro d’Italia macht er einen verhängnisvollen Fehler.

Ausgerechnet hier, bei einer gefährlichen Abfahrt, verliert er die Kontrolle über sein Fahrrad. Er rutscht weg. Der Rest ist blanker Horror…

Die Retter brauchen über eine Viertelstunde, um sich durch das unwegsame Gelände nach unten zu kämpfen. Dort finden sie zunächst zwar Horrillos weißes Rennrad – aber nicht Horrillo selbst. Erst nach weiteren bangen Minuten kommt die erlösende Nachricht: Wir haben ihn gefunden. Und er lebt!

Tatsächlich hat Horrillo wohl unglaubliches Glück gehabt. Nach der Bergung, nach dem Heli-Flug in die Klinik von Bergamo und nach einer Nacht im künstlichen Koma geht es ihm angeblich verhältnismäßig gut.

Der Telegraaf berichtet, dass Horrillo Sonntag in der Früh aus der Bewusstlosigkeit erwacht ist. Er sei ansprechbar, könne Arme und Beine bewegen. Seine Frau ist bei ihm im Krankenhaus, auch Teamarzt ­Geert Leinders kümmert sich dort um seinen Fahrer. Horrillo hat die Fürsorge jetzt auch dringend nötig.

Trotz allen Glücks ist er nach seinem 80-Meter-Sturz natürlich schwer verletzt. Er hat sich nicht nur das Knie gebrochen, sondern auch mehrere Wirbel. Am Samstag war außerdem seine Lunge zusammengefallen – deshalb war er ins künstliche Koma versetzt worden.

Für die Kollegen war Horrillos Sturz ein Schock. Lance Armstrong meldete sich über die Internet-Plattform Twitter: „Wir beten für Pedro, das war ein schlimmer Sturz.“ Indirekte Auswirkung des Unfalls: Die Sonntags-Etappe wurde zwar gefahren, aber nicht gewertet. Die Profis, noch unter dem Eindruck des Horrillo-Crashs, hatten mit einem Boykott gedroht, weil sie die Strecke zu gefährlich fanden. Der Kompromiss: Alle fuhren im Bummeltempo.

dpa

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