Demontage für Schüttler in Paris - Beck weiter

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Rainer Schüttler blamierte sich bei den French Open bis auf die Knochen und schied mit 0:6, 0:6 und 4:6 aus.

Paris - Peinliches Debakel für Rainer Schüttler , überzeugende Demonstrationen von Philipp Kohlschreiber und Andreas Beck : Nach einer indiskutablen Vorstellung verabschiedete sich der 33 Jahre alte Schüttler nach einer 0:6, 0:6, 4:6-Pleite gegen den Franzosen Marc Gicquel in Runde eins von den French Open.

"Alles in allem war das katastrophal", sagte der Korbacher nach der 97-minütigen Demontage im Regen von Paris. Erfreulicher und erfrischender waren am Dienstag nach einer zweistündigen Regenpause die Auftritte des zehn Jahre jüngeren Beck und von World-Team-Cup-Kollege Kohlschreiber.

Der 25 Jahre alte Augsburger ließ dem australischen Teenager Bernard Tomic bei seinem überzeugenden 6:1, 6:2, 6:2 keine Chance und trifft beim zweiten Grand-Slam-Turnier des Jahres nun auf den Spanier Juan Carlos Ferrero oder Ivan Ljubicic aus Kroatien. Mit einem 7:6 (11:9), 6:4, 6:1 gegen den Spanier Ivan Navarro sicherte sich Beck bei seinem French-Open-Debüt einen Platz in Runde zwei. Der Gegner des Weltranglisten-61. aus Stuttgart heißt dann: Marc Gicquel .

Schüttler war als Ranglisten-29. und Nummer 27 der Setzliste als nominell bester deutscher Tennisprofi in das zweite Grand-Slam-Turnier des Jahres gestartet. Doch was sich am Dienstag auf dem Nebenplatz 3 abspielte, war eines Davis-Cup-Spielers und letztjährigen Wimbledon-Halbfinalisten unwürdig. Nach 25 Minuten ging der erste Satz mit der Höchststrafe dahin, eine Minute länger dauerte Durchgang zwei - das Ergebnis blieb das gleiche. Nachdem Schüttler mit 0:4 hinten lag, flüchteten beide Spieler erst einmal für zwei Stunden vor dem Regen in die Kabine - es änderte sich nichts.

Als Schüttler im ersten Spiel des dritten Durchgangs den Punkt zum 15:0 machte, krakeelte ein deutscher Scherzkeks auf der Tribüne: "Jetzt geht9s los." Doch es passierte wenig, immerhin entging der älteste deutsche Profi im Feld einer historischen Schlappe. Erst fünfmal überhaupt endete bei einem Grand-Slam-Turnier ein Match 0:6, 0:6, 0:6. Zuletzt gelang dieses "Kunststück" dem Franzosen Thierry Champion vor 16 Jahren bei den French Open mit der glattesten aller Zweitrunden-Niederlagen gegen den Spanier Sergi Bruguera.

Eine Stunde und acht Minuten waren gespielt, die Mütze war nach der ersten Regenpause in der Kabine geblieben, als Schüttler im dritten Spiel des dritten Satzes der erste Punkt zum 1:2 gelang. Jubelnd reckte er die Arme in die Höhe, nahm beim Seitenwechsel mit übereinandergeschlagenen Beinen auf seiner Bank Platz und ballte sogar die Faust - immerhin hatte er die Selbstironie nicht verloren.

Doch nach der achten Erstrunden-Niederlage in diesem Jahr und dem achten Erstrunden-Aus bei seiner zehnten French-Open-Teilnahme stellt sich mehr denn je die Frage, wie lange sich Schüttler die Hatz über die Ascheplätze dieser Welt noch antun will. 2009 ist für den mittlerweile 33-Jährigen wahrlich ein Pleitenjahr.

Zu den Turnier-Niederlagen kommen die drei missratenen Einzel-Auftritte beim World Team Cup in der vergangenen Woche und das verlorene Match gegen Stefan Koubek beim Davis Cup gegen Österreich Anfang März. Im Düsseldorfer Rochusclub kassierte Schüttler gegen den Schweden Robin Söderling sogar eine spöttisch "Brille" genannte historische 0:6, 0:6-Niederlage. "Ich weiß, dass auch wieder andere Tage kommen", sagte Schüttler jetzt. Weniger überraschend kam das Aus von Simon Greul. Der Reutlinger musste sich im Qualifikanten-Duell dem Rumänen Victor Crivoi mit 1:6, 6:7 (1:7), 2:6 geschlagen geben.

Von Wolfgang Müller, dpa

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