Auch Fußballer sollen betrogen haben 

Deutsche Sportler jahrzehntelang gedopt?

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Prominenter Dopingsünder, der erst kürzlich zugab, jahrelang verbotene Mittel eingeommen zu haben: Radrennfahrer Erik Zabel.

Berlin - Laut einer Studie der Berliner Humboldt-Universität wurden westdeutsche Fußballer und weitere Sportler jahrezehntelang systematisch gedopt. Gemäß einem Medienbericht wird die brisante Studie bisher unter Verschluss gehalten.

Wie die "Süddeustche Zeitung" berichtet, soll aus der bisher unveröffentlichten Universitätsstudie hervorgehen, dass Doping auch für westdeutsche Sportler zur Tagesordnung gehörte.

Wie es in dem Bericht heißt, sei die Veröffentlichung der Studie bisher wegen Datenschutz zurückgehalten worden. Es heißt, in dem 800 Seiten starken Papier mit dem Titel "Doping in Deutschland von 1950 bis heute" stünden zahlreiche Namen von Sportlern und Funktionären. Deshalb stehe der Datenschutz einer Veröffentlichung entgegen.

Der Einsatz leistungssteigernder Mittel sei in Westdeutschland über Jahrzehnte hinweg erforscht worden und die Mittel an Sportler wie auch deutsche Fußballer verabreicht worden.  

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Anabolika, Testosteron, Östrogen oder das Blutdopingmittel Epo haben angeblich zu den Substsanzen gehört, die westdeutschen Sportlern immer wieder verabreicht worden seien.

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Wegen den Datenschutz-rechtlichen Aspekten sei es auch nicht dazu gekommen, dass die Studie der Humboldt-Universität im Sportausschuss des Bundestages auf den Tisch kam. Fertig ist das 800-Seiten-Papier nämlich schon seit April dieses Jahres, heißt es.

Gedopte Fußball-Nationalspieler? 

Akteure alle Sportarten sollen von dem mutmaßlich größten Dooping-Skandal in Westdeutschland betroffen gewesen sein. Befürchtet wird jetzt auch, dass die Studie belegt, dass Fußballer der Deutschen Nationalmannschaft von 1954 (als Deutschland den Weltmeister-Titel gewann) und 1966 ebenfalls gedopt waren.

Spätestens seit Anfang der Siebziger-Jahre sollen Sportler systematisch gedopt worden seien, heißt es. Die Fäden der Aktionen liefen laut dem Bericht im 1970 gegründeten Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) zusammen.

Unter anderem bei den Olympischen Spielen 1976 in Montreal soll es zum massiven Einsatz von Dopingmitteln gekommen sein. Zudem habe es auch systematische Verabreichung verbotener Substanzen an Minderjährige gegeben.

Doping-System von der Politik gefördert

Ebenso schwer wiegen die Vorwürfe, dass die Politik den Einsatz von leistungssteigernden Mitteln nicht nur geduldet, sondern offenbar auch gefordert habe. Außerdem hätten staatliche Institutionen sowie der damalige Deutsche Sportbund (DSB) und das Nationale Olympische Komitee (NOK) versucht, die Enttarnung  gedopter Sportler zu verhindern.

Bereits am Dienstag hatten die Märkischen Oderzeitung und die Main-Post ein Dokument veröffentlicht, wonach es Anfang der 1970er Jahre auch in Westdeutschland mit Steuermitteln finanzierte Dopingforschung gegeben hat.

Nach den Berichten prüft die SPD-Fraktion im Bundestag die Einberufung einer Sondersitzung des Sportausschusses. „Die schlimmsten Befürchtungen sind eingetreten. Das ist mehr als je vermutet worden ist“, kommentierte Martin Gerster, sportpolitischer Sprecher der SPD, einen Bericht der Süddeutschen Zeitung vom Samstag.

„Es ist unglaublich, dass die Abgeordneten von diesen Erkenntnissen aus der Zeitung erfahren. Ich werde jetzt ausloten, ob noch eine Sitzung Anfang September möglich ist“, sagte Gerster. Nach dem Bericht der SZ verdichten sich die Hinweise darauf, dass es in der Bundesrepublik Deutschland spätestens seit Beginn der 70er Jahre ein systematisches, organisiertes und vom Staat finanziertes Doping-Programm gegeben haben soll.

Dies gehe aus der bislang unveröffentlichte Studie „Doping in Deutschland“ der Humboldt-Universität (HU) Berlin hervor, die der SZ in einer Version aus dem Jahr 2012 vorliegt. Eigentlich sollten die Ergebnisse der 2008 in Auftrag gegebenen Studie im Juni dem Sportausschuss vorgestellt werden, doch angeblich würden damals wie heute datenschutzrechtliche Gründe dies verhindern.

„Jetzt wird auch klar, warum Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich und die schwarz-gelbe Koalition verhindert haben, dass im Sportausschuss darüber dsikutiert wird“, sagte Gerster.

js/SID

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