Sportler greifen verstärkt zu Antidepressiva

Köln - Immer mehr Leistungssportler nehmen Antidepressiva. Die Zahl der Athleten, in deren Dopingproben diese Medikamente festgestellt wurden, hat sich von 2006 bis 2008 verdreifacht.

Das ist das Ergebnis einer Studie der Deutschen Sporthochschule Köln. “Wir haben in diesem Zeitraum einen auffälligen Anstieg festgestellt, der über der Gesamtbevölkerung liegt“, sagte Professor Wilhelm Schänzer, Leiter des Instituts für Biochemie, der dpa am Mittwoch. Insgesamt nahmen 73 von rund 11 500 Athleten Mittel gegen Depressionen. Dieser Anteil ist sechsmal so hoch wie noch 1999. Damals waren nur acht von etwa 7600 Sportlern betroffen.

Selbstmorde von Spitzensportlern

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Trotz dieser Ergebnisse ist noch unklar, ob der Trend zu Antidepressiva ein besonders ausgeprägtes Problemfeld für den Sport darstellt. “Dass Sportler unter ihrer außergewöhnlichen Belastung häufiger zu Antidepressiva greifen als der Rest der Bevölkerung, können wir noch nicht sagen“, sagte Schänzer. Hierzu müssten Daten in anderen Dopinglaboren erhoben und eventuell weitere Studien initiiert werden. Während die Verschreibung der Medikamente bundesweit in den vergangenen zehn Jahren stetig zunahm, stiegen die Antidepressiva- Funde im Sport erst seit 2006 sprunghaft an.

Nach den Erkenntnissen der Kölner Wissenschaftler sind gerade Athleten aus so genannten Ausdauersportarten von einem “erheblichen und regelmäßigen Gebrauch von Antidepressiva“ betroffen. Besonders Radfahrer trugen dazu bei, dass der Anteil in diesen Sportarten über die vergangenen zehn Jahren dreimal höher als in Teamsportarten war.

dpa

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