Der Sport half bei der Wiedervereinigung

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Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

Hamburg - Thomas Bach hat zum 20. Jahrestag des Mauerfalls die starke Wirkung des Sports bei der deutschen Vereinigung hervorgehoben, zugleich jedoch von einer verpassten Chance gesprochen.

“Ja, ich habe schon damals eine Fusion von Deutschem Sportbund und Nationalem Olympischen Komitee für sinnvoll gehalten“, sagte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur dpa. Bei dem außerordentlichen Gipfeltreffen des Sports mit Spitzenvertretern aus Politik und Wirtschaft hatte der drei Jahre zuvor in das Internationale Olympische Komitee (IOC) berufene Bach die “Bündelung aller Ressourcen des Sports“ gefordert, er müsse gegenüber seinen Partnern mit einer Stimme sprechen.

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Die Fusion von DSB und NOK zum DOSB wurde dann erst 2006 vollzogen. Ein erster Anlauf von DSB-Präsident Manfred von Richthofen war 1996 vor allem am Widerstand des damaligen NOK-Präsidenten Walther Tröger gescheitert. Die “verbindende Kraft des Sports“ habe dazu beigetragen, “dass die Vereinigung des Sports besser gelungen ist als in anderen Bereichen“, sagte Bach. Noch vor der Vereinigung am 3. Oktober 1990 hatte es im ersten Halbjahr über 10 000 Sportbegegnungen zwischen der Bundesrepublik und der DDR gegeben.

Die ersten gemeinsamen olympischen Auftritte 1992 in Albertville und Barcelonas hätten “ein schnelles Zeichen gesetzt. Sie hatten für das vereinte Land einen hohen Symbolwert und eine starke emotionale Kraft“. Nur “oberflächliche Erwartungen“ hätten davon ausgehen können, dass die Verschmelzung mit dem überaus starken Staatssport der DDR den vereinten deutschen Sport zur Nummer 1 in der Welt machen würde.

Bach bezeichnete die Stasi-Problematik im Sport als eine “fortwirkende Herausforderung, die für alle gesellschaftlichen Bereiche gilt“. Durch die Einsetzung von Kommissionen und das Überprüfen der Olympia-Teams durch die Berliner Behörde habe der Sport “Maßstäbe gesetzt“. Mit dem Auftrag an die Wissenschaft, die Doping-Vergangenheit des Sports in der Bundesrepublik und in der DDR aufzuklären, habe der DOSB schnell nach seiner Gründung ein Zeichen gesetzt. “Wir wollen durch den Forschungsauftrag auch wissen, was sind die Wurzeln für den Sportbetrug, wo gibt es, wie im Radsport, Systemzwang. Das Wissen ist Voraussetzung für Prävention.“

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Für Verwickelte in das DDR-Dopingsystem mahnte der DOSB-Präsident “Einzelfallgerechtigkeit“ an. “Es muss ein Leben in einer Diktatur gewürdigt werden, aber auch der Lebensweg der letzten 20 Jahre in einer Demokratie. Wer eine lebenslange Ausgrenzung fordert, der macht es sich viel zu leicht. Aber wir vergessen darüber nicht das Schicksal der Dopingopfer. Wir versuchen auch ihnen gerecht zu werden“, sagte Bach.

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