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Saubere Tour? "Da lach ich drüber!"

Werner Franke ist Doping-Experte
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Werner Franke ist Doping-Experte

Paris - Eine saubere Tour? “Da lach ich drüber!“, sagt Doping-Experte Werner Franke. Der Wissenschaftler stellt dem Radsport und vor allem dessen Weltverband ein Armutszeugnis aus.

Alberto Contador feierte seinen dritten Tour- Triumph, Alessandro Petacchi den Sieg in der Punktewertung und auch bei der UCI dürfte man sich zufrieden die Hände gerieben haben. Kein positiver Dopingbefund, und das schon im zweiten Jahr in Serie. “Da lach ich drüber!“, meint Doping-Experte Werner Franke und erhebt schwere Vorwürfe gegen den Weltverband, der für die Kontrollen der 197 Tour-Fahrer verantwortlich war. “Das ist ein Verband, bei dem Doping System hat. Das war so, ist so und wird immer so bleiben“, sagte der Molekularbiologe am Montag.

Doping: Die dümmsten Ausreden

Doping: Die merkwürdigsten Ausreden

Alberto Contador erklärte seine positive Doping-Probe mit verunreinigtem Essen. Er wurde daraufhin freigesprochen. Es ist nicht die erste merkwürdige Erklärung in der Geschichte des Dopings. © AP
Doping - die dümmsten Ausreden
Ex-Sprinter Dennis Mitchell nutzte seinen positiven Dopingbefund, um sich als Sexprotz zu outen. Das viele Testosteron komme von einer wilden Partynacht, in der er seine Frau verwöhnt habe. „Fünf Flaschen Bier und mindestens vier Mal Sex mit seiner Frau. Es war ihr Geburtstag. Die Lady hatte es verdient“, so lautete sein Statement. © Getty
Der Klassiker: Wer hat die Dopingmittel in Dieter Baumanns Zahnpastatube deponiert? © ots/dpa/Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Adrian Mutu: Der rumänische Fußballspieler sagte 2004 nach einer positiven Dopingprobe, er habe lediglich ein Mittel zur “Steigerung der sexuellen Leistungsfähigkeit“ genommen. Zuvor hatte er zugegeben, Kokain genommen zu haben, dieses Geständnis wenige Tage später jedoch widerrufen. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Die Lebensmittelvergiftung der anderen Art: Ex-Sprinter Linford Christie beteuert: „Ich habe nicht gedopt, ich habe nur Avocados gegessen!“ © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Die wohl abgefahrenste Ausrede für Blutdoping hatte Radsportler Tyler Hamilton: “Ich bin ein Mischwesen. Die fremden Zellen in meinem Körper werden von den Stammzellen meines vor der Geburt gestorbenen Zwillingsbruders produziert." © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Gefährliche Mitbringsel: Die aus Südamerika importierten Bonbons sollen mit Koks verseucht gewesen sein, meint Straßenrad-Star Gilberto Simoni. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Johann Mühlegg soll eine Spezial-Diät gemacht haben, wegen der in seinem Kreislauf eine EPO-ähnliche Substanz nachgewiesen wurde... © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Auf den Hund gekommen: Frank Vandenbroucke behauptete, als bei ihm Anabolika und EPO sichergestellt wurden, die Mittel seien für seinen asthmakranken Hund bestimmt gewesen. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Justin Gatlin gab einem Masseur die Schuld. Der soll ihn nämlich mit einer testosteronhaltigen Salbe bearbeitet haben. Es soll sich sogar um eine fiese Retourkutsche des Profikneters gehandelt haben, meint Gatlin. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Christian Henn, ehemals Radprofi, wollte eigentlich nur der eigenen Libido auf die Sprünge helfen. Ein Spezialtee wurde ihm zum Verhängnis. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Ex-T-Mobile-Fahrer Matthias Kessler nahm angeblich Präparate zu sich, auf denen chinesische Schriftzeichen standen. Nur doof, dass er kein Chinesisch kann. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Zu tief ins Glas geschaut und damit den Testosteronspiegel erhöht. Floyd Landis schiebt‘s auf den Whiskey © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Keiner war über einen positiven Dopingtest so verwundert wie Patrik Sinkewitz: "Ich? Das kann nicht sein", wunderte er sich. Und das ist noch nicht mal eine Ausrede... © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Martina Hingis, die Schweizer Version von Zahnpasta-Dieter Baumann: Jemand soll ihr Koks in den Fruchtsaft gemischt haben. Sieht ja auch aus wie Süßstoff... © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Ex-Radprofi Rolf Aldag gibt dem System die Schuld. Ohne EPO-Missbrauch hätte er im T-Mobile-Team keinen neuen Vertrag bekommen. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Erik Zabel sagte, er habe nur einmal EPO probiert. Die Substanz habe aber nicht mit seinem Körper und Geist harmoniert. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Jan Ullrich ließ sich in einer Disco Ecstacy andrehen. „Ulle“ schluckte die Tabletten, ohne sich dabei etwas gedacht haben zu wollen. “Ich war den Abend ziemlich mies drauf. Das waren zwei Tabletten, wo mir bestätigt wurde, (...) und dass das eigentlich harmloses Zeug ist.“ Wer ihm die Tabletten gab, sagte er nicht. “Zu den Tabletten kann ich gar nichts sagen, ich kenn' kein Ecstasy. Ich weiß nicht wie das aussieht. Ich bin um die Ecken gezogen und war in verschiedenen Läden. Ich möchte keinen Unschuldigen da mit reinziehen.“ © Getty
400-Meter-Olympiasieger LaShawn Merritt wurde nach positiven Dopingproben gesperrt. Die positiven Tests ließen sich mit der Einnahme eines frei erhältlichen Produkts zur Vergrößerung des männlichen Geschlechtsteils erklären, sagte sein Berater. © dpa
Claudia Pechstein: “Ich weiß nun, dass ich eine Blutmacke habe, aber nicht krank bin“, sagte die Eisschnellläuferin. Die Sportlerin war 2009 wegen auffälliger Blutwerte gesperrt worden. Später erklärten Ärzte, ein von ihrem Vater vererbter Gen-Defekt sei für die hohen Retikulozyten-Werte verantwortlich. © dpa
Ivonne Kraft: Den positiven Test auf das Asthma-Mittel Fenoterol erklärte die Mountainbikerin 2007 mit einer explodierten Sprühflasche. Ihre Mutter habe Asthma-Spray benutzen wollen, dann sei die Flasche explodiert und sie habe die Substanz offenbar eingeatmet. © Getty

Mit Contador stand ein Radprofi auf dem Siegertreppchen von Paris ganz oben, der schon vor Jahren in die Doping-Affäre um den Mediziner Eufemiano Fuentes verwickelt schien, ehe sein Name aus den Akten der spanischen Polizei verschwand. Auch auf Petacchis Erfolg liegt ein Schatten, war der Sprinter doch bereits wegen Dopings gesperrt. “Sie betrügen den Sport und den Rest der Welt“, meint Franke in Richtung UCI, die beide Athleten auch in diesem Jahr starten ließ.

Zumindest ein kleines positives Signal sieht Franke in Deutschland - wo 2011 kein Elite-Team mehr herkommen wird. “Gott sei Dank ist der Profiradsport in Deutschland ein bisschen im Eimer“, meint Franke. Die Chance für einen Neuanfang? Nicht unter dem Dach der Welt-Anti- Doping-Agentur WADA, so der Wissenschaftler. “Von der WADA ist seit dem Weggang von Richard Pound nichts mehr zu erwarten.“

Pound war bis 2007 Chef der WADA. Vor allem zu einem berühmten Fahrer hatte der Kanadier zuletzt eine deutliche Meinung: Der Fall Armstrong sei seit den Doping-Enthüllungen der “L'Équipe“ von 2005 mit dem erbrachten EPO-Nachweis von 1999 erledigt.

Mit gemischten Gefühlen blickt Franke auf die Ermittlungen gegen Armstrong in den USA. Der Texaner muss sich immer lauter werdenden Doping-Vorwürfen stellen, die von seinem ehemaligen Teamkollegen Floyd Landis publik gemacht worden waren. Landis spricht von systematischem Doping in Armstrongs ehemaligem Team US Postal, der Beschuldigte streitet alles ab. “Dabei gibt es für Landis schon lange den absoluten Beweis“, sagte Franke und verweist - wie Pound - auf die EPO-Enthüllungen von 2005.

Allzuviel erwarten will Franke von einem möglichen Prozess nicht, Vorbildcharakter für die gesamte Branche werde das Verfahren schon gar nicht haben. “Dennoch ist das alles endlich auf einem richtigen Weg“, meinte der Biologe. Vor allem auf einen Zeugen, der von Chefermittler Jeff Novitzky vor eine Grand Jury geladen worden war, ist Franke gespannt. “Wenn Tyler Hamilton aussagt, dann wackelt die Bude“, ist sich der Wissenschaftler sicher.

Ausgerechnet Hamilton, für Franke ein Musterbeispiel für die fehlende Konsequenz im Anti-Doping-Kampf. “Es ist überhaupt nicht einzusehen, wieso Hamilton seine olympische Goldmedaille von Athen noch behalten darf.“ Der sei zwar nicht in Athen des Dopings überführt worden, aber kurz danach. Genauso sehe es bei Jan Ullrich aus. “Das sollte denen genauso die Medaille kosten wie Marion Jones.“

dpa

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