Riesch: Kristall oder Gold?

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Maria Riesch (l.) und Lindsay Vonn.

Sestriere - Das Duell zwischen den Ski-Rennläuferinnen Maria Riesch und Lindsey Vonn um den Gesamtweltcup elektrisiert die Fans. Der wöchentliche Kampf um Siege und Punkte gefährdet allerdings ein noch höheres Ziel: Gold bei der WM.

„Ich denke oft an die WM“, sagt Maria Riesch. Die Doppel-Olympiasiegerin lebt zwar „grundsätzlich im Hier und Jetzt. Aber eine WM vor der eigenen Haustür, das ist etwas ganz Besonderes. Das ist bei mir im Hinterkopf immer präsent.“

Die Titelkämpfe in Garmisch-Partenkirchen beginnen in anderthalb Wochen, bis dahin muss Riesch am Wochenende sowie am 4. und 5. Februar aber noch vier Weltcup-Wettbewerbe bestreiten. Ihre Chance, die Gesamtwertung zu gewinnen, ist „so groß wie nie“, sagt Riesch selbst. Doch die Jagd auf Kristall, die Hatz von Rennen zu Rennen, sie könnte den großen Gold-Traum gefährden.

„Wir fahren jetzt in Sestriere, dann geht es gleich weiter zum Arber in Zwiesel - und dann kommt sofort die WM. Aber irgendwann muss Maria ja auch mal wieder Technik trainieren“, sagt Cheftrainer Thomas Stauffer. Das Üben sei auch für eine Ausnahme-Athletin wie Riesch wichtig, um sich die nötige Sicherheit zu holen - gerade für die WM-Rennen, die nicht nur auf der Piste, sondern auch im Kopf entschieden werden.

DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier moniert ebenfalls, dass „das Training leidet“, will das Thema aber „nicht zu hoch hängen. Das war immer schon so. Das sind Profis, und wenn man um die ganz großen Punkte kämpfen will, muss man eben alles fahren.“ Und dass der erste Gesamtsieg einer Deutschen seit Katja Seizinger 1998 ein lohnenswertes Ziel ist, ist für Maier ohnehin klar: „Wer das schafft, darf sich zu den absolut elitären Sportlern zählen.“

Maria Riesch selbst bezeichnet die WM als „größtes Ziel überhaupt“, aber nach zwei zweiten und zwei dritten Rängen im Gesamtweltcup will sie auch da endlich nach ganz oben. „Zum jetzigen Zeitpunkt kann man vielleicht schon sagen, dass ich die besseren Karten habe“, sagt sie über den Zweikampf mit Vonn. 145 Punkte beträgt ihr Vorsprung auf ihre Konkurrentin aus den USA, an der es laut Riesch „nagt, dass ich ihr auch im Speed so nahegekommen bin“. 

In den technischen Disziplinen Slalom und Riesenslalom verliert die Abfahrts-Olympiasiegerin ohnehin meist Punkte auf Riesch - sehr zum Leidwesen Vonns, die das nicht immer gut wegsteckt. „Man darf der anderen nicht das Gefühl geben, dass man sauer ist, nur weil man langsamer war“, sagt Riesch dazu: „Man muss die Leistung akzeptieren. Das habe ich all die Jahre über gut hingekriegt. Jetzt erwarte ich das andersrum genauso.“

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Vonn betont, es sei „keine leichte Saison für mich, weil Maria so stark ist“. Deshalb hoffe sie, dass die in Maribor ausgefallenen Torläufe „nicht mehr nachgeholt werden“. Riesch fände das „tragisch und unfair“, könnte sie doch erwarten, in beiden Rennen weiteren Punkte-Vorsprung herauszufahren.

Der Weltverband erwägt, ein Rennen Ende Februar in Are und das zweite im März in Spindleruv Mlyn im Riesengebirge nachzuholen. Vor der WM wird es keinen Zusatztermin mehr geben. „Ich möchte nicht, dass die Athletinnen todmüde zur WM kommen“, sagt Renndirektor Atle Skaardal. Die Kristall-Jagd soll den Kampf um Gold nur ja nicht überschatten.

sid

 

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