Neureuther Zweiter: "Bin selbst extrem verblüfft"

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Felix Neureuther fuhr in Bansko aufs Podest

Bansko - Sechs Tage nach dem bitteren Slalom-Aus bei der Heim-WM hat Felix Neureuther seinen dritten Weltcup-Sieg nur um eine Hundertstelsekunde verpasst. Da fehlen ihm selbst fast die Worte.

Mit einer Woche Verspätung fühlte sich Felix Neureuther wieder wie ein Ski-Rennläufer. „Keine Beine aus Stahl mehr“, sagte er lächelnd. Nur sechs Tage nach seinem völlig misslungenen WM-Slalom in seinem Heimatort Garmisch-Partenkirchen, wo er nicht zuletzt an seinen eigenen Erwartungen regelrecht zerbrach, präsentierte sich der 26-Jährige beim Weltcup im bulgarischen Bansko sogar wieder als Siegläufer. Den dritten Sieg in seiner Karriere verfehlte er bei der Super-Kombi zwar um eine Hundertstelsekunde - sein zweiter Rang war allerdings eine riesengroße Überraschung.

„Ich bin selbst extrem verblüfft“, sagte Neureuther, und er klang so glücklich, als sei er gerade Olympiasieger geworden worden. Als er mit 0,01 Sekunden Rückstand auf den WM-Medaillensammler Christof Innerhofer aus Südtirol ins Ziel gefahren war und den ersten Blick auf die Anzeigetafel erhascht hatte, schien er zunächst fassungslos zu sein. Mit einem glückseligen Lächeln breitete der Partenkirchner die Arme aus, klatschte erstaunt mit beiden Händen auf den Helm und sagte ungläubig: „Ich bin zum ersten Mal seit eineinhalb Jahren auf langen Skiern gestanden, ich habe ja nicht mal einen Abfahrtsanzug an.“

Um ein Haar hätte Neureuther sogar Historisches vollbracht: Erst einmal war es einem Deutschen gelungen, eine Kombination im Weltcup zu gewinnen, das war fast auf den Tag genau 25 Jahre zuvor der spätere Doppel-Olympiasieger Markus Wasmeier im französischen Morzine. In Wasmeiers Ära wurden in der Kombination die Zeiten der Spezial-Abfahrt und der beiden zwei Slalom-Läufe addiert. Die Super-Kombi diesmal bestand aus einem Slalom am Morgen und einem wegen Nebels auf den Nachmittag verschobenen Super-G. Und Neureuther hatte den Super-G eigentlich gar nicht mehr fahren wollen.

So aber stand Neureuther in einem sonnenüberfluteten Zielraum, jeder rief seinen Namen und gratulierte. Der WM-Slalom war ihm missraten, nachdem er ihm fünf Jahre entgegengefiebert hatte, nun war er im fernen Bulgarien wieder er selbst. „Der Druck in Garmisch war zu extrem, ich habe es aber auch einfach zu sehr an mich herangelassen. Ich konnte dort einfach nicht so frei fahren, wie ich das jetzt gezeigt habe.“ Schon am Vormittag war Neureuther im Slalom mit Startnummer 27 auf Rang zwei hinter Slalom-Weltmeister Jean-Baptiste Grange aus Frankreich gefahren.

Neureuther wäre nicht Neureuther, würde ihn dieser verblüffende zweite Rang nicht auch ärgern. „Ja, es ärgert mich extrem. Ich war in der vergangenen Woche schon in einer gewaltigen Verfassung, aber dann ... dann stand ich da oben am Gudiberg am Start und die anderen Läufer wie Ted Ligety haben zu mir gesagt: Felix, das bist nicht du.“ Sieger Innerhofer dagegen machte dort weiter, wo er in Garmisch-Partenkirchen aufgehört hatte: Bei der WM hatte der Südtiroler Gold (Super-G), Silber (Super-Kombi) und Bronze (Abfahrt) gewonnen.

In Abwesenheit einiger Spitzenläufer wie Weltmeister Aksel Lund Svindal aus Norwegen oder Carlo Janka aus der Schweiz belegte der Franzose Thomas Mermillod-Blondin Rang drei. Der zunächst führende Grange schied im Super-G aus. Ivica Kostelic aus Kroatien baute durch Rang fünf seinen Vorsprung im Gesamtweltcup weiter aus: Er liegt nun praktisch uneinholbare 569 Punkte vor Didier Cuche aus der Schweiz. Den Kombinations-Weltcup hatte Kostelic bereits für sich entschieden.

sid

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